Liebes Tagebuch

Das Hotel, das wir mitten in der Nacht noch gefunden haben, bereitet sich auf eine Hochzeit vor und wir frühstücken in einem Restaurant gegenüber. Dieses ist mindestens ebenso hübsch wie das Hotel. Wir erwarten weitere Informationen über unseren Mietwagen, aber Antworten und eindeutige Aussagen lassen auf sich warten.

Zwei Motorradfahrer betreten ebenfalls das Lokal für ihr Frühstück; natürlich sind sie auch aus Deutschland. Während wir uns über unsere Reisen unterhalten flüstert Rovena mir zu, ob ich nicht einen der beiden fragen könnte, ob sie eine Runde auf einer Maschine hinten drauf mit fahren könnte.

Kein Problem, sagt einer der beiden Fahrer. Rovena quietscht vor Vergnügen, als sie auf dem Sozius Platz nimmt und der Fahrer Gas gibt. Wir sammeln unsere Freundin ein paar Kilometer später wieder ein.

In der Zwischenzeit gibt es auch wieder Neuigkeiten für unser neues Fahrzeug. Ein paar Leute sind jetzt unterwegs und treffen uns irgendwo mit dem neuen Wagen auf der Straße. Ich bin gespannt, wie das klappen soll.



Schon wenig später, auf einer buckligen Landstraße, blinkt ein Auto einige Male auf. Es ist scheinbar der Typ der Mietwagenfirma. Er und zwei andere, ziemlich große Leute, vermutlich seine Cousins, kommt uns in einem winzigen Peugeot C106 entgegen. Das kann nicht deren ernst sein, denke ich. Die Herren sprechen auch kein Wort Englisch. Zum Glück ist Rovena bei uns, sodass immerhin jemand meine Flüche übersetzen kann. Einer der Typen schaut sich den Dacia genauer an, während die anderen nützlich wie zwei Meter Feldweg daneben stehen.

Die Reifen sollen wir wechseln lassen, die Rechnung bekämen wir bei Abgabe des Wagens sofort erstattet. Der Reifendrucksensor blinkt magischerweise jetzt plötzlich nicht mehr und dass wir das Auto nicht abschließen konnten wird dadurch behoben, beherzt gegen das Blech der Heckklappe nahe dem Schloss zu drücken. Die Leuchte in der Armatur zeigte zwar immer noch, dass eine Tür offen steht, doch nun sind theoretisch alle Probleme behoben und den Peugeot wollten wir definitiv nicht haben.



Gleich im nächsten Kaff gibt es auch schon eine Autowerkstatt, ich hatte rasch einen neuen Reifen ausgesucht und es dauert nur fünfzehn Minuten, dann fahren wir damit auch schon weiter.

Unsere Karte hatte etwas gelitten und kann mit Pflastern und, dank der Mechaniker, mit etwas Tesafilm, wieder zu einem Stück gemacht werden.



Wir besuchten unterwegs ein orthodoxes Kloster; allerdings bringen uns unklare albanische Wegbeschreibungen auf ständig falsche Straßen, sodass wir uns mit dem Auto in Brombeeren oder in ausgewaschenen und getrockneten Bachläufen wiederfinden, bevor wir das letzte Stück einfach liefen. Dank der Büsche hat es der Lack unseres Autos nun auch hinter sich.

Das Kloster ist alt und laut der Beschreibung historisch wichtig in der orthodoxen Kirche.

Uwe freut sich sehr, da vor der Kirche ein Verkäufer steht, der scheinbar längere Zeit in Ostfriesland, seiner Heimat, verbracht hat.



Als nächstes durchqueren wir ein Naturschutzgebiet. Auch die Straßen scheinen von der Natur geschützt zu werden: es gibt vorbildliche Schlaglochpisten sowie Schlammlöcher und Brücken, deren Auffahrten so steil und ausgewaschen sind, dass sie nur mit viel Schwung und der Hoffnung nicht mit dem Unterboden aufzuschlagen zu bezwingen sind.

Wir erreichen eine herrliche Lagune, die von einem herrlich riechenden Kiefernwald gesäumt wird. Der Strand ist gigantisch. Wir sehen einen langen Steg, der auf eine Insel vor dem Strand führt. Dort finden wir viele verlassene Liegen und Schirme vor, die vom Wind zerlegt wurden. Die Sonne geht unter, hüllt alles in oranges Licht und beleuchtet einen kleinen Sandsturm über dem Strand.




Nachdem wir unseren Spaß gehabt haben brechen wir auf. Eine verlassene Strandbar gibt Aufschluss darüber, dass hier feinstes Bier aus Augsburg ausgeschenkt wird.

Wie sollte es anders sein, natürlich laufen wir auch einer weiteren Hochzeitsgesellschaft über den Weg.



Erst spät erreichen wir unsere Unterkunft in Tirana, Rovenas Wohnung. Die Mädels kochen für uns, während wir nacheinander duschen. Nun feiern wir doch unseren Abschied voneinander.

Rovena muss wieder arbeiten und Gaby möchte ihre individuelle Reise fortsetzen, die sie nun nach Montenegro führen soll. Am Ende unserer Reise treffen wir Rovena noch einmal wieder. Gaby wird uns Jahre später in Deutschland besuchen.



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