Liebes Tagebuch

Wir setzen die Reise fort, verlassen die Jesuitenroute und fahren wieder eine große Distanz durch, da die Luft immer noch schwer von Rauch ist. Dann sehen wir endlich die ersten Hügel, welche die mächtigen Anden ankündigen. Wir überlegen kurz am Fuß des Gebirges in einem Hotel der Stadt Yucomo zu übernachten, aber Leon schläft noch und Sara möchte die Gelegenheit nutzen und weiterfahren. Also geht die Serpentinen hinauf ins Gebirge. Die Straßen sind schlechter als zuvor und der Asphalt häufig aufgebrochen.

In der App iOverlander finde ich eine Seitenstraße, in der man in Ruhe übernachten können soll.

Ich finde diese kleine Straße auch in der Realität und erkunde die Umgebung, da die Piste sehr steil wird. Da kommt eine Frau auf einem Motorroller zum Auto und fragt uns nach unserer Absicht hier. Es stellt sich heraus, dass sie die Besitzerin des Grundstückes ist. Als ich unsere Familie und die Art unserer Reise vorstelle gibt sie uns sofort die Zusage, dass wir hier übernachten dürfen. Es gäbe aber noch einen viel schöneren Platz direkt am Fluss, den sie uns zeigen will.



Sie fährt voraus und ich hinterher. Nach wenigen Minuten kommen wir auf einer anderen Piste tatsächlich an einen schönen Strand an der Vertiefung eines kleinen Flusses namens Rio Quiquibey, umgeben von Dschungel. Kinder fischen mit Netzen und ein Mann angelt, bis die Dunkelheit anbricht.

Mit Leon schreite ich durch das seichte Wasser und der Kleine jagt begeistert die Kaulquappen. Wir schlagen unser Nachtlager auf und genießen die Idylle. Viele Vögel und Insekten stimmen wieder ein Konzert an.




Am nächsten Morgen müssen wir mit ansehen, wie ein Kolibri gegen eine unserer Scheiben fliegt und am Boden zittert. Ich denke schon, dass dem armen Vogel nicht mehr zu helfen ist, aber als Sara nach sieht ist der Kolibri plötzlich wieder lebendig, fliegt auf, beschwert sich bei Sara, und düst davon. 

Wir suchen ebenfalls unsere Sachen zusammen. Eine Gruppe Frauen kommen an uns vorbei. Sie scheinen im Fluss Wäsche zu waschen. Sara erinnert sich, dass wir noch Kleidung von Leon haben, die ihm zu klein geworden ist.

Wir bringen eine Tüte voller Babysachen zu einer der Frauen, die ein junges Baby mit sich trägt. Die Frau ist etwas irritiert über das überraschende Geschenk und erwidert ein kurzes „gracias“.

Für uns geht es nun weiter in die Berge und in die richtigen Anden. Vor uns liegen Pässe von über 4000 Metern und die berühmte und berüchtigte „Death Road“.



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