Curry & Buddha: Mein erster Schritt in Asien


Tagebuch Eintrag

Ich sitze in diesem Moment in Chian Khong, als ich diese Zeilen schreibe. Wir haben heute ein sehr schönes Guesthouse mit Blick auf den Mekong…

Heute regnet es zum ersten mal etwas, trotz der Regenzeit laut Kalender. Es ist schwül. Ein leichter Schauer am Tag – das lässt sich ertragen.


Der Anfang? Nein.

Ein Anfang!

Wir schreiben das Jahr 2004. Dies ist meine erste Reise nach Asien. Eine meine ersten Reisen überhaupt. Zum ersten Mal in einer anderen Kultur. Und meine erste und einzige Reise, die ich gebucht habe. Ich bin zwanzig Jahre alt und hungrig auf die Welt. Ich musste Zivildienst leisten und habe Zeit, bevor ich mein Studium an der Universität beginne.

Eine Reise für so junge, naive und abenteuerlustige Leute – wie mich!

Letztes Jahr beendete ich meine Schulzeit und reiste im Anschluss zum ersten Mal alleine. Es ging nach Kanada. Nun ergreife ich wieder die Gelegenheit für eine Reise. Es soll in eine fremde Kultur gehen und ich bin sehr an Asien interessiert. Der Freund meiner Eltern, der in einem Reisebüro arbeitet, empfiehlt mir Vietnam.

Das Land ist im Umbruch und öffnet sich für Touristen. Es ist noch weit davon entfernt von Touristen überlaufen zu sein. Die Idee gefällt mir. Ich mag keine Touristen.

Der Freund schlägt auch eine Reiseagentur vor, die Reisen für so naive und abenteuerlustige Leute wie mich anbieten.

Vietnam hat erst vor Kurzem seine Grenzen geöffnet

Die australische Agentur Intrepid Travel bietet Touren in kleinen Gruppen an und gibt den jungen Teilnehmern durch einen Guide alle Möglichkeiten, vor Ort zu machen, was sie wollen. Ich finde das Angebot für eine Reise durch ganz Indochina, also eine Rundtour durch Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha. Das klingt wunderbar.


Eine Reise ins Ungewisse

Ich organisiere einen Flug nach Bangkok, um dort meine Reisegruppe zu treffen. Eine Reise ins Ungewisse. Eine fremde Kultur. Fremde Sprachen. Fremde Menschen. Wie wird es wohl werden?

Der Tag ist recht schön, vielleicht etwas kühl. Mein Flug soll erst gegen neun Uhr abends gehen. Mein ICE kommt sogar noch zu früh – alle Anzeichen für eine problemlose Reise stehen gut. Mittlerweile kenne ich mich auf dem Frankfurter Flughafen ganz gut aus und lasse schnell alle Formalitäten hinter mir; mit Ausnahme der Sicherheitsdetektoren: Bei mir piepsen die Maschinen so lange, bis ich sogar die Schuhe ausziehen muss. Als selbst das nichts hilft und ich fast nackt vor den Beamten stehe stellt sich heraus, dass auch das Aluminiumpapierchen meines Kaugummis piepst.

Beim Warten auf den Flug lerne ich noch ein tolles Mädchen kennen.… Zu schade, dass sie nach Kasachstan muss. Der Tag ist doch nicht so klasse, denn während sich das Flugzeug schon in Bewegung setzt gibt der Kapitän kurz vor der Startbahn bekannt, dass wegen dem Austausch eines Teils im ersten Triebwerk sich der Start um drei Stunden verzögern wird.… Na klasse… und dann habe ich noch ein nerviges, extrem gesprächiges altes Ehepaar als Sitznachbarn, die ich an ihren Sohn erinnere…

Ich lande am Flughafen Bangkok Suvarnabhumi. Direkt begrüßt mich die Würmchen-Schrift, die ich nicht entziffern kann: ท่าอากาศยานนานาชาติสุวรรณภูมิ. So heißt der Flughafen in Thailändisch.

Die gemäßigte Temperatur aus dem klimatisierten Flughafengebäude wechselt schlagartig und eine heiße und feuchte Wand schlägt mir ins Gesicht. Ein Thailänder kommt mir mit einem Schild entgegen, das meinen Namen trägt. Er heißt mich willkommen und besorgt mir ein Taxi zu dem Hotel, in dem ich meine Gefährten treffen soll. Anfangs kapiere ich überhaupt nicht was er will, denn er sagt mir, dass mein Taxi ein grauer Volvo sei. Also stopfe ich meine Gepäck in den erstbesten grauen Volvo, den ich sehe. Dem wilden Gestikulieren des Thailänders entnehme ich, dass das der falsche war. Bei einem Blick um mich herum registriere ich auch, dass hier jedes Auto ein grauer Volvo ist.

Mein erster Eindruck von Bangkok

Als ich endlich im richtigen Auto sitze und auf dem Weg bin habe ich Zeit mich umzusehen. Zuerst bemerke ich, dass die Leute auf der verkehrten Seite fahren: in Thailand herrscht Linksverkehr. Die Straßen der Megacity Bangkok sind brechend voll mit Autos und Tuk Tuks und jedes Gefährt versucht sich in alle sich auftuenden Lücken zu quetschen. Entlang der Straße stehen Werbebanner von japanischen Herstellern, so groß wie die Häuser, auf denen sie angebracht sind. Einige Autobrücken führen über die Häuser hinüber, wodurch ich kurzzeitig über ein Panorama der Stadt blicken kann. Ich sehe irgendwo einen großen Fluss und viele Wolkenkratzer.

Das Motto Thailands:

Same same, but different!

Ich sehe Häuser in alle Richtungen, bis zum Horizont.

Mein Taxifahrer ist nicht gesprächig; er versteht kein Wort Englisch. „Very much traffic here, is it always like that?“ –  Hotel?“ „No, the traffic,! Is it usual or just the rush hour after work?“ – Hotel Viengtai?!?!?“ Da kommen wir dann irgendwann an, in einer Seitenstraße, in welcher man vor lauter Verkehr nur im Schritttempo vorankommt. Fußgänger, Tiere, Tuk Tuks und Rikscha-Fahrer blockieren das Vorankommen. Links und rechts der Straße reihen sich Nudelsuppenstände aneinander. Ich drücke dem Taxifahrer hundert Baht in die Hand, das entspricht etwa 2,30€; das ist viel zu viel, aber dass weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Hinter dem Auto schlagen sich schon drei junge Leute um mein Gepäck, welches der Sieger dann ins Hotel bringt. Der Rezeption sage ich dass ich hier meine Gruppe treffen soll. Man hat keine Ahnung, und sucht und sucht und stellt fest, dass die anderen zwar schon eingecheckt, aber nicht zuhause sind.

Ich lasse mein Gepäck an der Rezeption und verlasse meine sichere Burg, um die Straßen um das Hotel herum zu erkunden. Denn ich habe Hunger.

Es gibt Händler, die Kunst anbieten und natürlich auch Straßenküchen. Es herrscht ein Gewusel, wie ich sie aus Abenteuerfilmen kenne, in denen sich der Protagonist durch eine asiatische Stadt kämpft. Es ist laut, es ist chaotisch, hier steigt Dampf auf und alle Sinne sind überreizt. Ich bin wie elektrisiert.



Beim Betrachten der Bilder, Statuetten und anderer Kunstobjekte, die ich definitiv alle kaufen und nach Hause bringen möchte, lerne ich direkt schon den wichtigsten Satz Thailands kennen. Sehen sich diese zwei Dinge nicht ähnlich? Ist das hier das gleiche wie das da? Während in Douglas Adams Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ die Antwort auf die tiefsten Mysterien des Universums „42“ ist, lautet die Antwort in Thailand „Same, same, but different„.


Thai Curry – lecker, aber tödlich

Zwei Plastikstühle um einen Plastiktisch qualifizieren eine Ecke als Restaurant. Ich probiere mein Glück und setze mich in der Hoffnung, auch etwas Essbares zu finden. Eine kleine Frau kommt irritiert auf mich zu und spricht sehr viel Thailändisch mit mir. Sitze ich vielleicht doch falsch hier? Ich habe keine Ahnung, was sie sagt. Doch, ein Wort habe ich verstanden! Curry! Ja, ich will Curry, antworte ich. „Curry?“ – „Curry!“ – „Curry?“ – „Curry!“ – „OooKeeee„. Sie bringt mir zuerst sogar ein kaltes Bier. Das hat ja gut geklappt.

Kurz darauf kommt sie mit einem Teller und zwei Schüsseln zurück. Sie stellt das Geschirr vor mich und verschwindet wieder. Was muss ich machen? In der einen Schüssel dampft klebriger Reis, in der anderen eine gelbe Suppe, an deren Oberfläche eine kleine, verdächtige rote Chilischote schwimmt. Ah, ich muss das Essen selbst zusammenbauen. Ich häufe den Reis auf den Teller, löffle die Currysauce drauf und lasse es mir schmecken. Einen Löffel. Vorsichtig.

Dann melden sich die Feuermelder in meinem Rachen. Scharf. Das ist verdammt scharf! Der Schweiß schießt aus all meinen Poren und rennt gnadenlos in Rinnsalen von meinem Gesicht zum Kinn und tropft in Bindfäden der Erde entgegen. Ich muss ein ekliger Anblick sein. Das kühle Bier verschwindet umgehend. Aber ich habe Hunger. Schmerzhaft kämpfe ich den gefährlichen Reis hinunter. Das Curry ist eigentlich ganz lecker, mein Körper hat lediglich den Eindruck, dass es tausend Grad heiß ist.

Ich wusste, dass das Essen in Thailand scharf ist. Aber nicht, wie unglaublich scharf!


Ich kehre zum Hotel und zur Rezeption zurück. Scheinbar ist mein Zimmerkollege mit dem Schlüssel zurück. Ich folge dem Hotel Boy, der sich mein Gepäck schnappt. Fahrstuhl, 6. Stock. An der Zimmertür angelangt klopft er, aber es kommt keine Antwort. Nochmals keine Antwort. Der Junge macht ein ratloses Gesicht, ich runzle die Stirn. Er entschuldigt sich mit großen Gesten, geht den Gang zurück und fragt eine Putzfrau. Er kommt zurück, entschuldigt sich wieder vielmals und klopft an die gegenüberliegende Tür, worauf sofort ein „come in“ folgt. Ein junger Mann in meinem Alter öffnet. Ich lerne den ersten meiner Gefährten kennen. Glen ist aus Australien, arbeitet bei der Navy und lebt zur Zeit nahe Melbourne. Wir freunden uns sofort an. Er sagt mir, dass um sechs Uhr, in einer halben Stunde, das erste Meeting ist.

Eine gute Gruppe. Zusammen wird es nicht langweilig werden

Wir sollen auch schon tausendachthundert Baht für das Visum nach Laos mitbringen. Erschreckt merke ich, dass ich nur siebenhundert in der Tasche habe. Glen ist schon einen Tag in Bangkok und hat schon etwas von der Umgebung kennengelernt. Wir verlassen dass Hotel und suchen eine Bank; er quasselt wie ein Wasserfall, aber ich habe Mühe dabei mich wieder an die englische Sprache zu gewöhnen. Die Bank macht leider vor meiner Nase zu. Die Mitarbeiter zeigen mir aber noch den Weg zu einem Exchange Office. Dort kann ich einen meiner Traveller’s Cheques eintauschen und erhalte mein Geld.

Geld im Ausland?

Traveller’s Cheques!


Das Treffen findet in einem leeren Hotelzimmer mit ein paar Stühlen statt. Die Gruppe besteht aus zehn Leuten.

Aus Toronto, Kanada, kommen zwei Schwestern. Nicki hat schon viele Reisen gemacht, auf diesen Indochinatrip wollte sie ihre Schwester Jenna mitnehmen. Beide sind hübsch, dreiundzwanzig und einundzwanzig. Nicki hat enorme Ähnlichkeit mit Julia Roberts, nur ist ihr Mund schmaler. Jenna ist weißblond. Beide haben eine besondere Vorliebe für Kopftücher. Die beiden spalten sich des Öfteren von der Gruppe ab, wenn es um seltene Gemeinschaftsessen geht, oder wir mal zum Strand gehen wollen.

Da sind die zwei miteinander befreundeten Schotten aus Aberdeen, Euen und Kevin, beide dreiundzwanzig. Kevin sieht sportlich aus, zuhause ist er Bauarbeiter. Euen ist eher ein Paradebeispiel für einen Briten: etwas unförmig, mit bleicher Haut und leuchtend roten Haaren, von Beruf Wasserbauingenieur. Beide sind extrem fussballbegeistert und fiebern der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland entgegen. Mit einem nicht-zu-verstehenden schottischen Akzent tragen sie viel Spaß in unserer Reise bei. Natürlich kommen sie gleich mit Bier in der Hand ins Meeting und interessieren sich sofort für die beiden Kanadierinnen.

Becky ist aus Neuseeland. Sie ist sehr frech, sechsundzwanzig. Ich erfahre nicht viel über sie.


Ich bin der einzige der Gruppe, der Englisch nicht als Muttersprache spricht.

Jane ist das Vorbild für jede britische Lady und hat einen wunderbaren englischen Akzent, das Aussehen wie eine Dame aus einem Agatha Christie Roman. Öfters nenne ich sie auch Lady Jane, was sie sich amüsiert geschmeichelt gefallen lässt. Mit dreißig Jahren ist die Londonerin aber schon die Zweitälteste (was man ihr aber nicht ansieht).

Nur Brian ist noch älter. Der Neuseeländer kommt aus der Nähe von Christchurch und nimmt mit seinem Alter von vierundsechzig in der Gruppe schon eine Sonderrolle ein. Aber er integriert sich blendend, wenn er auch ein sonderlicher alter Kauz bleibt. Er entspricht dem Klischee eines Kiwis vollständig, denn von Beruf ist er… Schafscherer!

Mia kommt aus Brisbane, Australien. Sie ist Verkäuferin und einundzwanzig; sie ist recht zurückhaltend, in der Richtung „Stilles Wasser“, wie ich selbst.

Unser „Leader“ ist der Australier Ian. Der gut gelaunte Typ mit leichtem Übergewicht und wenig Haaren organisiert den Trip für die internationale Gruppe. Später finde ich raus, dass er Glens Onkel ist. Eine Woche später merkt das auch der Rest der Gruppe. Ian ist ein witziger Australier, der schon lange in Südostasien lebt, jeden zu kennen scheint, aber schon etwas abgebrüht ist. Bei unseren Kneipenkuren wird er uns ein Beispiel solider Trinkfestigkeit sein. Selbst total besoffen wird er noch jeden Weg zum Hotel zurück finden.


Die Route durch Indochina

Dann bekommen wir von Ian eine detaillierte Übersicht über die Route, der wir folgen werden:

Wir beginnen hier in Bangkok und fahren mit einem Nachtzug in den Norden Thailands nach Chiang Mai. Von dort geht es zur Grenze mit Laos, die durch den großen Fluss Mekong gebildet wird. Dort werden wir ein Drachenboot besteigen und mit diesem den Fluss hinunter zur Stadt Luang Prabang fahren. Nach ein paar Tagen Aufenthalt nehmen wir ein Flugzeug in die Hauptstadt Vientiane. Von dort fahren wir mit Tuk Tuks zur Grenze nach Vietnam und nehmen dort ein Fahrzeug, das uns in die Hauptstadt Hanoi bringt.

In Vietnam reisen wir zur Halong Bucht und die Länge des Landes entlang nach Süden, durch die Königsstadt Hue und die Küstenstadt Hoi An bis nach Ho Chi Minh City. Auf dem Land- und Flussweg geht in die Hauptstadt Kambodschas Phnom Penh und von dort weiter nach Siem Riep, um Angkor Wat zu besuchen. Wir haben einiges vor. Wir werden in einfachen Lodges oder Hotels übernachten. Das ist keine Luxusreise. Vor Ort können wir selbst entscheiden, was wir machen, Ian wird uns Tipps geben und organisieren, was wir wünschen.


Am Abend meiner Ankunft habe ich von Bangkok noch keinen Plan. Die Stadt ist gigantisch. Ich begleite Ian und Glen zu einem tollen Restaurant, das Ian gerne besucht. Es ist ein unscheinbares Lokal, das man beim Schlendern durch die Straßen übersehen würde. Es hat einen kleinen Eingang und ein paar Stühle und Tische zum draußen sitzen. Wir betreten das Lokal, es ist acht Uhr. Draußen ist es schon stockfinster. Eine Kellnerin führt uns ins oberste Stockwerk, das wir vollkommen für uns haben. Die Schuhe müssen wir davor ausziehen.

Stühle gibt es keine, nur Kissen um eine erhöhte Tischplatte. Singha Beer und Fried Noodles with Pork, der Standard. Aber lecker. Und vor allem: thailändische Küche ist scharf.

Das habe ich beim Curry bereits festgestellt. Der Raum ist recht klein, aber gemütlich.

Nachdem wir unser Essen beendet haben gehen wir noch in eine Bar; wir setzen uns draußen hin und schauen dem Leben auf der Straße zu; im Nu kommen auch Händler, die uns alles Mögliche an Kram verkaufen wollen. Glen kauft einer Händlerin den Hut vom Kopf, ein komisches unförmiges Ding, mit allerlei Ketten und Perlen daran. Das Ding passt ihm überhaupt nicht, aber er hat seinen Spaß damit.



Diese Stadt ist ein gewaltiger Moloch, der langsam, dessen Herz und Arterien ständig pulsieren. Bangkok schläft nicht. Es ändert sich nur die Farbe des Himmels. In der Nacht bietet die Stadt ein konstantes Feuerwerk aus Beleuchtung.

Die Khao San Road ist legendär

Ich spüre deutlich die Müdigkeit durch die Reise und will zurück zum Hotel. Ian empfiehlt mir noch über die Khao San Road zu gehen, einer belebten Straße des Nachtlebens Bangkoks. Ich folge seiner Wegbeschreibung und stehe nach zehn Minuten Odyssee durch Gassen und Gässchen auf einer Straße, auf der so viel los ist wie in jeder Fußgängerzone zur Zeit des Sommerschlussverkaufes und außerdem von Rollerfahrern noch unsicherer gemacht wird.

„Ladyboys“ in auffälligen Kleidern bieten ihre Gesellschaft an und Händler lassen von ihren exotischen Früchten probieren. Es blinkt und blitzt, von allen Seiten ertönt Geschnatter und schlechte Musik aus schlechten Lautsprechern.

Viele Frauen sprechen Männer an, doch die meisten dieser Frauen sind gar keine Frauen.

Die Häuserfassaden übertrumpften sich an bunten Lichtreklamen, überall sind Bars, Läden, Musik und Lärm. Der Trubel hat mich sofort gefangen.

Die Khao San Road in Bangkok ist eine legendäre Straße, die für ihre lebendige und bunte Atmosphäre bekannt ist. Sie ist ein beliebter Treffpunkt für Reisende aus aller Welt und bietet eine Fülle von Unterhaltungsmöglichkeiten. Die Straße pulsiert rund um die Uhr und bietet eine Vielzahl von Aktivitäten, darunter das Probieren lokaler Köstlichkeiten, das Einkaufen von Souvenirs oder das Erleben des quirligen Nachtlebens. Die Khao San Road ist ein wahres Paradies für Rucksacktouristen und ein Ort, an dem man das authentische Bangkok erleben kann.

Khao San Road


Am nächsten Morgen verlassen wir um neun Uhr morgens das Hotel und folgen Ian durch die Straßen, vorbei an irren Tuk Tuks und scheinbar blinden Motorradfahren, durch kleine versteckte Sträßchen bis zum Hauptpier der Verkehrsschiffe.

Zwischen hektischen Straßen, Hochhäusern und Verkehr, öffnet sich plötzlich das Flusssystem des Chao Phraya und anstelle von Autos fahren die Menschen hier mit dem Boot. Händler, Busse, Taxis oder Familien fahren in kleinen, langen Motorbooten.

Gelegentlich müssen sie Ästen von Bäumen oder Kokosnüssen ausweichen, die an der Wasseroberfläche treiben. Sogar „Straßen“-Schilder kennzeichnen die Kanäle der Stadt.

Wir mieten ein kleines Boot und machen eine Rundfahrt durch Bangkok, um uns einen Überblick verschaffen zu können. Wir kommen an noblen Häusern vorbei, Tempeln, schäbigen Hütten, kleinen Kokospalmwäldchen mitten in der Stadt und Hochhäusern… aber alle mit eigener Anlegestelle. Die Schotten filmen für mich etappenweise mit dem Camcorder mit, den ich für diese Reise mitgebracht habe.

Die Stadt gleicht einem gewaltigen Ameisenhaufen. Motorroller, Tuk Tuks und Autos drängen sich rücksichtslos durch die Straßen. Für mich wirkt es wie Chaos, aber es scheint zu funktionieren.


Tuk Tuks und Boote bestimmen den Verkehr der Megacity



Wir besuchen auch die Altstadt. Der Grand Palace พระบรมมหาราชวัง ist aufgrund der Feierlichkeiten zum Geburtstag Königin Sirikit für Besucher leider gesperrt, aber wir können ihn zumindest von außen sehen. Dafür können wir aber die Tempelanlagen von Wat Po besichtigen. Dort hat sich der größte Buddha der Welt schlafen gelegt. Unzählige Pilger bringen der gewaltigen Statue aus Gold ihre Bitten vor.

Wir nehmen uns eine Führerin, die uns das Gelände zeigt. Die Wände sind verziert mit Bildern aus dem Leben Buddhas. Es gibt kleine Schüsseln, in welche man Geldstücke reinschmeißen muss um Glück zu bekommen. Vor den Tempeleingängen stehen kleine Schwimmbecken mit Lotus und kleinen Fischen drin, außerdem säumen kleine Bonsaibäumchen die Treppen und Mäuerchen.



Die Queen Mum hat Geburtstag


Als Ehefrau von König Bhumibol Adulyadej, auch bekannt als König Rama IX, spielte sie eine bedeutende Rolle im thailändischen Königshaus. Königin Sirikit wurde für ihre Eleganz, Intelligenz und ihr soziales Engagement geschätzt. Sie setzte sich aktiv für das Wohlergehen der thailändischen Bevölkerung ein, insbesondere für die Förderung von Bildung, Kultur und traditionellem Handwerk.

Königin Sirikit von Thailand

In der modernen Skyline der Neustadt findet man zwischen des Glaspalästen, Einkaufszentren und McDonalds auch verwinkelte Straßen voller kleiner Läden oder Straßenküchen. Es riecht nach Abfall und leckerem Essen. Es duftet nach exotischen Gewürzen und stinkt, dass man Würgen muss.

Das Essen in den Straßenküchen schmeckt besser, als in jedem Restaurant, aber zahlreiche fliegende Insekten krabbeln zwischen Fleisch und Gemüse und hier und dort flitzt eine Kakerlake von einem zum nächsten dunklen Winkel. Vermutlich sind das die geheimen Zutaten, die dem Essen in den Restaurants fehlen. Vielleicht.

Zum Ende unseres Aufenthaltes in Bangkok machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Thailand hat kein großes Schienennetz, daher ist auch der Bahnhof nicht besonders überlaufen. Das schöne Gebäude zeugt von der Kunst des vergangenen Jahrhunderts, Stahl und Industrie mit Ästhetik zu verbinden.

Bis zur Abfahrt erkunde ich noch etwas den Bahnhof. Ein paar Gardisten lassen erkennen, dass es hier keine Chance für Kriminelle gibt. Ein paar Bilder der Königsfamilie zieren die Bahnhofshalle. Die Wartenden verfolgen gespannt das Fernsehprogramm auf einem riesigen Flachbildschirm.

Im Nachtzug nach Chiang Mai

Wir betreten den Nachtzug und finden unsere Kojen. Die Fahrt dauert die ganze Nacht hindurch. Erst am Morgen werden wir unser nächstes Ziel, Chiang Mai, erreichen. Als wir uns gerade häuslich in den Kojen, die durch einen Vorhang etwas Privatsphäre erlauben, eingerichtet haben, und ich mich schon schlafen legen will, kommt Kevin aufgeregt angerannt. „Es gibt eine Disco im Zug“ ruft der Schotte aufgeregt. Fantastisch, dann gehen wir in die Bar und trinken etwas.


Die „Disco“ besteht aus einem verdunkeltem Großraumwagen, einer kleinen Bar, Tischen und Bänken, ist nur mit etwas buntem Licht erleuchtet und spielt laut eine Schleife von sieben Popliedern, zu denen man auf ein paar Quadratzentimetern sogar tanzen kann.

Es gibt eine Disco im Zug

Es fängt harmlos mit ein paar Bier an. Dann schenkt Kevin jedem Whisky aus. Dann noch einen. Und noch einen.

Wir leeren den gesamten Whiskyvorrat des Zuges

Scheinbar trinken nur noch der Schotte und ich. Er hebt die Flasche, ich nicke, er schenkt ein. Ich hebe die Flasche, er nickt, ich schenke ein. Das geht so lange, bis ich frage, warum er nicht mehr einschenkt. „Das war die letzte Flasche“ antwortet Kevin. Na gut. Zeit schlafen zu gehen.



Erst beim Aufstehen merke ich, wie angetrunken ich bin. Dass sich der Zug und die Wagons stetig bewegen hilft auch nicht.

Betrunken im Nachtzug – eine sehr schlechte Idee

Mir ist so unglaublich schlecht. Während ich meine Nacht nun hauptsächlich in der ekligen Zugtoilette verbringe spaßen die anderen noch etwas und scherzen, dass man besser kein Trinkduell mit einem Schotten führt.




Ich wache am nächsten Tag auf, kurz bevor wir Chiang Mai erreichen. So habe ich noch genug Zeit meine Sachen zu packen. Ich fühle mich gar nicht so schlimm, dafür, dass die Nacht furchtbar war. Irgendwann bin ich eingeschlafen.

Hey, mir geht es wieder gut!

Alle betreten den Bahnsteig von Chiang Mai. Alle, außer Kevin. „Wo ist Kevin?“ fragt Ian. Schließlich kommt der Schotte mit seinem Gepäck und torkelt die Treppen hinunter. Dann geht er in die Knie und kotzt auf den Asphalt. Ein Grinsen überzieht mein Gesicht.

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