Die Whisky-Route der Speyside


Liebes Tagebuch

Es ist soweit: Ich habe lange an diesem Plan gefeilt und auf den richtigen Tag gewartet. Wir verlassen Elgin und fahren durch die Speyside. Hier findet sich die höchste Dichte an schottischen Whisky-Destillerien. Man kann einen Stein werfen uns sicher sein, dass er in der Fensterscheibe einer Destillerie eintrifft. Fünfzig Whisky-Produzenten drängen sich hier dicht aneinander. Nirgends könnte man besser einen Junggesellenabschied feiern, als hier, wenn man jemanden findet, der fährt. Und heute muss Uwe fahren.

Wir haben bei der Automiete aus Kostengründen nur einen zusätzlichen Fahrer ausgewählt. Bisher bin ich jeden Tag gefahren, da es mir Spaß macht. Aber Whisky-Trinken macht auch Spaß und hier hatte ich bisher stets das Nachsehen. Uwe guckt nicht schlecht, als ich ihm bei unserem fünfzehnten „full scottish breakfast“ eröffne, dass er heute an der Reihe ist.



Die erste Destillerie, die wir aufsuchen, wir nur noch von Gespenstern betrieben. Dallas Dhu wurde in der Mitte der 80er Jahre geschlossen und dient seither als Museum. In den Räumen der ehemaligen Brennerei machen wir uns an originalen Gerätschaften ein Bild vom Arbeitsalltag eines Whisky-Brenners machen. Noch sind einige wenige Fässer aus der damaligen Produktion erhalten und beliebte Stücke unter Sammlern. Da hier auch mit keiner Kostprobe zu rechnen ist schlagen wir die Einladung zu einer Führung der Anlage dankend aus.

Den netten Damen bei Glen Moray gilt mein besonderer Dank an diesem Tag. Nicht einen, nicht zwei, sondern gleich vier der guten Tropfen darf ich verkosten. „Kennen Sie den 12 Jahre alten?“ Ich schüttle den Kopf. „Na, dann probieren Sie doch einmal den. Und wie sieht es mit dem 18 Jahre alten?“ Ich schüttle wieder den Kopf. „Dann schenke ich Ihnen davon auch einen ein.“ Und es geht steht so weiter.

Ich kann mich nicht zurückhalten und frage direkt, was es denn noch gibt, und wenige Momente später reihen sich etliche Gläser vor meiner Nase auf. Mein Grinsen erreicht die oberen Spitzen meiner Ohren und ich habe fast so etwas wie Mitleid mit Uwe, der heute nur Zugucken kann, obwohl ich gerade den Jackpot der Verkostungen geknackt habe. Am Ende gibt es sogar noch ein Glas original karibischem St. James Rum, den Chris im Regal erspäht. Da sowohl Glen Moray als auch St. James inzwischen demselben Mutterkonzern angehören stehen hier auch diese Flaschen zum Verkauf…. Und zum Probieren bereit.

Es ist zehn Uhr morgens und Chris und ich sind schon gut dabei. Bei guten Freunden trinkt man ein Schlückchen, oder auch zwei. Also kehren wir auf dem Weg nach Ballater bei Cardhu ein. Die zotteligen Highland Cattle vor dem Eingang begrüßen uns lautstark. Auch Knockando erweist sich als spendabel.



Am nächsten Tag fahren wir am frühen Morgen zu Royal Lochnagar. Ich will nicht so sein und fahre heute wieder selbst, sodass Uwe auch noch etwas von der Speyside erleben darf. Den royalen Namenszusatz verdankt die Brennerei der Tatsache, dass direkt nebenan Balmoral Castle liegt. Als Hoflieferant der königlichen Sommerresidenz hat der findige Gründer der Destillerie sich diesen edlen Titel bereits 1848 bei einem Besuch ihrer königlichen Hoheit verdient.

Wir sind inzwischen etwas verwöhnt, verzichten auf die uns angebotene Gratisführung und geben unverblümt zu Protokoll, dass wir uns gerne direkt mit dem Tasting für die „Friends“ begnügen möchten.

Die Dame, welche die Führungen durchführt, versucht uns irritiert doch noch zu überreden, da ihre Führung sicher anders sei. Aber wir bestehen darauf, direkt mit dem Programm der Verkostung anzufangen.

Die Frau ist nur ein klein wenig gekränkt, aber man kann uns ja nicht böse sein und sie schenkt Uwe und Chris gewissenhaft eine Kostprobe in Gläschen. Sie schaut mich an und ich schüttle den Kopf. Dann aber zücke ich meinen Flachmann und bitte um eine Spende für den armen Fahrer. Meine Freunde und die Dame gucken mich erstaunt an. Dann aber lacht die Frau und macht mir die Flasche großzügig voll.



Abends lassen wir es uns in Inchgael gut gehen. Wir haben uns ein kleines Herrenhaus erobert und ich kann meinen erbeuteten Whisky in aller Ruhe in einem Ohrensessel vor dem Kamin genießen.

Unseren letzten Tage stehen an. Morgen brechen wir auf an die Ostküste und zu St. Andrews, wo wir einen Piraten kennenlernen. – Chris & Alex

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