🇩🇪 Mit dem UAZ 73 km bis nach Russland


Tagebuch Eintrag

Nun soll das richtige Abenteuer beginnen: die Fahrt mit dem antiken sowjetischen Kampfkleinbus UAZ. Wir hatten es lange geplant, den Road Trip – besser: die „Shopping“ Tour – nach Russland. Mein Freund Uli besitzt seit kurzem einen UAZ, der ihm in der Slowakei in die Hände gefallen ist. Bei westlichen Autoliebhabern ist die Automarke Uljanowski Awtomobilny Sawod unverständlicherweise unbekannt, doch die Kiste hat Potential. Jenseits des Eisernen Vorhangs sieht man ständig die kleinen „Brotdosen (Buchanka)“ mit ihrem praktischen Vierradantrieb herumfahren.

Der Motor und der Aufbau des Wagens sind unglaublich einfach und vor allem leicht austauschbar. Für Ulis große Pläne genau das Richtige, genau wie für mich. In einem Reiseforum fanden wir heraus, dass wir beide den gleichen großen Traum teilen. Darum soll es losgehen mit Vorbereitungen und ich versuche Uli beim Ausbau des UAZ so gut und oft es geht zu helfen – wie es bei der Entfernung Düsseldorf – Fürstenfeldbruck eben möglich ist.



Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren den ganzen Sommer über



Im September sind wir soweit für die erste Jungferntour. Es müssen nach wie vor viele Teile besorgt werden, was in unserer westlichen Hemisphäre nicht einfach zu sein scheint. Also müssen wir wohl über die Grenze fahren – in die tiefe „gefährliche Postsowjetzone“, um uns mit Teilen einzudecken.

So machen wir den Plan, mit dem guten UAZ seine erste Bewährungsprobe zu machen: Eine Fahrt nach Sankt Petersburg!


Der Plan


Die Realität



Ich fahre wieder mit all meinem Gepäck zu Uli nach Fürstenfeldbruck, damit wir gemeinsam von dort starten. Wir laden unsere Sachen ein und decken uns in kaltem, strömenden Regen vorsorglich mit Ersatzteilen und Werkzeugen sowie mit Proviant ein. Wir brauchen ebenfalls neues Öl, da wir bei einer ersten Fahrt sehr viel durch einen undichten Ölfilter verloren haben.

Es ist bereits nachmittags, als wir aufbrechen und zum Abendessen noch bei Ulis Eltern vorbei schauen. Danach fahren wir eine Weile im Dunklen, bevor wir in einem Wald unser Nachtlager aufschlagen – wir schlafen im Wagen, denn draußen regnete es immer noch in Strömen.



Los geht’s!

Das Wetter ist schlecht, aber die Laune ist super.


Am nächsten Tag passiert es. Wir starten in den Tag etwas unterkühlt, doch von Tee und Keksen gestärkt, und machen uns daran, erst einmal die Quelle eines nervigen tackernden Geräusches ausfindig zu machen, das uns am Vortag nervte.

Ist da ein Ticken im Motor?

Nach einiges Tests wird Uli klar, dass dieses Geräusch nichts mit lockeren Benzinleitungen zu tun hat, sondern aus dem Motor kommt. Er diagnostiziert der Maschine nur noch kurze Lebenszeit und wir beschließen zurück zu fahren. Die Russlandreise kann so nicht mehr durchgeführt werden.




Wir schaffen zehn weitere Kilometer, bis der Motor platzt. Das mangelnde Öl am Tag zuvor muss Teile eines Zylinders beschädigt haben. So schafften wir mit dem UAZ am Ende gerade einmal etwa hundert Kilometer. Der ADAC bringt uns wieder zurück nach Hause und wir haben nun plötzlich… Zeit!

Uns bleiben einige Wochen Urlaub und wir haben in der Hand, wohin wir reisen wollen. Mein Vorschlag ist es einen Flug zu nehmen und irgendwo vor Ort unseren Road Trip mit einem gemieteten Wagen zu starten. Die Frage ist, wohin. Die ganze Welt steht uns offen. Ob Australien oder Südamerika, wir können sofort los.

Die Welt steht uns gerade buchstäblich offen!

Ich hatte schon immer im Kopf einmal in den Kaukasus zu reisen, und schlage eine Reise dorthin vor. Uli war da schon einmal, doch er findet die Idee gut, denn er mochte die Region sehr. Und er sagt, er habe noch Freunde im russischen Kaukasus, die wir besuchen können.

Russische Visa haben wir auch in der Tasche. Wir entscheiden uns für einen Flug nach Sankt Petersburg – was wir ursprünglich ja besuchen wollten – um von dort aus über Moskau nach Wladikawkas, der Stadt im Nordkaukasus, zu fliegen, irgendwie nach Tiflis zu kommen, um von dort aus mit einem gemieteten Geländewagen durch Georgien und Armenien zu reisen. Soweit der an einem Tag entwickelte Plan, den wir nun umsetzen wollen



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