Liebes Tagebuch

Wir fahren den Highway von San José de Chiquitos durch bis nach Santa Cruz de la Sierra. Schnell wandelt sich die Landschaft wieder und wir haben mehr Rinderfarmen und Industrie um uns, desto näher wir der Stadt kommen. Landschaftlich gibt es nichts Interessantes auf der Strecke, sodass ich ohne schlechtes Gewissen ohne Pause bis zur Großstadt durchfahre.

Ich bereite mich innerlich auf eine von anderen Reisenden gewarnte besonders korrupte Polizeikontrolle vor. Scheinbar machen die aber Wochenende, denn am beschriebenen Ort ist niemand.


Peaje – Maut wird bezahlt und gestempelt


Trotz des Angebots eines eigenen Zimmers schlafen wir im Auto. Die beiden zeigen uns viel von der Stadt, gehen mit uns essen und erklären uns viel über das Land.

Ludwig selbst hat deutsche Wurzeln, spricht aber nichts mehr von der Sprache. Seine Großmutter spricht noch fließend Deutsch, sagt er.



Der Verkehr in Santa Cruz ist sehr verrückt. Wir kommen durch und erreichen unsere Gastgeber Ludwig und Verusca, ihre zwei kleinen Kinder Ian und Mckenzie und ihre sieben Hunde.

Es ist das Paradies für Leon! Wir werden aufgenommen und können das Auto im Garten parken.

Ich besuche einige Tage später nochmal Ludwig und lerne seinen Schwager aus Cochabamba kennen. Beide haben schon ordentlich getrunken. Ich unterhalte mich mit ihm und habe etwas Schwierigkeiten ihn zu verstehen, da er sehr schnell spricht. Ich bitte Ludwig um Hilfe, der aber zu sehr damit beschäftigt ist, mir seine Anwesen in La Paz zeigen zu wollen.

Ich bitte trotzdem nochmal zu wiederholen und Ludwig erzählt etwas von seiner ärmeren Herkunft und auch kriminellem Leben aufgrund der Umstände und eines anderen kulturellen Hintergrundes, wo man auch mal ein Messer braucht…

das führt zu einer Auseinandersetzung, in der ich mich sehr fehl am Platz fühle. Trotzdem hilft mir der Schwager dabei den günstigen Diesel für Einheimische zu kaufen und verkauft mir am Ende noch seine Identifikationsnummer, mit der ich im ganzen Land nun für ein Drittel des Preises tanken kann. 



Die Familie hat früher Bier gebraut und hat dann in die Kaffeeindustrie gewechselt. Er lebte lange in den USA und hat dort zwei Kinder hinterlassen.

Er lebte dann in La Paz und in Cochabamba, wo er ebenfalls zwei Kinder hinterließ und sich nun in Santa Cruz niedergelassen, um zwei Kinder zu zeugen.





Wir werden mindestens zwei Wochen in Santa Cruz bleiben, um ein paar Kinder für Leon zum Spielen zu finden, ihn vom Arzt untersuchen zu lassen und Verbesserungen am Auto durchzuführen.
Nach ein paar Tagen verabschieden wir uns von Ludwig und Verusca und suchen uns eine eigene Unterkunft. Nicht nur, damit wir etwas mehr Ruhe haben und wir in der Dusche von Ludwig Elektroschocks bekamen. Die neue Unterkunft ist nicht schlecht: das neueste Hochhaus „Macororo 10“ im besten Viertel der Stadt, Dachgeschosswohnung.

Wir haben schon bescheidener gewohnt. Anderen Bolivianern fällt die Kinnlade herunter, als sie von unserer Unterkunft hören. Dabei war es nur eines der günstigsten Angebote bei AirBnB.
Wir finden in der Nähe auch einen Kindergarten für Leon. Er ist der Star unter den Betreuerinnen. Ich kann derweil einige Dinge am Auto reparieren.





Ein Problem in der Stadt ist, dass viele arme Menschen, vor allem Kinder, Klebstoff schnüffeln und davon abhängig sind. Im Laden wird Kleber schon mit dem Alkohol weggesperrt. 

Das Wetter wird immer heißer und der Wind nimmt zu. Es beginnt zu stürmen, aber bleibt heiß. Bäume biegen sich, Mülltonnen fallen um und es bläst uns den Staub in die Augen. Es ist, als steht man hinter einer Turbine. Alles wird weggeweht. 

Wir kochen in der Unterkunft oder essen auswärts. Wie immer findet man Empanadas oder Lomitos. Yuca und Kartoffeln, Reis und vor allem und mit allem Fleisch. Huhn oder Rind. Selten Schwein, und wenn, dann nur in Form von Chorizo. Ein typisches Gericht ist Majao, eine Portion Reiz mit Fleisch Fasern, Yuca, Tomate und Zwiebeln, die meist mit einem Spiegelei und gebratenen Kochbananen serviert wird. 



In Santa Cruz werden wir zum ersten Mal wieder darauf aufmerksam, dass Covid-19 noch nicht vergessen ist. In allen Läden müssen wir Masken tragen. 

Die Verkehrsregeln in Bolivien sind verrückt. Manchmal herrscht rechts vor links, manchmal warten Fahrzeuge rechts auf einer viel größeren Straße auf mich. Alle fahren manchmal auf Kommando über eine rote Ampel, ohne dass sich mit erklärt, was den Ausschlag gibt. 

Ich verbringe meine Tage meist mit Änderungen für uns auf dem Weg. Ich suche vergeblich nach Propan für unseren Kocher, einem Ersatz für meine alte Wasserpumpe und eine GoPro Halterung für die Scheibe, um eine Dashcam zu bekommen. Man muss entweder durch die Märkte streifen und fragen oder den marketplace auf Facebook nutzen. Das ist sehr frustrierend, da die Leute dort extrem unzuverlässig and sind. 

Es ist jeden Tag diesig, doch einen Tag wechselt der Dunst zu Rauch. Scheinbar gibt es heftige Waldbrände nicht weit von Santa Cruz entfernt. 

Schon auf der Reise durch den Osten Boliviens sehen wir viele Mennoniten. Auch in Santa Cruz hat man mitunter das Gefühl um zweihundert Jahre zurück versetzt zu werden. 

Wir verlassen Santa Cruz (5.9.2022) mit der freudigen Nachricht, dass die Zwillinge meines Bruders gut zur Welt gekommen sind. Nur eine kurze Strecke trennt uns von einem kleinen Ort, wo wir ein Faultier beobachten.



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