Krabben in der Schweinebucht





Liebes Tagebuch

Vom wunderbaren Viñales fahren wir wieder eine ordentliche Strecke zurück, denn als nächstes wollen wir die „Schweinebucht“ sehen. Niemand weiß, was diese karibische Küste mit Schweinen zu tun hat, aber bekannt wurde der Name durch eine gescheiterte Invasion der Amerikaner. Diese hatten das frisch von den Castro-Brüdern sowie Ché Guevara regierten kommunistischen Kuba unterschätzt und nicht damit gerechnet, dass auch sie über einen Geheimdienst verfügen, der von der geplanten Invasion berichtete.

Die Militärflugzeuge am Boden Kubas wurden durch Attrappen ersetzt und im Dschungel warteten bereits in geschützten Stellungen die kubanischen Soldaten auf die Invasoren. Es dauerte nur wenige Tage und die Insel war gesichert und der gewaltsame Umsturz von außen verhindert. Außer einem Museum erinnert hier in der Idylle aber nichts mehr an die weltbewegenden Ereignisse vom April 1961.





Nicht nur die Schlaglöcher machen das Fahren zum Risiko. Ein neues Lebewesen gesellt sich auf die Liste der durch uns gefährdeten Arten. Wir sind an der Südküste zwischen Playa Larga und Playa Giron, den Orten der berühmten Schweinebucht, Cienfuegos und Trinidad unterwegs. Und dort findet um diese Zeit die große Krabbenwanderung statt.

Wer den Eindruck hat, dass es bei uns in Deutschland den Kröten schlecht geht muss sich hier in Kuba mal umsehen. Zu Sonnenuntergang steigen aus dem Wasser große Rote Krabben, durchqueren Wiesen, Büsche und Straßen, um im Wald in Löchern die nächsten Monate zu verbringen. Und zwar zu Millionen.

Abgesehen von dem Massaker auf der Straße, dessen traurigen Überreste man am nächsten Tag begegnet, ist das Überfahren tausender scherenbewehrter Schalentiere auch für das Auto gefährlich: die spitzen Greifzangen der Tiere haben einen ähnlichen Effekt auf Reifen wie Nägel. Da hilft einzig ein großer Umweg durch das Inland. Oder… Geschwindigkeit.






Kuba ist zum Schnorcheln super. In der Cueva de los Peces (Höhle der Fische) geht es 72 m senkrecht in den Boden. Gefüllt mit Wasser kann man hier wunderbar Schwimmen und Schnorcheln. Viele bunte Fische leben hier und der Anblick der Tiefe ist sehr gruselig.

Um die Ecke kann man die Meeresbewohner auch im größeren Lebensraum beobachten, zum Beispiel Papageien-, Kugel- und Doktorfische, Tintenfische, Schwärme unbekannter tief blauer und auch gestreifter Fische, kleine Fische zu Millionen, die aussehen wie Neons aus dem Aquarium, und riesige Korallen und Schwämme.



Man sollte sich in Acht nehmen vor Anemonen. Durch eine Welle kam ich an eine dran und musste feststellen, dass das Berühren von Brennnesseln dagegen wie das sanfte Streicheln einer Daunenfeder ist. Nach ein paar hundert Metern Distanz zur Küste tut sich auch hier ein bedrohlicher Abgrund in die Tiefsee ab… In der Faszination des Meeres kommt man auch mal zurück und stellt fest, dass man zwei Stunden draußen war.

Das Wasser ist herrlich warm. Trotzdem fragen mich die Kubaner ob es mir zu kalt wäre, 27 Grad ist für sie nämlich keine Wohlfühltemperatur. Der Abend belohnt sich selbst beim Sonnenuntergang, der Brandung, dem obligatorischen Rum und einer Zigarre.


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