Die Krater von Dimmuborgir



Liebes Tagebuch

Die Situation mit unserem immer leerer werdenden Tanks macht uns zunehmend nervöser und wir beschließen nicht eher anzuhalten, als bis wir eine Tankstelle erreicht haben. Diese hoffen wir in dem kleinen Städtchen Mývatn zu finden. Wir hoffen der Name des Ortes hält nicht, was er verspricht, denn er bedeutet übersetzt „Mückensee“. Wir werden erfahren, dass es doch stimmt.

Auf den letzten Tropfen kommen wir dort an und sind sehr erleichtert, als frischer fossiler Brennstoff wieder in unser Auto fließt. Wir drehen wieder um und fahren die Ringstraße zurück, um ein paar Gebiete zu sehen, die wir auf dem Hinweg verpasst haben.




Um den Mývatn gibt es einige sehenswerte Gebiete. Überall blubbert es, denn hier ist wieder ein Gebiet extremer Geothermie. In schillernden Farben ist der Boden eine Wüste aus Eis und Asche. Der karge Boden strahlt mal gelb, weiß, rot oder ins purpur übergehend, dazwischen sind aufgehäufte kleine Krater, aus denen beständig widerlich richtender Dampf entweicht.

Hin und wieder machen Hinweisschilder darauf aufmerksam, dass man aufpassen soll wohin man tritt, da einen an manchen Stellen nur eine bemerkenswert dünne Kruste Erde von mehrere hundert Grad heißem Erdinnenleben trennen…

Die heiße Masse unmittelbar unter der Erdoberfläche ist nicht die einzige spannende Randbedingung. Über eine dicke Eisschicht können wir über die Lavafelder laufen. Dick, aber nicht dick genug.

Einzelne Löcher lassen uns sehen, dass unter dieser sicher scheinenden Oberfläche scharfe Spitzen auf gefährliche Verletzungen warten. Es schaudert uns ein wenig bei der Vorstellung durch einen unvorsichtigen Tritt durch den Schnee zu brechen.

Wir besuchen das Námafjall-Gebiet und wandern auf ziemlich abenteuerlichen Pfaden über das Eis zu Kratern und erstarrtem Lava. Es sieht hier so aus, als wäre erst gestern ein Vulkan ausgebrochen und gerade erst sei die Lava hart geworden.




Wir sind natürlich vollkommen selbstlos und geben aufeinander acht. Daher ist auch unsere Devise „lass den Dicken voran laufen, solange der nicht einbricht ist es sicher“.

An anderen Stellen sieht man Lavaüberwürfe, die aussehen, als wäre die Magmawelle gerade erst gestern hier drüber gerollt und ist dann erstarrt. Bizarre Formen bezeugen, dass das Gestein hier wirklich vor kurzem noch flüssig war, Netze gespannt hat, weil es zäh war, oder als klebrige Masse irgendwo einfach zum stehen gekommem ist, in welcher Form auch immer.

Außerdem ist die „Gegend“ noch zu jung, um mit dem Begriff Erosion irgendetwas anfangen zu können. An anderen Stellen haben sich diese Landmassen vor dem Erstarren zu gewaltigen Türmen und Toren aufgebaut und sehen aus wie die schlecht klischeehaft hingegipste Kulisse aus einem 70er Jahre Fantasyfilm.



Aus allen Löchern und Spalten brodelt es. Island ist wie das Gegenteil von Atlantis, denn diese Insel ist quasi vor Kurzem erst aus dem Ozean dank der Vulkane herausgewachsen. Island ist sehr jung und befindet sich noch in der Entstehung, die man hier direkt beobachten kann.

Es stinkt stark nach Schwefel und anderen Chemikalien. Auf der ganzen Insel hat man ständig den Geruch von verfaulten Eiern in der Nase. Es wird ganz normal und man wunder sich, wenn man zwischendurch frische Luft atmet.



Dimmuborgir mussten wir alleine schon deswegen einen Besuch abstatten, weil eine bekannte finnische Metal-Band diesen Namen trägt und deren Musik ziemlich genau dem gleichkommt, was man hier in Form von Gestein betrachten kann. Scharfkantige Felsen ragen vom Boden heraus und man kann sich daran schneiden, wenn man unvorsichtig ist. Die Übersetzung von Dimmuborgir leuchtet ein: „Schwarze Burgen“.

Hier herrscht ebenfalls noch der Winter und wenigen kurzen Bäume sind kahl. Wir wandern durch diese bizarre Landschaft. Chris bemerkt, dass in unserem Reiseführer steht, dass hinter dieser Landschaft noch ein Krater liegt, den man besteigen kann. Wir behalten dieses Wissen erstmal für uns, denn wir wissen, dass unser Freund Uwe jeden Höhenmeter aufs Tiefste hasst.

Die Lava hat natürliche Türme und Brücken gebaut. Es sieht aus wie eine Spielwiese der Natur. Einer sehr infantilen Natur.

Wir lassen Uwe in dem Glauben, dass wir hier auf Ebener Erde nur unsere Runden drehen. Erst, als wir kurz vor dem Krater Hvarfell stehen, offenbaren wir unserem Freund, dass es nun dort hinauf geht. Da er nicht genug Zeit hat, um sich aufzuregen, können wir ohne Schwierigkeiten den Aufstieg angehen.




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