🇷🇺 Waldbrände und Eisfelder – die Gefahren unserer Sibirischen Kajakexpedition


Tagebuch Eintrag

Die Nacht verläuft ruhig. Mein Bärenalarm schlägt nicht an. Der vergangene Tag war extrem anstrengend und der Schrecken der sich wiederholenden gefährlichen Situationen des Wildwassers hängt uns tief in den Knochen. Hoffentlich wird dieser Tag entspannter.

Nachdem wir am Ende des letzten Tages in einem kleinen Fluss mit viel totem Holz gelandet sind müssen wir endlich wieder den Hauptfluss finden.

Langsam, aber immerhin ohne bedeutende Herausforderungen, finden wir unseren Weg aus der Hölle des Waldes heraus. Die Mücken fallen in Schwärmen über uns her, daher müssen wir die schützenden Netz über unsere Hüte gespannt lassen.

Wir sind immer noch den Seitenarm der Tara-Sala und wissen nur ungefähr wie weit der Hauptfluss entfernt ist. Laut der Karte verläuft unser Gewässer gerade parallel dazu.  



Als sich die Bewaldung lichtet und alles etwas freier wird steige ich auf einen Hügel und erkunde die Gegend. Ich sehe eine weites Tal mit Kies und kleinen Adern Wassers.

Ein Hauptfluss ist nur zu erahnen, ob dieser mehr Wasser führt als unser Arm, können wir nur erraten.

In der Ferne sehe ich sogar zwei Naleds – ganzjährigen Eisfeldern. Diese Eisfelder können tückisch sein. Es ist möglich, dass unser Fluss unter solche einem Naled hindurch fließt. Davor müssen wir uns rechtzeitig an Land in Sicherheit gebracht haben.



Wir beschließen auf unserem Arm zu bleiben, der nun etwas größer geworden ist. Zum Paddeln reicht es dennoch nicht.

Wir treideln Stunden über Stunden; oft müssen wir mit aller Kraft über die großen Kiesel ziehen, durch die nur noch ein Rinnsal tröpfelt.  

Immerhin schaffen wir es nachmittags ein wenig Strecke durch Paddeln hinter uns zu bringen.

Könnten wir durch den Fluss mit dem Kajak fahren wären wir in zwei bis drei Tagen schon in Batagay-Alyta.

Aber geht es weiter wie heute brauchen wir über eine Woche, und in zehn Tagen müssen wir ein Flugzeug kriegen, das uns nach Jakutsk bringt, damit wir unsere Maschine zwei Tage später nach Hause nehmen können. Es ist kein Wunder, dass in diesem kleinen Dorf nur einmal pro Woche ein Flugzeug startet.

Schaffen wir es rechtzeitig?



Das Eisfeld kann für uns zur gefährlichen Falle werden


Schließlich erreichen wir ein Eisfeld. Wir müssen höllisch aufpassen, dass der Fluss nicht plötzlich eine Biegung macht, die unter das Eis führt.

Aber dann werden wir auf andere Art überrascht. Aus der Distanz rennt ein einzelnes Rentier in vollem Galopp über das Eis auf uns zu.

Kurz vor dem Ende des Naled endet stoppt das Tier und tänzelt vor uns hin und her. Als wir langsam weiter treiben trottet es geduckt etwas weiter, als würde es sich uns gerne anschließen wollen. Dann macht es kehrt und rennt davon.



Uns fällt auf wie diesig es heute ist. Und dann bemerke ich den Geruch nach Rauch. Irgendwo ist ein großer Waldbrand. Der Wind kommt uns entgegen, also scheint der Brand vor uns zu liegen. Als hätten wir nicht schon genug Sorgen…  

Der Rauch wird immer dichter. Bald können wir die Sonne nur noch erahnen. Ein Waldbrand ist eine große Gefahr. Wenn wir mitten in einen Brandherd hineinfahren bringt uns der Fluss auch nichts. Der Rauch macht uns jetzt schon das Atmen schwer.

Leider wird es langsam Abend und wir sind von dem vielen Treideln müde. Wir müssen Rast machen. Zum Glück finden wir eine Kiesbank, die genug Abstand zum Wald hat. Wir schlagen unser Zelt auf und hoffen auf das Beste.

Wir laufen Gefahr in einen Waldbrand zu geraten.



Ich schlafe nicht gut. Alles riecht nach Rauch. Und ich bin alarmiert wegen eines möglichen Feuers um uns herum.

So schlimm der vorherige Tag war, so gut ist der heutige. Das Wetter ist klar und es gibt kein Zeichen vom Waldbrand mehr.


Waldbrände in Sibirien

Später lese ich im Internet, dass Waldbrände in Sibirien an der Tagesordnung sind. Wir machen uns im Westen stets Sorgen um die Brände in Europa, Kalifornien, Australien und Südamerika. Dabei hören wir nie von der anhaltenden Zerstörung der endlos erscheinenden Wälder Russlands. Eine Hauptursache hierfür sind vor allem weggeworfene Zigaretten.




Schaut euch das Video unserer ganzen Reise an!

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