Die Geheime Liebe des Albaners für die Italienerin


Liebes Tagebuch

Mein Freund Uwe und ich sind auf dem Rückweg von unserer denkwürdigen Reise durch den Iran. Da wir in Istanbul umsteigen müssen schlage ich vor, dass wir bei der Flugwahl für die längstmögliche Zeit für einen Aufenthalt in der Stadt entscheiden. Uwe ist einverstanden, da er Istanbul selbst noch nie gesehen hat.

Am Flughafen kommen wir bei der Einreisekontrolle ins Gespräch mit einem netten italienischen Paar, Artur und Andrea. Die beiden haben denselben dummen Gedanken wie wir, nämlich ein Stadtbummel beim Stopover. Da wir uns prima verstehen und ich die Stadt schon zwei mal besucht habe, biete ich den beiden an uns zu begleiten. Sie freuen sich sehr und schließen sich uns an.



Mit den Straßenbahnen gelangen wir vom Flughafen einfach in die historische Altstadt und fahren direkt vor die Galatabrücke an das Goldene Horn. Auf der Brücke spricht mich ein Mann an und bittet uns darum ein Foto von ihm mit seiner Frau und seiner Tochter zu machen. Dafür bietet man uns Nüsschen an. Nach drei Wochen im Iran habe ich einen Riecher für Perser und spreche direkt Farsi mit ihnen. Die Familie ist ganz überrascht und aufgeregt. Uwe und ich erklären kurz, dass wir gerade im Iran waren und das Land lieben lernten. Und dass uns dort jeder Nüsse angeboten hat. Der Mann lacht und wir werden natürlich auch jetzt gebeten ein Selfie mit den Iranern zu machen.

Artur und Andrea sind verblüfft und wir schwärmen vom Iran, während wir die Fischer dabei beobachten, wie sie ihre Angeln von der Brücke aus auswerfen. Die beiden waren auf einer Konferenz und sind zurück auf dem Weg nach Bologna.

Es stellt sich heraus, das Artur gar kein Italiener ist, sondern aus Tirana stammt. Wieder sind Uwe und ich aus dem Häuschen, da wir gerade erst letztes Jahr eine tolle Zeit in Albanien hatten. Also überraschen wir nun unseren Freund mit unserem albanischen Vokabular.

Die beiden scheinen aber kein Paar zu sein, sondern Kollegen. Trotzdem verhält Artur sich eine Spur zu höflich und macht Andrea Komplimente, auf die sie nicht reagiert. Uwe bemerkt es auch. Wir geben Artur Rückendeckung und betonen, was er doch für ein sympathischer Typ sei, mit dem Andrea nun reist. Artur ist etwas verdutzt und lächelt uns verwundert, aber dankbar unauffällig für Andrea an.



Wir schlendern durch das Topkapi-Viertel und meine Freunde lassen sich von den Eisverkäufern beeindrucken. Dann müssen wir natürlich in die Hagia Sophia, die uns in ihrer vollen Pracht beeindruckt. Auch mich lässt diese alte Kirche und das heutige Museum jeden Mal den Atem anhalten.

Leider wird drei Jahre später der amtierende Präsident Erdogan das historische Bauwerk zu einer Moschee umfunktionieren.



In der 14-Millionen-Menschen-Metropole am Bosporus ist noch deutlich spürbar, dass es Anfang April und noch Frühling ist. Es ist nicht direkt kalt, aber langärmlig muss es schon sein.

Wir genießen den Blick auf die Bucht und können sogar ein paar neugierige Delphine nahe des Ufers beobachten.



Wir haben Hunger und suchen uns ein schönes traditionelles Lokal, um etwas Einheimisches zu essen. Wir werden in einer kleinen Seitenstraße auch fündig und bestellen Tee und Börek.

Ich habe mir die schüchternen Annäherungsversuche Arturs nun lange genug angesehen und konfrontiere die beiden. „Andrea, du siehst, dass Artur dir hoffnungslos verfallen ist, oder? Und er gibt sich so eine Mühe um dich. Ihr solltet miteinander ausgehen!“

Artur fallen fast die Augen aus dem Kopf. „Stimmt es nicht? Na komm, jeder sieht meilenweit, dass du auf sie stehst. Was hält dich zurück, Andrea?“

Sie lacht verlegen und überlegt, was sie sagen soll. Dann schaut sie Artur an. „Ich weiß nicht. Ich glaube ich bin noch nicht soweit.“ – „Du hast es gemerkt?“ fragt Artur. Ein sehr offenes Gespräch beginnt, das schon sehr lange überfällig zu sein schien.

Wir beschränken uns nur noch auf ein paar wenige, freche Kommentare und treten den Rückzug an. Unser Flug geht bald, wir verabschieden uns von unseren Freunden und überlassen sie ihrem Schicksal.


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