Liebes Tagebuch

Nach etwa zweistündiger Fahrt durch einsame Täler der Northern Highlands erreichen wir nach unserer Wanderung am Stac Pollaidh den Ort Durness im äußersten Norden des schottischen Festlands. Das Südseegefühl ist vorbei. In Richtung dem Kap des Zorns ziehen die Wolken auf und der Wind peitscht uns die Feuchtigkeit in die Gesichter. Die Farben verschwinden aus der Landschaft und die Kontraste nehmen zu.

Im Örtchen Durness sind wir endlich an der Spitze der britischen Insel angelangt. In dem kleinen Ort gibt es nicht viel. Ein paar Häuser, ein Pub, eine Räuberhöhle – alles, was man braucht.

Wir finden ein B&B in einem luxuriösen Bungalow. Der Dame mit ihrem Kind macht es scheinbar nichts aus, dass drei fremde Männer in ihrem Haus einziehen und ein Zimmer in ihrer eigenen Wohnung einnehmen.

Es macht ihr noch weniger aus, diesen Fremden gleich das Kleinkind zu überlassen, weil ihr noch etwas eingefallen ist und sie mit dem Wagen wegfährt. Wir scheinen vertrauensvoll auszusehen.





Unweit von Durness befindet sich das Künstlerdorf Balnakeil. Wie die Mönche haben sich anscheinend ein paar kreative Einsiedler an diesen entlegenen Ort verabschiedet. Dort befindet sich ein kleines Café, dass wir auf die Empfehlung einer Freundin von mir besuchen und den hiesigen Kakao probieren.

Sie hat nicht übertrieben. Es ist der beste Kakao, den ich in meinem Leben getrunken habe.



Am Rande des Dorfes befindet sich die „Smoo Cave“, um die sich viele von Legenden ranken. Zum Beispiel die des Landstreichers McMurdo, der hier im 16. Jahrhundert seine Opfer gemeuchelt haben soll. Oder die über den Geist des Steuereintreibers, dem im 18. Jahrhundert die undankbare Aufgabe zufiel vor Ort Untersuchungen über eine angebliche Schwarzbrennerei anzustellen. Die lokale Bevölkerung löste das Problem auf ihre Weise – und der arme Steuereintreiber soll heute noch als schemenhafte Spukgestalt in den Nebeln des Wasserfalls in der Höhle erscheinen.

Wir besichtigen die Höhle mit einem Dorfbewohner, der sich dieses Ortes in den letzten Jahrzehnten angenommen hat und wie McMurdo aus der Legende aussieht. Nach seiner Aussage kommen hier zwei Höhlen zusammen. Jedenfalls liegen sie nahe beieinander und er ist sicher, dass es auch einen Zufluss gibt. Diesen Durchgang sucht er bereits seit zwanzig Jahren. Jedem seine Beschäftigung.

Es wird Zeit, in den Süden zurückzukehren. Wir haben noch zahlreichen Destillerien einen Besuch abzustatten.


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