Liebes Tagebuch

Nach unserem eindrucksvollen Aufenthalt auf einer der schwimmenden Schilfinseln des Titicacasees kehren wir in die Stadt Puno zurück und bleiben dort weitere zwei Tage, da sich Sara auf dem See anscheinend einen schlechten Fisch eingefangen hat. Dann brechen wir über die Berge auf zu unserem nächsten Ziel. Sara kommt leider überhaupt nicht mit der Höhe klar. Ihr ist ständig schwindelig. Wir wollen gerne nach Cusco und dort die schöne Stadt und natürlich die Inkastätten, wie zum Beispiel Macchu Pichu sehen.

Dafür müssen wir aber einmal auf die östliche Seite der Anden und im Anschluss wieder auf die westliche Seite, wobei wir jedes Mal die knapp 5000 Meter hohe Hochebene, das altiplano, überqueren müssen. Wir entscheiden uns gezwungenermaßen dafür die Berge zu verlassen. Immerhin hat auch das Auto mit der Höhe und ständiger Überhitzung zu kämpfen. 



Trotzdem müssen wir noch einmal die Höhe überwinden, da der Titicacasee mit seinen 3400 Metern in einer „Senke“ liegt und wir erst die Berge wieder hinaufsteigen müssen, um auf der anderen Seite hinab zur Küste zu gelangen. Wir verlassen Puno und es geht stetig bergauf. Die Landschaft ist karg. Es gibt keine Vegetation außer hartem, braunem Gras. Überraschenderweise sind die Berge sanfte Hügel und man kann über eine weiteoofast ebene Landschaft blicken.

Wir haben nicht den Eindruck auf einer Höhe von 4500 Metern zu sein. 

Gerne würde ich Sara an meinem Enthusiasmus für die Schönheit der Landschaft teilhaben lassen, aber sie liegt halb bewusstlos neben dem schlafenden Leon und bemerkt auch nicht die Flamingos, die in den flachen Seen nahe den höchsten Bergpässen in großer Zahl stehen. 



Ich versuche mich zu beeilen, aber da der Motor ständig überhitzt muss ich Pausen machen, die uns Zeit kosten. Zur Mittagszeit wird Leon wach und ich koche für ihn, während Sara im Dämmerzustand versucht ihn bei Laune zu halten. 

Die Landschaft ist nicht ganz leer. Wir kommen immer wieder durch kleine Städte und ich frage mich, wer hier wohnt und wozu. Außerdem sehen wir viele Alpakas, Lamas und Vicuñas. 

Leider geht die Fahrt noch einige Zeit auf dieser Höhe weiter und erst kurz vor unserem Ziel Arequipa geht es steil den Berg hinunter. Der brutale peruanische Verkehr hat zugenommen, Lastwagen donnern die Serpentinen hinab und überholen, als wären es Sportwagen. Die Sonne steht schon tief und blendet. Wäre das Land nicht so schon ockerfarben in allen Varianten würde die Sonne es nun in Gold tauchen. 



Wir kommen in eine Kontrolle zwischen dem Distrikt Puno und Arequipa. Doch anstelle von Drogen, Waffen oder Alkohol haben es die Beamten auf Früchte abgesehen. Sie durchsuchen unser Auto und rauben uns die Hälfte unseres Obstes. Wir protestieren und verweisen auf Leon.

Doch es hilft nichts, auch die traurigen Augen des Babys helfen nicht. Man nimmt uns die Granadillen, die Mangos, Äpfel, Orangen, Pflaumen und Avocados. Die Bananen dürfen wir behalten. Wir sind fassungslos. 





Von Weitem können wir schon die hohen Vulkane sehen, die Arequipa umgeben, den Vulkan Misti mit 5822 Metern und den Berg Chachani 6057 Metern. Wie Titanen ragen die Berge empor. 

Wir machen unser Nachtlager vor der Stadt Arequipa im kleinen Kurort Yura auf. Dort gibt es ein Thermalbad und niemanden stört es, dass wir auf dem Parkplatz stehen und übernachten.

Wir sind sehr müde nach dem anstrengenden Tag und der landschaftlich schönen aber strapazierenden Fahrt. Zu Leons Vergnügen gibt es auch viele Hunde hier.

Ich gehe mit Leon auf dem Arm in das Restaurant gegenüber und frage nach  Abendessen. Da das Thermalbad schon zu hat und die einzigen potentiellen Gäste daher schon nach Hause gefahren sind ist auch die Küche kalt.



Als ich aber mit Leon zurück am Auto bin kommt eine Dame des Restaurants mit einer Tüte voller gebratenem und noch warmem Fleisch zu uns gelaufen, das anscheinend noch vorhanden war und wir gratis haben können. Das ist eine herzliche Geste.

Morgens bekommen wir dort ein spottblliges Frühstück. Dann fahren wir mit dem ständig überhitzenden Auto langsam den Berg nach Arequipa hinunter, wo wir zwei Wochen lang bleiben werden.



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