Liebes Tagebuch

Ich habe mich lange dagegen gewehrt nach Kroatien zu fahren. Nicht, weil dieses Land nicht unglaublich schön wäre. Doch bei Deutschen ist dieses Land schon seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Urlaubsziele und spätestens seit Game of Thrones hat auch der Rest der Menschheit das Land auf seine Reiseziel-Liste gesetzt.

Nach eine unglaublich tollen Reise durch Albanien 2017 hat uns der Balkan nicht losgelassen und wir wollen mehr davon. Auf der Suche nach Ländern, deren Vorschlag als Urlaubsziel bei den meisten Menschen ein fassungsloses „Du verarscht mich“ hervorruft, kam mir Bosnien-Herzegowina in den Sinn. Das Land hat kein Meer, dafür aber jede Menge Landminen und ist zernarbt vom Bürgerkrieg. Das klingt jedenfalls nach einem Land mit wenig Touristen und genießt dadurch mein volles Interesse. Ich kann Uwe und Chris damit anstecken und wir planen.

Es ist bemerkenswert teuer in diesem Land einen Wagen zu mieten, also reift die Idee, dass wir im touristisch erschlossenen Nachbarland günstig ein Auto mieten und damit einfach nach Bosnien und wieder zurückfahren. Gesagt, getan, und das beste Angebot für die Anreise und das Auto fand sich in der Stadt Zadar im Norden Kroatiens.

Mir war diese Stadt nicht bekannt, aber das war nicht wichtig. Ich treibe meine Freunde dazu an, möglichst wenig Zeit in Kroatien zu verbringen, um den Touristenmassen zu entgehen. Doch ignorieren möchten wir das Land auch nicht. Uwe und ich haben etwas mehr Zeit. Wir reisen schon freitagabends an und werden erst am Sonntag Chris vom Flughafen einsammeln. Uns stehen also zwei Tage und Nächte in der kroatischen Stadt zur Verfügung.



Optisch ähnelt Zadar den Bildern der anderen Städte Split und Dubrovnik. Allerdings ist Zadar viel kleiner und außer der übersichtlichen Altstadt direkt am Meer gibt es auch nichts Interessantes. Die Stadt ist schön und so touristisch, wie ich befürchtet habe. Wir schlendern durch die Gassen und lassen uns von Souvenirläden davon überzeugen, die Reiseandenken jetzt schon zu besorgen und aus dem Kopf zu haben.



Nette junge Damen überreden uns ebenfalls ohne viel Aufwand dazu uns in das von Ihnen angepriesene Restaurant zu setzen.


Eine kleine Zwischenepisode ergibt sich dadurch, dass mein guter Freund Uwe direkt am ersten Tag bemerkt, dass sich die Sohlen von seinen Schuhen lösen – keine gute Voraussetzung für die kommenden Wanderungen. Also suchen wir nach einem Schuster, um das Problem zu lösen. Es findet sich auch einer und der Preis ist mitteleuropäisch, aber leider schafft er es nicht, die Arbeit an einem Tag zu erledigen. Uwe muss im Laden neue Treter kaufen.



Eine Besonderheit in der Stadt ist die Meeresorgel. Direkt am Meer hat der verrückter Architekt NikolaBašić Einlassungen in die Kaimauern machen und das gesamte Mauerwerk unterhöhlen lassen. Das Ergebnis war ein Musikinstrument, das von der Bewegung des Meeres gespielt wird. Ständig hört man also ein Pfeifen und Brummen.

Das Ganze wird visuell ergänzt durch ein solares Solarsystem, also eine Kreisfläche am Boden, die aus Photovoltaikmodulen besteht und die Sonne symbolisiert. Während des Tages sammelt dieses System Sonnenlicht und gibt es nachts in Form einer spektakulären Lichts-Show wieder ab.



Da das Meer sehr nahe ist gehen die Menschen direkt aus der Stadt baden. Die See ist immer ruhig und es gibt überall Möglichkeiten, um ins Wasser zu steigen. Wir nutzen ein ganzes Schwimmbad, das frei zu betreten ist.



Abends treffen wir eine junge Französin, die ich in Couchsurfing kennengelernt habe. Wie wir ist sie nur kurz in der Stadt und war interessiert daran auszugehen. Zu dritt finden wir auf die Empfehlung eines kroatischen Couchsurfers ein ausgezeichnetes Restaurant.

Danach schlendern wir durch die Altstadt, bis wir zu einer Open-Air Disko kommen, die keinen Eintritt verlangt. Bis in die Frühe genießen wir die warme Sommernacht beim Tanzen zwischen den alten Mauern.


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