Tagebuch Eintrag

Der Verkehr in der Stadt Medellín ist nicht so schlimm, wie ich befürchtet habe, als wir aus der Region Cauca wieder in die Zivilisation gelangten. Ich muss nur aufpassen, dass man nicht aus Versehen einen der unzähligen Motorradfahrer um sich herum umnietet.

Ich habe einen kommerziellen, gesicherten Parkplatz unweit des nationalen Flughafens Olya Herrera gefunden. Dort stellen wir den Wagen ab und packen unsere Sachen. Wir bleiben nur einen Tag in Medellín, dann fliegen wir nach Bahía Solano. Der Ort liegt an der Pazifikküste Kolumbiens und keine Straße führt dorthin, den der gewaltige Dschungel von Utria liegt dazwischen.

Zwei Nächte verbringen wir in einer Unterkunft nahe des nationalen Flughafen Medellíns. Dort lernen wir Larry und Kiara kennen, mit denen Uwe und ich einige Bier trinken und kolumbianisch-teutonischen Kulturaustausch betreiben.

Mit einer kleinen Propellermaschine fliegen wir vom lokalen Flughafen Medellín an die Küste des Pazifik von Bahía Solano. Dabei überqueren wir das Gebiet von Utria, einem riesigen Dschungel ohne Straßen, dafür mit vielen Flüssen und vereinzelten Dörfern Indigener.




Wir landen auf einer Piste bei der kleinen Stadt Mutis, wo man uns das Gepäck aus der Maschine direkt in die Hand drückt. Dann geht es mit dem Tuk Tuk eine Stunde über einen sehr kaputten Weg voller Schlamm und Schlaglöcher.



Auf einem Rad halb am Abgrund kämpft sich das Tuk Tuk an Gewässern vorbei, in denen uns Kaimane neugierig (oder hungrig?) hinterher blicken.


Durch den Wald fahren bis zu dem Küstendorf El Valle und dann noch ein Stück weiter zum Strand El Almejal. Dort wartet unser Hostel auf uns.

Das Hostal Utria ist eine schöne Bambuskonstruktion nahe dem Strand. Über drei Stockwerke gibt es schön eingerichtete Zimmer mit genug Privatsphäre, um sich wohl zu fühlen, und genug offenem Raum, um sich als Teil des Dschungels zu fühlen. Wir können direkt über den Pool bis in den Busch sehen.



Auf der Dachterrasse gibt es eine Küche für jedermann und Hängematten zum Ausspannen, während man in wenigen hundert Metern die Wellen am Strand brechen sehen kann.

Übernachtungstipp!

Eine alternatives Luxus-Hostel zwischen Dschungel und Strand



Jon und Katharina sind liebe Gastgeber. Die hübsche junge Frau kümmert sich um alles und vermittelt uns Touren. Außerdem bedient sie Leon an seinem ersten Abend in einer Bar. Ihr österreichischer Schmäh ist eine lustige Überraschung an diesem abgelegenen Teil der Welt.

Ihrem Ehemann Jon gehört die Anlage und er gibt uns gerne auch einmal einen Zuckerrohrschnaps aus.



Wir setzen unsere Sachen ab und springen in den Pazifik. Leon ist begeistert wieder Sand und Meer unter seinen Füßen zu haben. Das Wasser ist unglaublich warm, obwohl es eine dunkle Farbe hat, sich der Ozean bis zur Unendlichkeit erstreckt und sich hohe Wellen und brechen.

Wir riechen die Mischung aus der salzigen Luft der See und dem blumigen Aroma aus einem Meer tropischer Pflanzen. Kokospalmen wachsen am Strand, über den kleine Krabben flitzen und winzige Einsiedlerkrebse in dunklen Schneckenhäusern kriechen. Pelikane schweben im Tiefflug über die Wellen.



Es gibt neben unserem Hostel eine Strandbar mit Essen und wir freunden uns direkt mit Santiago an, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Bogotá, der sich hier um alles kümmert.

Wir nutzen diese Bar ausgiebig, essen Fisch mit Reis und patacones und trinken Club Columbiana, während die Sonne untergeht.






Als wir wieder eines Abends dort bei Santiago im Restaurant sitzen kommt der Belgier Pierre, den wir in unserem Tuk Tuk kennenlernten, auf uns zu. Er erzählt, dass am Strand gerade Babyschildkröten in die Freiheit entlassen werden. Wir springen sofort auf und überlassen Santiago die Verantwortung über unsere Wertsachen, um Hals über Kopf und mit Leon unter dem Arm zum Wasser zu rennen.

Es ist ein berührender Anblick, die kleinen Reptilien auf ihrem beschwerlichen Weg über den Sand in die Wellen zu sehen. Es gibt hier Leute, welche Nester der Schildkröten aufspüren können, indem sie die Geräusche der schlüpfenden Babys im Sand hören.

Der Sand wird weggeschaufelt und die kleinen Schildkröten können geschützt vor den Fressfeinden an Land in die Fluten krabbeln. Man sieht den Kleinen die Anstrengung an und diejenigen, welche das Wasser erreichen, werden erstmal ordentlich durchgespült. Mit etwas Pech müssen sie einen Großteil des Weges noch einmal neu zurücklegen, während andere die Kraft des Wassers nutzen, um sich ins Meer tragen zu lassen. Wir wünschen den Kleinen alles Gute.




Von der Strandbar geht es in die Bar unseres Hostels, wo es Musik und eine breite Auswahl von Getränken gibt. Nachdem Leon schläft haben Uwe, Sara und ich gemeinsam die Gelegenheit endlich wieder etwas soziales Leben zu führen.

Bis spät in die Nacht können wir mit den anderen Gästen Geschichten austauschen und Cocktails trinken.



Wir verbrangen viele Tage am Strand und gehen diesen bis zu seinem Ende am Dschungel spazieren. Einige Hostels und Hütten liegen an diesem Strand, aber es ist nicht viel los. Das Meer lädt nicht sehr zum Schwimmen ein, da das Wasser flach und die Wellen sehr hoch sind. Dafür ist es aber perfekt für Surfer. Wenn ich Zeit für mich gehabt hätte nähme ich mir ebenfalls ein Surfbrett.

Für meine Kamera gibt es viel zu tun. Seien es die Sonnenuntergänge, die Wellen oder die Fauna und Flora: dauernd bieten sich einmalige Motive an. Als wir wieder einmal bei Santiago sitzen und Bier trinken taucht eine Gruppe junger Frauen auf, die gerade vom Schwimmen kommen. Ich eile zu ihnen, da sie wunderbare Motive vor der untergehenden Sonne bieten. Ich werde nicht enttäuscht, die Frauen haben viel Spaß und wir machen tolle Fotos zusammen.



Wir lungern nicht nur am Strand herum. Vom Strand von El Almejal können wir nach El Valle laufen, um dort einzukaufen. Das Dorf ist klein, aber es hat ein paar Dinge zu bieten.

Mit Uwe breche ich auch zu Expeditionen auf. Mit einem Führer erkunden wir den Dschungel und seine dunklen Bewohner in der Nacht. Hier bekommen wir zahlreiche Spinnen, Schlangen und Frösche zu Gesicht.

Außerdem fahren wir alle zusammen mit einem Boot den Fluss hinauf hinein in den Dschungel. Dort lernen wir das Volk der Embara kennen und verbringen einen Tag in einem ihrer Dörfer.

An unserem letzten Tag feiert zufällig einer der „Nachbarn“ seinen Geburtstag. Schon vorher ging es bei uns in der Bar lange hoch her und um Mitternacht gehe ich mit den anderen an den Strand. Dort brennt ein Feuer, Musik wird gespielt und auch getanzt. Es ist ein schöner Ausklang von unserem Aufenthalt im Paradies am Pazifik bevor es wieder nach Medellín zurück geht.



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