Liebes Tagebuch

Im Gegensatz zu den nahegelegenen Kanaren ist Madeira sehr grün und man sieht wenig von dem vulkanischen Erbe der Insel. Wenn man etwas mehr über die Besonderheiten von Madeira hört kommen sehr schnell die „levadas“ ins Gespräch. Dabei handelt es sich um putzige kleine Kanäle, welche die Insel überziehen und Wasser von den Bergen über die bewirtschafteten Terrassen der Einwohner leiten. Das ist nicht nur nützlich, sondern sieht auch sehr hübsch aus. An den Kanälen entlang führen auch Wege, die heute durch die sich anbietenden Wanderungen mit zu den größten Touristenmagneten der Insel gehören. Das Netzwerk aus den levada-Wegen misst etwa 2000 Kilometer Länge.

Man kann einfach nicht auf Madeira gewesen sein, ohne eine dieser traumhaften Wanderungen entlang eines dieser levadas unternommen zu haben. Zahlreiche Routen stehen zur Auswahl mit mehr und weniger Anspruch. Eine sehr einfache levada habe ich selbst in Funchal gefunden bin ihr mit Leon gefolgt.

Wir entscheiden uns für eine Route im Zentrum der Insel. Das Wetter ist spontan gut und wir mieten uns ein Auto. Bei der Bergstation boca do encumeada machen wir Rast. Es ist schon ordentlich etwas los hier oben. Auch hier starten ein paar Routen durch die Berge entlang einiger levadas.

Während Sara Leon stillt trinke ich einen bica in einem Café. Ein dicker, wild aussehender Mann spricht mich an und fragt mich, aus welchem Land ich komme, da ich keinen Akzent in meinem Englisch zu haben scheine. Wir beginnen uns zu unterhalten. Er und seine Freundin stammen aus Prag und leben jetzt in London. Sie wohnen in einem großen umgebauten Sprinter und besuchen jetzt die Insel Madeira. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut, wir unterhalten uns über die Reisen im Van, die Insel und verrückte Corona-Regeln. Ich muss mich verabschieden aber bin sicher, dass ich die beiden im Leben wieder treffen werde.




Wir erreichen den Wanderparkplatz nahe dem Einstieg. Und der ist voll. So richtig voll. Wir stellen uns genauso illegal wie eine große Menge anderer Autos an den Rand der Straße und hoffen das Beste.

Zum Glück hat sich die Menge an Menschen weit über das Land und seine levadas verteilt. Die meisten Wanderer scheinen die ebenfalls hier beginnende Route zu den 7 Wasserfällen gewählt zu haben, jedenfalls ist unser Weg einigermaßen frei.

Der Beginn der Route führt zuerst vorbei an ein paar Kühen (die einzigen, die wir auf der Insel sehen) und führt dann in ein niedriges Dickicht aus Sträuchern hinein. Stetig folgen wir dem Kanal. Da es noch Winter ist sind die Büsche noch kahl und scheinen im hellen Sonnenschein nach uns greifen zu wollen.



Die Fauna ist auffallend besonders. Auch wenn es nicht direkt so aussieht als wären wir im amazonischen Regenwald merkt man sofort, das die Pflanzenwelt um einen herum eine andere ist. Außer den Kühen sehen wir aber keine anderen Tiere.

Kleine Brücken führen immer wieder über den levada – manchmal führen diese Brücken selbst kleine Kanäle in eine andere Richtung.



Auf der Hälfte der Route gibt es eine Abzweigung, die zum cascada do risco, einem bildhübschen Wasserfall, führt.

Hier merkt man auch gleich, dass dies das Ziel für eine Menge an Menschen ist, zumindest ist hier viel los.



Wir machen eine längere Pause, da Leon wach geworden ist. Wir warten eine Stunde, bis wir uns wieder auf den Weg machen, der den levada nun verlässt und sich steil nach unten und wieder steil nach oben bewegt. Der Anspruch an uns nimmt deutlich zu.

Dafür kommen wir erst durch einen Wald, der aussieht, als würden dort Hexen hausen, um dann ins Freie zu kommen und ein tolles Licht der sich senkenden Sonne über den bewaldeten Bergen zu haben.

Die letzten Meter sind ein beschwerlicher Kampf. Wir werden müde, Leon ist schwer und hat keine Lust mehr. Trotzdem müssen wir noch 500 Höhenmeter wieder nach oben zurücklegen. Wir schaffen es, unser Auto wurde nicht abgeschleppt und wir machen uns umgehend wieder auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft.



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