Liebes Tagebuch

Wir sind so enthusiastisch endlich in den legendären Amazonasregenwald zu kommen und seine Natur und Artenvielfalt kennenzulernen. Wir hatten einen Vorgeschmack der Wildnis und wollen mehr. Trinidad ist berühmt für seinen Zugang ins bolivianische Amazonien. Der Nebel auf der Straße nimmt zu, doch es ist kein Nebel, sondern Rauch. Viel Rauch.

Wir sehen den bolivianischen Amazonasregenwald links und rechts von uns brennen. Die Luft beißt in der Nase. Ein Waldbrand hat nicht den sympathischen Geruch eines Lagerfeuers oder eines laufenden Grills. Es riecht nach Tod.



Wir machen keinen Halt auf dem Weg, denn es gibt nichts zu sehen. Nur Rauch. Es ist eine verstörende Welt. Auf einer Karte und der Empfehlung eines anderen Reisenden hin habe ich eine schöne Stelle an einem See für unser Nachtlager herausgesucht. Wir kommen spät dort an. Zu spät, um uns etwas anderes zu suchen, denn auch der See und der Dschungel drumherum, wo es viele Vögel und Affen geben soll, liegt verbrannt am Boden und ein Bulldozer schiebt die verkohlten Reste zusammen. Ein paar Vögel flattern noch zu dem letzten Rest Wasser und ein paar Baumstämmen, als wenn sie nicht begreifen können, dass es ihren Lebensraum nicht mehr gibt. 

Der Bulldozerfahrer wird von Leuten in einem roten Range Rover abgeholt. Der Range Rover kommt zu uns und die Leute fragen uns, was wir hier wollen. Ich erkläre, dass wir hier übernachten müssen auf unserem Weg nach Trinidad. Das ist doch nicht mehr weit! – Doch, zu weit mit Baby. Sie lassen uns in Ruhe, doch die Nacht haben wir den beißenden Qualm in der Nase und sehen am Waldrand in der Ferne die Flammen. 




Ich muss tanken und in Bolivien herrscht Knappheit an Sprit. Besonders Diesel ist rar, da dieser von all den Lastwagen, Traktoren und Bulldozern gebraucht wird. Man sieht lange Schlangen an den Zapfsäulen, weit bis über die Straße. Ich versuche so häufig wie möglich zu tanken, um nicht plötzlich im Niemandsland auf dem Trockenen zu sitzen. Aber an der Tankstelle von Puente San Pablo gibt es keinen Diesel heute, sagt man mir. Trotzdem wartet schon eine Schlange Lastwagen auf morgen. Man sagt mir aber, dass Frauen Treibstoff aufkaufen und dann mit etwas Gewinn weiter verkaufen.

Ich frage mich herum und treffe eine Dame mit zwei Kindern, die sich mit einem Handkarren und großen Kanistern abmüht. Ich kaufe ihr einige Liter ab und sie hievt die schweren Kanister an meinen Wagen und saugt den Diesel durch einen Schlauch hinein. Ihre Mädchen helfen und halten den Karren. Es ist ein bemitleidenswertes Bild und ich gebe der Frau einen Zuschuss und Kekse für die Kinder, welche die Frau wortlos entgegen nimmt, bevor sie mit dem Karren und den Kindern wieder im Dorf verschwindet. 


Die ganze Strecke bis Trinidad gibt es Brände. Das Licht ist gelb und die Luft kratzt. Es ist trocken und der Ruß verklebt uns die Nasen. 



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