Die Gruene Stadt

🇸🇬 Singapore (2016)


Ich habe meine Reise in Richtung der Philippinen begonnen und lege f├╝rs erste einen Stopp f├╝r ein paar Tage in Singapur ein. Unterwegs bin ich mit Janina.

Die Stadt birgt viele Assoziationen mit sich. Zum einen ist es einer der gr├Â├čten Umsteigeflugh├Ąfen der Welt, zum anderen ein Schmelztiegel der Kulturen und wer hier auch nur ein Kaugummi ausspuckt wird schwer bestraft.

Der Flughafen ist wirklich eindrucksvoll. Auch wenn ich erstmal nicht umsteigen muss, sondern gekommen bin, um zu bleiben.

Der Flughafen ist sehr k├╝nstlerisch ausgestattet und es muss offensichtlich eine Heerschar von G├Ąrtnern besch├Ąftigt sein, um sich um den botanischen Garten zu k├╝mmern, den man passiert, um sein Gep├Ąck entgegen zu nehmen.

Damit steht der Flughafen analog zum Stadtbild. Es ist gr├╝n, gr├╝n, gr├╝n. Voller Parks und Alleen, ewig langem Stadtstrand und architektonisch beeindruckenden Geb├Ąuden.



Es gibt nicht den „Singapurer“ an sich. Die Bev├Âlkerung sind Malaien, Inder, Chinesen, Thais, Indonesier und Vietnamesen. Dieser Zipfel in der Archipellandschaft Malaysias der vielen V├Âlker ist erst seit wenigen Jahrzehnten unabh├Ąngig von der britischen Krone.

Hinterlassen wurde aber die englische Sprache als Hauptsprache und dessen, was alle V├Âlker hier zusammen h├Ąlt. Jeder spricht ausgezeichnet englisch und auch jede Beschriftung findet sich so, neben Mandarin und Sanskrit.



Die Leute sind nicht nur freundlich, sondern zuvorkommend. Man braucht sich nur ratlos in der Gegend umzuschauen und jemand kommt schnell um Hilfe anzubieten. Man zeigte mir schnell, wo der Bus Richtung Stadt abf├Ąhrt. Man muss bar zahlen, der Busfahrer kann aber nicht wechseln und vom Geldautomaten erhielt ich nur gro├če Scheine. Das Problem m├╝sste jeder Ank├Âmmling haben, m├╝sste man meinen. Der Busfahrer erl├Ąsst uns kurzer Hand einfach den Preis dr├╝ckt mir gratis ein Ticket in die Hand.

Auch meinem Gastgeber eines AirBnB stehen dem in nichts nach: eine kleine Lehrerfamilie aus Indien, die eins ihrer Zimmer an G├Ąste vermieten. Jeder spricht Englisch, sowohl die Leute auf der Stra├če als auch die Kinder untereinander auf dem Spielplatz. Die Kinder der Gastgeber sprechen sogar schon 5 Sprachen – mit 7 Jahren!

Die Familie lebt in einem Komplex aus mehreren futuristisch anmutenden Hochh├Ąusern, die ummauert und nur durch Schranken begehbar sind. Davon gibt es hier viele.

Unser Komplex nennt sich „Mandarin Gardens“. Es scheint, als h├Ątte man hier ├╝berall schicke Hotelanlagen f├╝r Langzeitwohnende gebaut. Es gibt einen sehr gro├čen Pool, ein Restaurant, ein Fitnesscenter und sicher noch mehr Dinge, die wir nicht gesehen haben.

Den Pool lassen wir uns definitiv nicht entgegen lassen und werden damit durch die Verf├╝hrung dieses Luxus dem einfachen Backpackingleben untreu.

Leider muss ich in Singapur feststellen, dass das Allerschlimmste nur M├Âgliche eingetreten ist: meine Kamera ist kaputt! Alle Bilder werden unterbelichtet. Freunde und Familie geben mir Ratschl├Ąge auf facebook und es findet sich dank ihrer Hilfe zumindest ein Trick, um das Problem kurzfristig zu umgehen.

Die Stadt ist eine Mischung aus Moderne und Tradition und schafft es ├╝berall sauber zu sein. Nicht, dass es viel Ordnungsh├╝ter g├Ąbe, die einen sofort ins Gef├Ąngnis stecken, sobald man so aussieht, als h├Ątte man etwas weggeworfen. Gibt es nicht. Die Leute sind so aufmerksam ihren M├╝ll wegzur├Ąumen und es gibt eine Heerschar von Leuten, die sauber macht. Die hohe Arbeitslosigkeit in den Nachbarl├Ąndern macht es m├Âglich.

Vor Singapur verl├Ąuft die Stra├če von Malakka, eine der meistbefahrensten Schifffahrtsstra├čen ├╝berhaupt. Mit Blick auf das Meer sieht man am ganzen Horizont Superschiffe, die gr├Â├čten Konstruktionen aus Stahl, die man sich vorstellen kann. Und davon eine ganze Armada.




Vor kurzem wurde Singapur als die teuerste Stadt der Welt ausgezeichnet. Davon merken wir aber zum Gl├╝ck nicht viel. Das Essen ist ├╝berall sehr g├╝nstig, wenn man nicht direkt in ein Nobelrestaurant m├Âchte, und auch die Verkehrsmittel kosten nicht viel. Es gibt ebenfalls ein Sprichwort, das sagt: „Es ist unm├Âglich in Singapur zu verhungern.“ Die Mischung all der Nationalit├Ąten hier sorgt f├╝r eine bunte Mischung aus Restaurants und einer hohen kulinarischen Vielfalt. Aus vielen Stra├čenk├╝chen kommen einem die leckersten Ger├╝che entgegen.

Wir beschlie├čen den ersten Abend mit einem Spaziergang im Dunkeln am nahen Strand zu verbringen, wo wir barfu├č durch das warme Wasser laufen, w├Ąhrend eine leichte warme Brise ├╝ber unsere Haut streift. Der Horizont ist erleuchtet von all den gro├čen Schiffen, die in K├╝stenn├Ąhe vor Anker liegen. Bei einer Honig-Lychee-Glibberpilz-Suppe lassen wir den langen Tag ausklingen.

Am n├Ąchsten Tag wandern wir bei ziemlich hei├čen Temperaturen die K├╝ste entlang und bewundern das dort entworfene Erholungsgebiet, das sich am Wasser entlang bis in die Innenstadt zieht. Dort nehmen wir die unglaublich moderne U-Bahn, um in den Stadtteil Little India zu kommen. Wie der Name sagt leben dort die Inder der Stadt, die sich dort tats├Ąchlich ein kleines Abbild Kalkuttas aufgebaut haben. Das Viertel z├Ąhlt mit Chinatown zu den ├Ąltesten Bereichen der Stadt und geh├Ârt damit zu ihrem Erbe, das immer wieder vor gierigen Investoren gesch├╝tzt werden muss.



In Little India gibt es einen gro├čen Markt, wo man von der frisch geschlachteten Ziege ├╝ber Shampoo bis zu leckerem Curry alles finden kann. F├╝r wenige Singapur-$ schlagen wir uns den Bauch mit Mango Lassi, Kokosnuss und Pakora voll.

├ťberall in diesem Viertel stehen hinduistische Tempel, die wir betreten k├Ânnen, im krassem Kontrast zur modernen Skyline.



In Chinatown gibt noch mehr von allem. Mehr kleine Handwerkerl├Ąden mit genauso sch├Ânem wie unn├Âtigem Nippes. Und viel mehr Stra├čenk├╝chen. In den engen, nat├╝rlich von klassisch chinesischen Laternenketten ges├Ąumten Stra├čen dr├Ąngen sich dicht die St├Ąnde und die Menschen m├╝ssen sich durch die engen Gassen winden. Eine gro├če Auswahl der chinesischen K├╝che wird geboten, von gekochten Fischk├Âpfen ├╝ber geschmorten Fr├Âschen und Haifischflossensuppe bis hin zu Hundertj├Ąhrigen Eiern wird dem Passanten angeboten.

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass man in Singapur viele richtig alte Menschen in den Stra├čen sieht, die geringe Arbeiten verrichten. Gerade in Lokalen und Stra├čenk├╝chen sind sie als Tellerw├Ąscher angestellt. Andere kehren die Stra├čen. Bemerkenswerterweise sind die Senioren viel freundlicher, als die jungen Menschen mit ├Ąhnlichen Aufgaben.

Die Leute methusalemischen Alters, bestehend nur aus Haut und Knochen, zu beobachten, wie sie langsam und vorsichtig, aber mit einem Gesicht voller Freude die Gedecke abr├Ąumen, regt sehr zum Nachdenken an.

Bevor wir uns zu einer weiteren K├Âstlichkeit hinrei├čen lassen wollen wir das noch verbleibende Licht des Tages nutzen, um den Sonnenuntergang von einem der h├Âchsten Geb├Ąude der Stadt zu sehen: dem ber├╝hmten Marina Bay Sands Hotel. Genauer gesagt, m├Âchten wir den Sonnenuntergang von der Dachterrasse dieses Nobelhotels sehen, von der ein Teil auch dem P├Âbel zug├Ąnglich ist – f├╝r ein nobles Eintrittsgeld, versteht sich.

Der Aufzug bringt uns fast mit Lichtgeschwindigkeit in den 56. Stock, wo man zufrieden feststellen kann, dass das Geld gut f├╝r eine unbezahlbare Erfahrung ausgegeben wurde. Die ganze Stadt, die Skyline, der Hafen und die Stra├če von Malakka liegen mir zu F├╝├čen.



Zu F├╝├čen liegt uns au├čerdem ein Park mit beleuchteten, gigantisch gro├čen Palmen aus Metall, die man ├╝berwuchern lie├č. Genau in dem Moment, als wir dort eintreffen, beginnt auch schon eine akustische Lichtschau.

Die B├Ąume leuchten dabei im Takt zur Musik von O Fortuna oder Jurassic Park und lassen den tag perfekt zu Ende gehen.



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