Als Novizen im Kampfkunstkloster


Liebes Tagebuch

Ich lernte Michael kennen, als er meine Ninjutsu-Trainings an der Uni besuchte. Er hat lange Erfahrung im Taekwondo, der Kampfsport war also unser erster gemeinsamer Nenner. Da Südkorea das Land des Taekwondo ist liegt es nahe, dass wir uns auch hier näher damit beschäftigen.

Michael fand heraus, dass es hier ein Kloster gibt, in welchem man wohnen und am Training der Mönche teilnehmen kann. In Golgusa wird eine spezielle Art von Taekwondo gelehrt, das Sonmoudo. Mit dem Zug, einigen Bussen und letztendlich zu Fuß gelangen wir vom Lande Buddhas zu dem Kloster und registrieren uns.

Wir zahlen eine Aufnahmegebühr und erhalten die Kleidung von Novizen. Wir erhalten auch den Stundenplan für die kommenden Tage: Um 5 Uhr morgens beginnt der Tag mit der Meditation im Tempel auf dem Berg, danach folgt das Frühstück im Gemeinschaftsraum um 6 Uhr. Im Anschluss folgen die morgendlichen Sonmoudo Trainingseinheiten bis zum Mittag. Nachmittags folgen dann flexible Einheiten, wie zum Beispiel weitere Arten der Meditation und Zen-Bogenschießen, bis es früh zur Abendruhe übergeht.



An den Wochenenden finden regelmäßig Vorführungen der Fähigkeiten der Mönche statt.

Da es gerade Wochenende ist kommen wir direkt in den Genuss zu sehen, was man nach langem Training erwarten kann.




Unser Zimmer ist bescheiden eingerichtet. Genaugenommen gar nicht. Auf dem Boden liegen zwei Bambusmatten. Fertig. Wir haben uns dementsprechend schnell eingerichtet, wir schlüpfen in unsere neuen Gewänder und erkunden die Klosteranlage, bevor wir früh schlafen gehen.

Nicht nur gefühlt mitten in der Nacht klingelt unser Wecker. Den brauchen wir gar nicht, denn ein lauter Gong ruft vom Berg eine halbe Stunde im voraus zur Meditation auf. Wie die Zombies schlurfen die Novizen in der Dunkelheit den Berg hinauf. Darunter auch wir.



Ein älterer Mönch singt und spricht sakrale Texte. Monoton. Eine halbe Stunde lang. Wir geben unser Bestes, um nicht direkt zurück in den Tiefschlaf hinein zu meditieren. Uns gelingt es, anderen und sogar dauerhaften Jüngern allerdings nicht. Aus der ein oder anderen Ecke hört man immer wieder ein leichtes, zufriedenes Schnarchen. Ich empfinde ein bisschen gar nicht buddhistische Schadenfreude. Mein Karma rutscht in den Keller.

Das Frühstück ist bemerkenswert. Aus einem Regal nehmen wir uns drei ineinander gestapelte Schüsseln und Essstäbchen. Wir setzen uns im Schneidersitz in einer Reihe nebeneinander am Boden auf Bambusmatten und warten. Es kommen zwei Langzeit-Novizen, gerade einmal Kinder, vorbei und verteilen Kimtschi und Suppe in zwei Schüsseln. Ein Adept kommt zu uns und erklärt uns, wie das Frühstück funktioniert:

„Trinkt die Suppe, aber lasst einen Schluck übrig. Esst das Kimtschi, doch lasst ein Blatt übrig. Nehmt das Blatt und taucht es in den Rest der Suppe. Damit reinigt ihr zuerst die Schüssel, in der zuvor das Kimtschi war. Dann trinkt ihr den Rest der Suppe und reinigt auch diese Schüssel. Alles muss von euch wieder in den Ausgangszustand zurückgeführt werden. Ihr stellt die Schüsseln wieder ineinander und zurück in das Regal. Der Anfang und das Ende müssen eins sein.“ Selbst die erste Mahlzeit des Tages folgt dem Yin und Yang.



Das Training ist hart, sogar das Aufwärmtraining und die Grundübungen verlangen uns einiges ab. Aber mir kommt auch sehr viel bekannt vor. Es ist befriedigend zu sehen, dass sich die Katas und Übungen zwischen hier und zuhause und zwischen den verschiedenen Kampfkünsten gar nicht sehr unterscheiden.

Wir lernen viel über die Tage und haben auch etwas Zeit am Nachmittag, das Nachbarkloster zu sehen. Das Zen-Bogenschießen ist ganz anders, als das traditionelle Bogenschießen, das ich jahrelang in Deutschland betrieben habe und meine Erfahrung steht mir hier im dabei im Weg unbeeinflusst etwas Neues zu lernen.



Bevor wir die Gegend mit all unseren Erfahrungen wieder verlassen besuchen wir noch die Küste. Es ist nicht touristisch. Außer uns haben wir lediglich einen australischen Reisenden getroffen.

Südkorea scheint bei Lonely Planet nicht gerade sehr weit oben zu stehen.

Unsere Reise geht weiter in die Metropole Busan.


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