Liebes Tagebuch

Der Sonnenaufgang ist fantastisch an unserem Nachtlager des Ufers des Titicacasee, wo das Schilf wächst und die Binsenboote angelegt haben. Der Tag hätte so schön sein können, wenn das Auto uns nicht wieder im Stich lassen würde. Nach kurzer Fahrt ist der Motor heiß und ich muss anhalten. Dabei haben wir kaum Steigung. Nach kurzer Pause wird der Motor direkt wieder heiß. Verdammt. Ist der Motor wirklich kaputt? Meine Tests von La Paz nach La Cumbre hoch waren am Ende doch erfolgreich.

Ich kontaktiere den Mechaniker Felix in La Paz, aber die Internetverbindung ist sehr schlecht. Er will nicht kommen, um zu helfen. Zwischendurch versuche ich zu Googeln und hole mir Hilfe von meinen Eltern daheim, wo es eine bessere Verbindung gibt. Ist es das Ende unserer Reise? Ist der Motor nun doch endgültig hinüber?



Ich frage einen Bauern, ob es einen Mechaniker in der Nähe gibt. Er verneint und meint, dass der nächste Automechaniker im nächsten Dorf zu finden wäre.

Ich versuche noch den Thermostat im Auto zu finden, da ich dieses Teil ich im Verdacht habe; aber der ist so gut versteckt, dass ich doch lieber den Weg zum Mechaniker wähle. Der Motor ist abgekühlt und wir fahren los.

Doch wieder und immer wieder, etwa alle fünfhundert Meter dauert es, dann ist der Motor schon wieder überhitzt. Kurz vor dem nächsten Dorf frage ich einen Mann am Straßenrand nach dem Mechaniker. Überraschenderweise meint der Mann, er selbst hätte einen Mechaniker, der helfen könnte, und zeigt auf zwei luxuriöse Ausflugskatamarane für Touristen. Er holt den Mechaniker des Schiffes, der zuerst meint etwas von Dieselmotoren zu verstehen und sich dann über das Auto her macht.



Auch der Schiffsmechaniker vermutet den Thermostat und findet diesen ebenfalls nicht. Aber er stellt fest, dass das Kühlwasser komplett verschwunden ist und füllt nach. Eine Testfahrt das Dorf hindurch und zurück zeigt Erfolg. Die Frage ist nur, wo das Kühlwasser hin ist. Felix in La Paz meinte ja, dass er alles aufgefüllt hat. Ich hoffe, dass es ist kein Fehler an der Zylinderkopfdichtung ist. Doch das wird die nächste Zeit zeigen.

Ich bedanke mich herzlich, zeige meinen Dank mit Geld und Magneten aus Freiburg, und kaufe den Männern noch zwanzig Liter Diesel ab, bevor wir entgegen jeder Hoffnung an diesem Tag doch noch unserem Tagesziel entgegen in die kleine Stadt Cocacabana, an der Grenze zu Peru, fahren können.




Bei San Pablo de Tiquina erreichen wir eine Fähre, die uns auf die gegenüberliegende Halbinsel mit Zugang zur anderen Seite des Sees bringen soll. Uns stockt der Atem, denn diese Dinger sind aus maroden Planken zusammengezimmert und scheinen nie repariert zu werden. Während unsere wackelnde Fähre ablegt frage ich mich, wie viele davon im Jahr auseinander brechen. 

Heißt unser Fährmann zufällig Charon? Wir überleben auch diese klapprige Überfahrt und geben dem Fährmann sein Goldstück. Es war fast so schlimm wie bei der Überfahrt über den Rio Mamore. Dann geht es weiter in die Richtung unserer letzten Etappe in Bolivien: Copacabana!


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