Liebes Tagebuch

Mein erster Tag ist ereignisreich. Esteban kommt endlich mit unserem ersehnten Gefährt an und führt es uns vor unserer Unterkunft in Asunción vor, wo wir die nächsten Wochen verbringen, bis der Wagen abfahrbereit ist. Wir müssen noch einige Entscheidungen über die Gestaltung des Interiors und Exteriors treffen. Nach unserer erstmaligen Inspektion fahre ich mit Esteban zur Testfahrt. Ich setze mich ans Steuer und mache mich mit dem Wagen vertraut. Bei einer alten Lady von 1996 muss ich mich erst einmal wieder zeitlich zurückversetzen. Das Lenkrad verlangt enorm viel Handarbeit, man muss den Schlüssel zum zünden des Motors nutzen und einige Plastikteile blättern ab oder haben deutliche Gebrauchsspuren. Man riecht die 90er Jahre aus den staubigen Lüftungsschlitzen. Trotzdem macht der Van eine gute Figur.

Wir fahren aus der Stadt zum Fluss. Esteban brennt darauf mir die Fähigkeiten des Busses im Schlamm zu zeigen. Da es die vergangenen Wochen ordentlich geregnet hat ist es keine Schwierigkeit eine matschige Piste zu finden, besonders nicht am Fluss.

Wir versenken den Toyota tief im Matsch und bekommen ihn dort aus eigener Kraft tatsächlich auch wieder raus. Danach fahren wir durch den Busch. Esteban meint, dass „da hinten, wo der große Pfahl in die Luft ragt“ eine Straße ist. Es wirkt eher, als wenn dort nur ein paar lichte Flecke am Boden zwischen all dem Gras durchscheinen. Ich fahre den Wagen trotzdem dahin und er kämpft sich mutig durch die Gräben und den Hang hinauf. Seine Schwäche zeigt sich beim Bus nur, wenn er unter Bäumen mit niedrig hängenden Ästen hindurchfährt. Dann deutet eine Kakophonie darauf hin, dass der Wagen weitere Dekoration an seinem Dach hinzugefügt wurde.




Wir müssen den Bäumen großzügig ausweichen und die Piste hört schließlich ganz auf. Umdrehen ist für uns aber keine Option, also finde ich einen Weg quer durch die Büsche.

Am Ende kommen wir am Flussufer des Paraguay an, wo wir Halt machen und den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen.



Wir fahren nur ein paar Meter, dann stoppt der Motor. Esteban vermutet schnell, dass es an der Dieselzufuhr liegen muss, kann das Problem aber nicht lösen. Er ruft seinen Freund Diego an, der selbst ein begeisterter Bastler von Offroad-Fahrzeugen ist, und mit seinem umgebauten Mitsubishi Delicia sowie seiner Frau Ava und den beiden Jungen sowie einem Kanister frischen Diesel ist er eine Stunde später bei uns.

Nun hängen beide über dem Motor, Prüfen die Dieselzufuhr, testen den Filter und tauschen die Pumpe. Nichts hilft. Es ist tatsächlich kein Diesel mehr im Tank und Esteban vermutet Diebstahl. Trotzdem hilft der frische Sprit nicht, um dem Bus weiterzuhelfen. Irgendwann gibt auch die Batterie auf und muss fremdgestartet werden.

Während die beiden Männer ein Teil nach dem anderen aus dem Motor bauen unterhalte ich mich mit Ava. Auch sie hat den tereré dabei, den paraguayanischen Matetee, ohne den bei vielen im Land scheinbar nichts geht. Ich probiere es aus dem metallenen Strohhalms, der aus dem kürbisartigen Becher ragt, der nur mit trockenen Kräutern gefüllt zu sein scheint. Ich liebe es sofort. Es ist etwas Minze dabei uns es ist kalt, aber sehr erfrischend.

Stunden später, als es dunkel, kalt, windig und nass ist geben die beiden auf und schicken am nächsten Tag einen Mechaniker, der als Problem den Kopf der Pumpe feststellt.


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