Die winzigen bunten Häuser von Santana



Liebes Tagebuch

Ich hatte schon im Reiseführer Fotos von diesen besonderen Häusern gesehen, jetzt wollen wir die uns im Original ansehen. Das Wetter gestaltet sich als sehr wechselhaft.

Mit meinen Eltern fahren Leon, Sara und ich einmal an das andere Ende der Insel. Auch unterwegs gibt es viel zu sehen und die Landschaft lädt zu zahlreichen Stopps ein, an denen ich einfach Fotos machen muss! Besonders die Landschaft um den ribeiro frio, den kalten Fluss, ist atemberaubend.

Es ist kalt und der Wind vom Meer gibt sein Übriges, dass es außerhalb des Wagens nicht gerade gemütlich ist. Außerdem hat Leon schlechte Laune. Diese Momente sieht man selten bei den glücklichen Familien, denen man auf Instagram auf ihren Reisen folgen kann.



Wir erreichen Santana und müssen uns erst einmal orientieren. Google schickt uns zu einem überdimensionierten Parkhaus, in dem außer uns aber niemand ist. Es wirkt wie im Jurassic Park vor seiner Eröffnung, in dem die Ausstellungsobjekte bereits das Personal gefressen haben. Wir sehen uns um und sehen tatsächlich einen geschlossenen Park. Oder vielleicht ist er offen, aber niemand interessiert sich dafür, wir wissen es nicht. Es scheint aber um eine Gewinnoptimierung zum Thema der von uns gesuchten kleinen bunten Häuschen zu gehen und als Themenpark konzipiert zu sein.

Entschlossen ignorieren wir den Eingang des Parks und marschieren in Richtung Stadt. Eine Unterführung und eine leichte Steigung später kommen wir auch schon im Dorfzentrum an, wo es einen kleinen Bauernmarkt, kleine bunte Häuschen und überdimensionale Puppen zu bestaunen gibt,

Es ist Mitte März und damit die Zeit des Karnevals. Es sollte Paraden in den Straßen und Partys in den Innenstädten geben. Genau die drei Wochen, die wir im Land sind. Was für ein Zufall. Und was für ein Reinfall. Denn es ist auch das zweite Corona-Jahr und damit fällt alles aus, was Spaß machen könnte. Portugal hat besonders mit Covid-19 zu kämpfen und greift strikt durch.

Die Bewohner Santanas haben aber trotzdem, wie jedes Jahr, ihre Puppen gebaut und stolz auf dem Dorfplatz mit den Umzugswägen, die für die Paraden in Funchal gedacht waren, für die Besucher ausgestellt. Als wäre eine der Lynchjustiz folgende Masse durch den Ort gewütet sieht man an zahlreichen Häusern menschengroße bekleidete Figuren herabbaumeln. Manchmal braucht es einen zweiten Blick, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um lebendige oder nicht mehr lebendige Menschen handelt.

In der Mitte des Ortes sind auch die kleinen bunten Häuser angesiedelt. Eine kleine Plakette erklärt die ziemlich unspektakuläre Geschichte der Hütten, die wie aus einem kleinen gallischen Dort aussehen. Es handelt sich dabei um temporäre Wohnungen für Gastarbeiter, die im 19. Jahrhundert auf die Insel kamen, um bei der Ernte zu helfen. Die brauchten eine praktische Unterkunft für Leute, die keine Ansprüche stellen. Die Farben kamen erst später an die Häuser, weil sie Touristen anzogen.

Heute kann man zwar nicht mehr in den Zwerghäusern wohnen, dafür aber lokale Produkte und Souveniers kaufen.


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