Liebes Tagebuch

Wir nutzen einen Tag mit unserem Mietwagen, um etwas mehr von der Insel zu sehen. Es gibt nicht wirklich viele Straßen zur Auswahl. Eine durchgehende Strecke führt im Kreis um die Insel herum und eine Straße durchtrennt Madeira von Süden nach Norden. Dazwischen gibt es ein paar wenige Verbindungsstrecken.

Die Straßen auf Madeira sind steil. Sehr steil. 40% Steigung sind keine Seltenheit und Fahrzeuge werden im ersten Gang exzessiv an ihre Grenzen gebracht. Die rua barreira rühmt sich sogar mit 45% Neigung. Einmal falsch abzubiegen kann ungeahnte Konsequenzen haben, wenn man im Rückwärtsgang aus einem tiefen Loch wieder hinausfahren muss.

Wir schlagen die Route in entfernteste Stadt von uns ein. Zuerst müssen wir dafür der Küste folgen, bis uns das Navi durch die Insel führt.



Wir stärken uns auf halber Strecke in der Taberna de Serrá. Wir sehen andere Gäste seltsame Muscheln essen und sind neugierig. Die Dinger, die man nicht öffnen muss, stellen sich als Haftmuscheln heraus. Also die komischen Pocken, die man normalerweise an Pfählen von Stegen oder an groben Steinen direkt in der Meeresbrandung findet. Und sie schmecken gar nicht schlecht.

Vom Geruch und der Großzügigkeit der Gäste angelockt nähert sich Saras größter Albtraum: eine Katze. Orange wie Garfield und mit nur einem Auge wie ein Pirat wittert sie ihre Beute. Sara fackelt nicht lange und ergreift die Flucht – auf den Tisch. Natürlich lässt sich die Katze nicht bitten einfach zu gehen, also müssen Mutter und Kind zwischen dem Essen ausharren, bis wir weiterfahren.



Wenn man auf Madeira mit dem Auto fährt stellt man sich die schöne Landschaft links und recht der Straßen vor. Tiefe Schluchten, steile Küsten, das Meer. Ja, das stimmt auch – teilweise. Manchmal. Nur ein bisschen. Hauptsächlich sieht man vor allem eines: Tunnel. Man fährt lange durch Tunnel, tritt aus dem Tunnel heraus und fährt direkt in den nächsten Tunnel. So führt der große Teil der Fahrt einfach nur durch eine Betonröhre.

Bei Sao Vicente erreichen wir die andere, rauere Seite der Insel. Hier hat es hohe Wellen, die langsam auf die Küste brechen.

Nicht nur die See ist rau – auch Wind und Regen scheinen es zu sein, jedenfalls sehen wir des Öfteren Straßen, die von Erdlawinen verschüttet wurden.





Leons Ruf der Natur lässt uns nach einem Haltepunkt suchen und idealweise finden wir direkt einen am Ponta do Poiso. Dort finden wir nicht nur nette Mädels in einem Souveniershop, die uns einen Tisch der Bar sowie einen Souvenierteppich zum Windelwechseln zur Verfügung stellen.

Außerdem bietet der Ort einen fantastischen Blick auf das Örtchen Seixal sowie einen spektakulären Wasserfall, der aus einer schmalen Schlucht an einem senkrecht aufragenden Berg in tief in das Meer stürzt.





Es ist Nachmittag und wir müssen überlegen, wo wir noch hinfahren, damit wir rechtzeitig zu Leons Bettgehzeit zurück sind. Es ist glücklicherweise nicht mehr weit bis nach Porto Moniz, dem Ende der Insel. Aus unserer Perspektive.

In dieser Stadt hat man zahlreiche Becken aus dem Vulkangestein geschlagen (piscinas naturais velhas) und viele Leute baden darin, trotz der frischen Temperaturen. Auch hier Donnern die Wellen gegen die Küsten und spülen die Becken und ihren Inhalt ordentlich durch.

An der Spitze der Küste sieht man eine kleine Burg, in der das Meeresaquarium untergebracht wurde.

Über kleine Brücken gelangt man von einer kleinen Vulkaninsel zur nächsten. Die natürlichen Schwimmbecken sind alle gratis zu besuchen. Leider habe ich nicht die Zeit und Badehose zur Hand, um selbst eine Kostprobe des Atlantiks zu nehmen. Es wird Zeit und wir haben noch eine Fahrt quer über die Insel vor uns. Leon hat keine Lust mehr Auto zu fahren und hasst Tunnel. So bestraft er uns mit seinen lauten Beschwerden auf der Fahrt.




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