Liebes Tagebuch

Wir packen unsere Sachen und fahren weiter. Die Idylle an dem kleinen Fluss hat gut getan. Ich habe im Kopf die kühne Idee die alte Straße „Yungas Road“ nach La Paz zu nehmen, die auch „Death Road“ genannt wird, weil es dort so oft zu Unfällen gekommen ist. Vor wenigen Jahren wurde jedoch eine fest ausgebaute Straße drumherum gebaut, sodass auf der alten Straße kaum noch Verkehr ist.

Diese ist jedoch sehr schmal und steil und daher will ich sie nur fahren, wenn das Wetter gut ist. Der Wetterbericht kündigt allerdings Gewitter ab morgen und die vier Tage darauf an. Wir wollen trotzdem zum Fuß der Yungas Road in den kleinen Ort Yolosa fahren und den nächsten Tag abwarten, um zu sehen, wie sich das Wetter entwickelt.




Wir kommen durch kleine Dörfer und an Marktständen vorbei. Es wird frischer Orangensaft angeboten sowie Früchte und Schokolade aus der eigenen Produktion. Da können wir nicht nein sagen. Auch frischen Honig kaufen wir. Es ist bemerkenswert, was es hier für ein Angebot gibt. Ein paar Früchte nehmen wir auch mit und dann geht es weiter.

Natürlich gibt es auch wieder „peaje„, also Maut zu entrichten, und einen Polizeiposten, wo man sich ausweisen muss. Aber da sitzt nur noch ein kleiner Beamter, der kurz auf das aduana, das Zollpapier, und meine Lizenz schaut, und dann geht es weiter. 



Auf dem Weg machen wir Halt in den kleinen Dorf Sapecho. Dort empfängt uns Edwin, den ich in Couchsurfing gefunden habe. Er hat dort mit seiner Familie eine Kakaoplantage, aber leider keine Zeit für uns, da wir zu ungeplanter Zeit auftauchen. Wir hatten leider kein Internet unterwegs, um unsere genaue Ankunft anzukündigen. Er begrüßt uns und zeigt uns sein Haus und auch den frischen Kakao, den er dort hat.

Wir dürfen uns einrichten, aber er muss leider wieder fort. Dafür leistet uns sein Pitbull Gesellschaft. 
Wir machen Mittagessen, aber wir entscheiden uns dazu, nicht bis zum Abend auf unseren Gastgeber zu warten, sondern die Chance zu nutzen, vielleicht doch noch in den Genuss guten Wetters am nächsten Tag zu kommen, um die berüchtigte aber schöne Straße fahren zu können. 



Die Straße nimmt an Anspruch zu. An einer Kurve gibt es einen größeren Platz, an dem ein Kreuz aufgestellt ist und an dem viele Leute eine Rast einlegen. Ich wundere mich, was das Interesse der Leute hier erwecket, und sehe mir das an. Als ich an dem Kreuz ankomme verstehe ich, dass es sich um einen provisorischen Opferaltar handelt.

Die Fahrer hinterlassen dort Blumen, Bier oder andere Dinge, um für eine sichere Fahrt über die gefährliche Strecke zu bitten. Ich werde drei Münzen für uns hinein. Schaden wird es sicher nicht. Vielleicht freuen sich irgendwelche Götter hier über Kleingeld für einen Zigarettenautomaten. 




In Caranavi machen wir kurz Halt, um Leon zu füttern. Der Blick auf die Stadt im warmen Licht des Nachmittags ist beeindruckend. Wir entscheiden uns weiter zu fahren.

Es ist nicht mehr wirklich weit, aber wenn wir morgen die Death Road fahren wollen möchten wir direkt den Beginn der berüchtigten Straße erreichen um zu sehen, wie das Wetter dort ist.



Die Straße in die Berge wird immer abenteuerlicher. Der Lastwagenverkehr nimmt zu und die Straße wird enger. Neben uns geht eine Schlucht in die Tiefe. Dort unten gurgelt ein Wildwasser. Obwohl die Sonne langsam untergeht haben die meisten Fahrzeuge kein Licht. Dafür nimmt auch die Anzahl und die Größe der Schlaglöcher auf der Strecke zu.

An manchen Stellen verengt sich die Fahrbahn, trotzdem fahren alle Fahrzeuge mit voller Geschwindigkeit weiter und denken gar nicht daran zu bremsen, wenn ein anderes Auto oder ein Lastwagen entgegenkommt.




Im Dunklen und auf sehr abenteuerlicher Straße, die sehr eng ist und steil den zuerst den Berg hinauf und dann hinunter und durch den Busch führt, erreichen wir Yolosa, ein kleines Dorf am Fuß der Yungas Road, bzw. „Death Road„, bzw. der „Ruta de la muerte“ . Als dies noch die einzige Straße von La Paz ins Tiefland war und der Lastwagenverkehr hier entlang kam gab es zeitweise dreihundert Tote im Jahr, da die Straße schmal und die Abhänge steil sind. 

Der kleine Ort wirkt zuerst schäbig, zeigt dann aber einen ordentlichen Dorfplatz mit öffentlichem Schwimmbecken. Davor parken und übernachten wir. Leon schläft schon lange und Sara tut alles, damit das so bleibt. Still bauen wir das Bett auf und ich ziehe los und besorge uns etwas zu essen. Es gibt keine Empanadas, aber gebratene Kartoffeln, Reis und Huhn. Wir legen uns schlafen und sind neugierig, was der nächste Tag bringen wird




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