Durch die albanischen Berge




Liebes Tagebuch

Nach einem fürstlichen Frühstück, vielen herzlichen Umarmungen und gut gemeinten Geschenken, wie zum Beispiel selbstgemachtem Brot und zwei Litern Raki, machen wir uns auf den Weg. Wir Jungs möchten tiefer in den Süden, um die Städte Gjirokaster und die römische Ruine Butrint zu besuchen. Die Mädels möchten uns noch bis zur nächsten Stadt Permët begleiten.

Zuerst müssen wir die Geröllpiste in die nächstgrößere Stadt Scrapar zurück und von dort einen Weg über die Berge nehmen, den angeblich Rovenas Vater manchmal nimmt. Laut ihm braucht es von seinem Hof bis nach Permët zweieinhalb Stunden. Die albanische Zeitrechnung ist allerdings häufig schwierig nachzuvollziehen, denn wir brauchen schon allein zwei Stunden bis nach Scrapar zurück.

Rovena weist uns in Scrapar den Weg, der sich zuerst sich in die Berge schlägt. Spätestens an einer Baustelle für eine Brücke, die bei unserer Ankunft nur eine wacklige Holzkonstruktion ist, ist nicht mehr von einer „Straße“, sonder nur noch von „ach du scheiße“ die Rede. Diese erste wacklige hölzerne Brücke war geradezu eine vierspurige Autobahn im Vergleich zu den nächsten vermoderten Balken, die uns über einen kleinen Fluss und zur ersten Abzweigung zwischen zwei Geröllpisten bringt.

Zumindest werden wir unterwegs mit einer weiteren schönen Schlucht belohnt, die wir erkunden können.



Da Rovena leider Karten nicht lesen kann leidet unser Vertrauen an ihre Wegweisung. Zumindest stimmt es, dass es eine „Straße“ nach Permët gibt. Wir sind nach wie vor nur etwas naiv darin, uns ihn diesem Land etwas vorzustellen, das für ein normales Auto tauglich ist. Fünf Stunden später sollten wir, psychisch fertig, aber glücklich, dieser Lektion lernen.

Die Brocken auf der Piste sind zwischenzeitlich abenteuerlich groß. Während es anfangs noch durch den Wald und undefinierbar tiefe Schlammlöcher geht schraubt sich der Weg mehr und mehr die Berge über die Baumgrenze hinauf und ich lache innerlich grimmig über die Kieselsteine, die vorher auf dem Weg lagen.

Nun ist die Piste voller Trümmer, die in diversen Erdrutschen auf die Straße gelangt sind. Wir bemerken auch, dass wir in einem überladenen Kleinwagen ohne Allradantrieb gerade versuchen eine Offroad-Strecke mit Steigung zu bewerkstelligen.

Immer wieder scheuche ich meine Freunde aus dem Wagen, um den leeren Wagen einen Hang hinauf zu bringen. Manchmal müssen die Jungs und Mädels auch schieben.

Dadurch lässt sich unsere Stimmung aber nicht trüben. Im Gegenteil: die mediterrane Einöde, in der einsame Ziegenhirten ihre Herde die spärlichen Sträucher abgrasen lassen, während sie in kleinen Zügen an ihrem Rakya nippen und über die Weite der Täler blicken, wird immer wieder erschüttert von einem winzigen, zum Bersten gefüllten weißen Dacia Stepway, aus dessen geöffneten Fenstern irre Ausländer „Jippie, jippie yeah…Krawall und Remmidemmi!“ brüllen.



Ich fahre mittlerweile durchgängig nur im ersten Gang. Nach einigen weiteren Kurven fällt mir ein ungewöhnliches Geräusch unter dem Auto auf. Ein Blick unter den Wagen verrät mir, dass eine lange Plastikabdeckung des Unterbodens über das Geröll schrubbt.

Das Teil lässt sich einfach wieder an einen kleinen Haken klemmen, doch ein Teil fehlt komplett. Ob der überhaupt am Auto war, als wir es entgegen nahmen, kann ich nicht sagen.

Das blöde Ding geht beim kleinsten Widerstand natürlich wieder ab und pflügt den Berg unter uns.

Damit gesellt sich der kaputte Unterboden mit dem defekten Reifendrucksensor zu den zunehmenden Defiziten unseres Wagens.



Zwischendurch passieren wir einen alten Toyota Landcruiser voller Arbeiter, die Rovena nach dem Weg fragt. Wenn Rovena nach dem Weg fragt führt sie für gewöhnlich ein ziemlich langes Gespräch, von dem wir natürlich kein Wort verstehen. Wenn wir sie dann nach der Antwort fragen erhalten wir ein „links“ oder „geradeaus“ – und alle, die nicht Rovena sind, müssen vor Fassungslosigkeit lachen, dass sie für diese Antwort eine Viertelstunde Unterhaltung führen musste.


Die Arbeiter bestätigen, dass wir auf dem richtigen Holzweg sind, und gucken uns dabei ziemlich mitleidig an.

Nach einiger Zeit erreichen wir einen kleinen Holzverschlag, der mit einem blauen Parkplatzschild eine Haltefläche und eine Erfrischung anbietet, die wir alle – das Auto eingeschlossen – dringend brauchen. Dabei handelt es sich offensichtlich um das Café von irgendwelchen Aussteigern.

Man hält uns ein Gästebuch unter die Nase, in dem viele Touristen glücklich von ihrer Fahrt hierher mit ihren Landrover Defendern, Toyota Landcruisern, Jeep Wrangler oder anderen Offroad-Panzern prahlen. Ich verfluche sie innerlich und wünsche ihnen den nächsten Achsenbruch.

Mir zittern bereits die Hände von der physischen und mentalen Anstrengung, welche die Strecke bisher gefordert hat. Aber wir haben es geschafft, und das trage ich stolz in das Buch ein: auch eine schöne Straße für einen Kleinwagen, gemütlich, auch quasi problemlos mit unserem Stepway zu bewerkstelligen. Da werden sich die nächsten Gäste schön wundern.

Wir nutzen die Gelegenheiten unseres Zusammenseins natürlich auch, um unsere Sprachen miteinander auszutauschen. Allen voran Gaby’s Interpretation eines „Eichhörnchen“ in „Eishirnchen“ sorgt bei uns dafür, unsere Freundin penibel immer wieder aufs Neue diese Vokabel abzufragen.





Nach einem fürstlichen Frühstück, vielen herzlichen Umarmungen und gut gemeinten Geschenken, wie zum Beispiel selbstgemachtem Brot und zwei Litern Raki, machen wir uns auf den Weg. Wir Jungs möchten tiefer in den Süden, um die Städte Gjirokaster und die römische Ruine Butrint zu besuchen. Die Mädels möchten uns noch bis zur nächsten Stadt Permët begleiten.

Zuerst müssen wir die Geröllpiste in die nächstgrößere Stadt Scrapar zurück und von dort einen Weg über die Berge nehmen, den angeblich Rovenas Vater manchmal nimmt. Laut ihm braucht es von seinem Hof bis nach Permët zweieinhalb Stunden. Die albanische Zeitrechnung ist allerdings häufig schwierig nachzuvollziehen, denn wir brauchen schon allein zwei Stunden bis nach Scrapar zurück.

Rovena weist uns in Scrapar den Weg, der sich zuerst sich in die Berge schlägt. Spätestens an einer Baustelle für eine Brücke, die bei unserer Ankunft nur eine wacklige Holzkonstruktion ist, ist nicht mehr von einer „Straße“, sonder nur noch von „ach du scheiße“ die Rede. Diese erste wacklige hölzerne Brücke war geradezu eine vierspurige Autobahn im Vergleich zu den nächsten vermoderten Balken, die uns über einen kleinen Fluss und zur ersten Abzweigung zwischen zwei Geröllpisten bringt.

Zumindest werden wir unterwegs mit einer weiteren schönen Schlucht belohnt, die wir erkunden können.



Da Rovena leider Karten nicht lesen kann leidet unser Vertrauen an ihre Wegweisung. Zumindest stimmt es, dass es eine „Straße“ nach Permët gibt. Wir sind nach wie vor nur etwas naiv darin, uns ihn diesem Land etwas vorzustellen, das für ein normales Auto tauglich ist. Fünf Stunden später sollten wir, psychisch fertig, aber glücklich, dieser Lektion lernen.

Die Brocken auf der Piste sind zwischenzeitlich abenteuerlich groß. Während es anfangs noch durch den Wald und undefinierbar tiefe Schlammlöcher geht schraubt sich der Weg mehr und mehr die Berge über die Baumgrenze hinauf und ich lache innerlich grimmig über die Kieselsteine, die vorher auf dem Weg lagen.

Nun ist die Piste voller Trümmer, die in diversen Erdrutschen auf die Straße gelangt sind. Wir bemerken auch, dass wir in einem überladenen Kleinwagen ohne Allradantrieb gerade versuchen eine Offroad-Strecke mit Steigung zu bewerkstelligen.

Immer wieder scheuche ich meine Freunde aus dem Wagen, um den leeren Wagen einen Hang hinauf zu bringen. Manchmal müssen die Jungs und Mädels auch schieben.

Dadurch lässt sich unsere Stimmung aber nicht trüben. Im Gegenteil: die mediterrane Einöde, in der einsame Ziegenhirten ihre Herde die spärlichen Sträucher abgrasen lassen, während sie in kleinen Zügen an ihrem Rakya nippen und über die Weite der Täler blicken, wird immer wieder erschüttert von einem winzigen, zum Bersten gefüllten weißen Dacia Stepway, aus dessen geöffneten Fenstern irre Ausländer „Jippie, jippie yeah…Krawall und Remmidemmi!“ brüllen.



Ich fahre mittlerweile durchgängig nur im ersten Gang. Nach einigen weiteren Kurven fällt mir ein ungewöhnliches Geräusch unter dem Auto auf. Ein Blick unter den Wagen verrät mir, dass eine lange Plastikabdeckung des Unterbodens über das Geröll schrubbt.

Das Teil lässt sich einfach wieder an einen kleinen Haken klemmen, doch ein Teil fehlt komplett. Ob der überhaupt am Auto war, als wir es entgegen nahmen, kann ich nicht sagen.

Das blöde Ding geht beim kleinsten Widerstand natürlich wieder ab und pflügt den Berg unter uns.

Damit gesellt sich der kaputte Unterboden mit dem defekten Reifendrucksensor zu den zunehmenden Defiziten unseres Wagens.



Zwischendurch passieren wir einen alten Toyota Landcruiser voller Arbeiter, die Rovena nach dem Weg fragt. Wenn Rovena nach dem Weg fragt führt sie für gewöhnlich ein ziemlich langes Gespräch, von dem wir natürlich kein Wort verstehen. Wenn wir sie dann nach der Antwort fragen erhalten wir ein „links“ oder „geradeaus“ – und alle, die nicht Rovena sind, müssen vor Fassungslosigkeit lachen, dass sie für diese Antwort eine Viertelstunde Unterhaltung führen musste.


Die Arbeiter bestätigen, dass wir auf dem richtigen Holzweg sind, und gucken uns dabei ziemlich mitleidig an.

Nach einiger Zeit erreichen wir einen kleinen Holzverschlag, der mit einem blauen Parkplatzschild eine Haltefläche und eine Erfrischung anbietet, die wir alle – das Auto eingeschlossen – dringend brauchen. Dabei handelt es sich offensichtlich um das Café von irgendwelchen Aussteigern.

Man hält uns ein Gästebuch unter die Nase, in dem viele Touristen glücklich von ihrer Fahrt hierher mit ihren Landrover Defendern, Toyota Landcruisern, Jeep Wrangler oder anderen Offroad-Panzern prahlen. Ich verfluche sie innerlich und wünsche ihnen den nächsten Achsenbruch.

Mir zittern bereits die Hände von der physischen und mentalen Anstrengung, welche die Strecke bisher gefordert hat. Aber wir haben es geschafft, und das trage ich stolz in das Buch ein: auch eine schöne Straße für einen Kleinwagen, gemütlich, auch quasi problemlos mit unserem Stepway zu bewerkstelligen. Da werden sich die nächsten Gäste schön wundern.

Wir nutzen die Gelegenheiten unseres Zusammenseins natürlich auch, um unsere Sprachen miteinander auszutauschen. Allen voran Gaby’s Interpretation eines „Eichhörnchen“ in „Eishirnchen“ sorgt bei uns dafür, unsere Freundin penibel immer wieder aufs Neue diese Vokabel abzufragen.



Allgemein müssen die Albaner die Tapfersten sein, die diese Strecken hier ständig und ohne Geländewagen, sondern mit ihrer alten C-Klasse, zurücklegen und nicht damit prahlen, sondern es hinnehmen. Womit die Familie hier oben aber eigentlich die Straße bewältigt war nicht zu sehen. Auf unserer Karte sehe , dass wir immerhin schon die Hälfte geschafft hatten.

Die zweite Hälfte ist immer noch anspruchsvoll, aber leichter. Es geht bergab und man muss nur aufpassen, dass man im Schwung nicht ins Rutschen und über den Abhang gerät. Es fühlt sich sehr ungewohnt an am Ende plötzlich wieder Asphalt unter den Reifen zu haben.

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