Liebes Tagebuch

Wir merken diesem Land an, dass es technikverrückt ist. Samsung und andere Marken haben Südkorea in ein Land verwandelt, deren Städte aus Science Fiction Filmen entsprungen zu sein scheinen. Riesige Bildschirme, LED Leinwände, animierte Werbung im Aufzug, in der Bahn und an Häuserfassaden kämpfen gegenseitig um die Aufmerksamkeit der Menschen.

In starkem Kontrast dazu stehen die Städte und Dörfer auf dem Land. Hier scheint die Zeit vor 50 Jahren stehengeblieben zu sein. Die Häuser sind schlicht, es gibt gar keine Werbung und als Blonder Ausländer falle ich auf wie ein Alien.

Unsere nächste Etappe ist die Metropole Busan im Süden. Die Stadt ist nicht gerade schön, sondern versprüht den Charme knallharter Industrie. Dafür hat die Stadt das größte Einkaufszentrum der Welt. Ein starker Kontrast zu der Einsiedelei im Mönchskloster, wo wir uns der Kampfkunst Sonmoudo gewidmet haben.

Während wir durch die Stadt und den Hafen schlendern fällt uns der Eingang zu einer Kneipe auf. „Keine Japaner“ steht dort auf Englisch geschrieben. Das finden wir sehr radikal. Sind die Konflikte aus dem Zweiten Weltkrieg immer noch nicht beigelegt? Oder benehmen sich die unmittelbaren Nachbarn hier nicht sehr gut? Wir finden keine Antwort.




Der Fischmarkt bietet Fische und Meeresfrüchte direkt aus dem Meer. Tintenfische, Spinnen-Krabben, Kugelfische… es findet sich nichts, was es im Meer nicht gibt.

Der Markt ähnelt dem Aquarium des Zoos, nur, dass die Bewohner hier eine sehr begrenzte Lebenserwartung haben und nicht gefüttert, sondern gefuttert werden.



Abends sehen wir die Industriestadt in den Lichtern aufleuchten. Wir schlendern am Strand entlang und gehen in eine Bar. In eine Bar, die Japaner nicht ausschließt. In diesem Jahr das Lied „Gangnam Style“ von Psy weltweit bekannt. Ich bin gespannt, wie die Südkoreaner dieses weltbekannte Lied aus ihrem Land schätzen. Michael und ich haben schon zu Beginn der Reise das Projekt gestartet, ein eigenes Musikvideo zu drehen und wählen uns immer wildere Drehorte aus, an denen wir die typischen Tanzbewegungen von Psy imitieren.

In der Kneipe wird Musik gespielt und ich gehe an die Theke mit dem Wunsch nach Gangnam Style. „So etwas kann sich nur ein Tourist wünschen“ lese ich im Gesicht des Barkeepers ab. Er kommt meinem Wunsch nach und unter dem Erstaunen der anderen Gäste beginnen Michael und ich damit den Gangnam Style zum Lied zu tanzen. Die anderen Gäste erholen sich schnell von ihrem Schock, gröhlen vor Lachen und kommen zu uns, um uns zu demonstrieren, was wir falsch machen. Nach dem Ende des Lieds trinken wir ein paar Bier miteinander.




Die Nacht wird kurz. Durch unsere neuen Freunde in der Bar kommen wir erst spät ins Bett.

Was sie wohl davon halten würden, dass wir am folgenden Tag zu den Japanern fahren?

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