Liebes Tagebuch

Wir verlassen Dourados unbeeindruckt und setzen den Weg durch die Landschaft aus Rinderfarmen und Soja- beziehungsweise Maisfeldern fort. Unterwegs machen wir wie immer einen Halt, um für Leon und uns zu kochen. Wir finden nichts Besseres als den Parkplatz vor einem Elektronikwarenladen. Während wir im Schatten des Gebäudes unsere letzten Instantnudeln verputzen kommt ein Angestellter des Geschäftes aus dem Laden und auf uns zu. Ich bereite mich schon darauf vor, dass wir mit unserem verlotterten Aussehen die Kundschaft vertreiben und dass er uns verscheuchen möchte. Aber dem ist nicht so. Er lädt uns zum Grillen ein!

Im Laden findet eine Spendenaktion statt und man hat sich viel Mühe mit der Dekoration gegeben und Fleisch, Bier und Manioka für ein eigenes Rodizio vorbereitet. Das Einzige, das fehlt, sind interessierte Kunden. Im Laden sind zehn Angestellte, aber kaum ein Kunde lässt sich blicken. Wir schlagen uns die Bäuche voll, unterhalten uns mit dem Personal und machen natürlich Selfies. Wir sind aus Deutschland? Oh oh oh, 7:1… Noch immer überrascht und mit vollen Bäuchen setzen wir unsere Fahrt fort.




An einem Tag erreichen wir die Stadt Campo Grande. Die Stadt ist viel größer und hübscher als Dourados. Auch hier liegt unsere Unterkunft in einer abgesperrten Kommune mit Tor und Wächter, wieder hat uns niemand etwas davon im Voraus gesagt und wieder müssen wir warten. Immerhin nicht ganz so lange und die Zeit ist kurzweilig, denn wir sehen ein paar riesige blaue Aras, die in einer Palme nicht weit von uns ihren Schabernack treiben. 

Dann kommt ein alter aber sehr lustiger Mann, der besonders begeistert ist von Leon, lässt sich von uns in die Kommune fahren und erklärt mir wie einem wirklich sehr begriffsstutzigen Idioten, wie man den Sender benutzt, um das Tor automatisch zu öffnen.

Dann zeigt er uns die Unterkunft, erklärt noch einmal den Sender für das Tor, erklärt uns wo wir parken können, lässt sich von uns zum Tor fahren, erklärt mir nochmal, wie man es öffnet, und ist irritiert, als wir aus dem Tor herausfahren, um zum nächsten Supermarkt zu kommen. Er erklärt uns, wie wir am besten umkehren, wie wir durch das Tor kommen und die Unterkunft finden. Ich habe den Eindruck, dass er uns für sehr beschränkte kleine Affen hält. Sara fällt vom Rücksitz vor Lachen und hält sich den Bauch vor Schmerzen. 



Die Stadt wirkt sauber und aufgeräumt. Sie ist groß und gilt als das zivilisierte Eingangstor ins Pantanal. Wir sind also angekommen. Wenn um die Stadt nicht überall Rinderfarmen und Maisfelder lägen könnte man es fast glauben. Immerhin bietet der große Park einen Eindruck von Exotik. Im Parque das Nações Indígenas gibt es nicht nur Kokosnüsse an jeder Ecke zu trinken. Wir sehen am See Wasserschweine, die frei herumlaufen und sogar Nachwuchs haben. Immer wieder sehen wir eine kleine Gruppe. Es scheinen verschiedene Familien zu sein. 

Und auch verschiedene Wasservögel bekommen wir zu Gesicht, außerdem gleich eine große Gruppe der blauen Aras und eine Eule, die sich mitten am Tag und ohne Scheu auf einem niedrigen Ast positioniert. Das ist schon einmal ein beeindruckendes Spektakel der Tierwelt mitten in der Stadt. 

Mitten im See wurde eine kleine Insel mit einem indigenen Einwohner auf einem Pferd auf der Jagd mit dem Speer dargestellt. Welches Volk das gewesen sein soll ist mir ein Rätsel.  Es ist Sonntag und viele Leute machen Picknick im Park. Familien, muskelbepackte Männer, Gruppen von Frauen. Interessante Zusammenstellungen. 












Es wird Mittag, wir haben Hunger und heute etwas zu feiern. Nicht weit entfernt finden wir ein Restaurant, das gut aussieht und typisches brasilianisches Grillgut anbietet. Es scheint auch gut zu sein, denn eine lange Schlange wartet am Eingang. Immerhin können wir Leons essen aufwärmen lassen und ich kann mir umsonst Schnäpse des Hauses nehmen. Und uns wird nicht langweilig, denn wir können die Mode der Leute bewundern, die beeindruckend ist. Die Männer tragen feine Hemden und sogar Anzüge. Die Frauen tragen schicke Kleider und zeigen extrem viel Haut. Familien und Paare scheinen sich heute zu treffen.

Von einer Frau in einem schicken weißen Kleid, die ebenfalls mit ihrer Familie wartet und welche die einzige zu sein scheint, die Englisch spricht, erfahren wir, dass es brasilianische Tradition ist am Sonntag luxuriös auszugehen.

Das wird sich in den nächsten Wochen bestätigen. Wir kommen uns in unseren Klamotten plötzlich sehr schäbig vor. 

Endlich bekommen wir einen Tisch und können dem Meister direkt bei der Zubereitung des Rodizio zusehen. Das Restaurant ist teuer, aber sehr gut. Immer wieder kommt die Frau in dem schönen weißen Kleid zu uns und hilft uns bei der Kommunikation mit dem Personal, obwohl sie selbst nur Gast ist. Auch die anderen Angestellten geben sich sehr viel Mühe mit uns. 





Ich nutze die Zeit in Campo Grande, um festzustellen, warum wir momentan kein Wasser in der Küche des Autos bekommen. Ich finde einen Wackelkontakt in der Elektrik, aber auch der Wassertank scheint leer zu sein, obwohl wir das Wasser gerade erst aufgefrischt haben. Seltsam. Dann gibt es noch einen Fehler der Tiefkühltruhe, der sich auf die schwache Stromversorgung zurückführen lässt. Man muss ein extra Programm im Menü auswählen, damit das Gerät wieder einwandfrei funktioniert. 

Nach ein paar Tagen verlassen wir wieder Campo Grande. Wir machen einen Abstecher nach Norden, da ich Berichte gelesen habe von einer Straße, an der man viele Ameisenbären sehen können soll. Das wollen wir sehen. Der erste Halt heißt Rio Verde de Mato Grosso und von dort führt eine Piste durch das Niemandsland nach Süden nach Aquidauana.



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