­čç╣­čçĚ Mein Solo Trip nach Pamukkle, der Baumwollburg


Tagebuch Eintrag

Der Busbahnhof von Antalya ├Ąhnelt dem Terminal eines heruntergekommen Weltraumbahnhofs. Mit einem ├╝berraschend komfortablen Fernbus mit Entertainment-System an jedem Sitzplatz fahre ich von unserem Aufenthaltsort in Antalya in die gro├če Stadt Denizli. Dort muss ich in einen Minibus steigen, der mich nach Pamukkale bringt. Ich bin der einzige Ausl├Ąnder im Bus.

Touristen werden normalerweise mit Karawanen riesiger klimatisierter Reisebusse aus allen Hotelresorts des Landes dorthin chauffiert.

Pamukkale ist ber├╝hmt f├╝r seine Calciumterrassen und die Ruinen von Hierapolis. Ein Touristenmagnet, der in keinem Reisef├╝hrer fehlt, aber ich habe die Hoffnung, dass ich den Ort zu dieser Jahreszeit f├╝r mich habe. Ich bin so naiv.



Die Stadt ist klein und ruhig. Es ist Winter und ├╝ber die Strecke durch das Taurusgebirge lag viel Schnee. Die Gesch├Ąfte und Restaurants sind geschlossen. Erst im Zentrum von Pamukkale sehe ich ein paar offene Gasth├Ąuser. M├Ąnner rufen mir das gewohnte „My friend. Where are you from?“  zu. Jeder Mann beginnt das Gespr├Ąch auf die gleiche Weise. Jeder Mann war schon einmal in Deutschland oder hat dort Verwandtschaft. Jeder Mann kann mit mir Deutsch sprechen.

Ich f├Ąnde es sch├Ân mich mit den Leuten mehr auszutauschen, aber ich erhalte immer dasselbe halbherzige Touristenprogramm. Immerhin ein Mann spricht mit mir ├╝ber das katastrophale Erdbeben, das in der vergangenen Woche tausenden Menschen das Heim oder das Leben gekostet hat.



Im Gegensatz zu Geschichten von anderen habe ich bisher nie besonders viel t├╝rkische Herzlichkeit kennengelernt. Daf├╝r war ich bisher vermutlich auch in den falschen Gegenden. Ich habe bis heute erst die Gro├čst├Ądte Istanbul, Izmir und Antalya kennengelernt.

Zugleich scheint ├╝ber dem Land aber eine besondere Schwermut zu herrschen. Und das ist auch kein Wunder. Zwei Erdbeben innerhalb weniger Tage zerst├Âren zahlreiche St├Ądte an der Grenze zu Syrien.

Wellen von Fl├╝chtlingen aus diesen Gebieten suchen Unterschlupf im Westen des Landes.

Erst kurz zuvor kamen zahlreiche Fl├╝chtlinge aus der Ukraine in die T├╝rkei. Davor litt das Land unter einer schweren Inflation, welche die Lira t├Ąglich weiter fallen lie├č. Das geschah w├Ąhrend der Coronakrise, die in der T├╝rkei eine sehr hohe Sterblichkeit hatte und der mit strengen Ausgangssperren begegnet wurde. Und davor wurde die T├╝rkei durch einen angeblichen Putsch und durch Bombenattentate in Istanbul ersch├╝ttert. All das innerhalb weniger Jahre.



Es ist erst Nachmittag und ich plane meinen Besuch der Anlage von Pamukkale f├╝r den morgigen Tag. Darum esse ich gem├╝tlich und streiche durch die Stadt. Sucuk, Oliven, D├Âner, K├Âfte und Ayran: das Essen ist gut. Vor allem die Teekultur genie├če ich. An jeder Ecke bekomme ich einen kleinen Schwarztee, sei es im Restaurant, auf der Stra├če oder im Bus. Eine kleine Nische zwischen H├Ąusern reicht schon aus, um dort einen Samowar und ein paar Hocker hin zu stellen und zum Verweilen einzuladen. Zu dieser kalten Zeit schmeckt der Tee um so besser.

Die Stadt ist so klein, dass ich doch beschlie├če den Berg hinauf zu steigen und die sinkende Sonne f├╝r sch├Âne Fotos zu nutzen. Das Wort „Pamukkale“ bedeutet „Baumwollburg„, weil die Kalziumformationen so flauschig aussehen.




Der Eintritt kostet umgerechnet 10 Euro und beinhaltet die flauschige Festung sowie die Ruinen der antiken griechischen Stadt dahinter. Der Kalkstein ist wei├č, wie Schnee. W├╝rde hier Schnee liegen s├Ąhe man keinen Unterschied. Der Stein ist auch so kalt wie Schnee.

Denn ab dem Punkt, an dem der Weg in den Kalkstein ├╝bergeht muss jeder barfu├č laufen. Im Sommer ist das sicher spa├čig, aber jetzt im Februar ist das ganz sch├Ân frisch bei 4 Grad Celsius Au├čentemperatur. Aber was machen einem Abenteurer schon kalte F├╝├če?




Den Weg hinauf auf die schneewei├če Baumwollburg komme ich an den ber├╝hmten mit Wasser gef├╝llten Terrassen vorbei. Es muss richtig sch├Ân sein, nachdem es geregnet hat und alle diese Pools gef├╝llt sind. Die Aussicht ist herrlich. Die Sicht reicht ├╝ber das Tal bis zu den n├Ąchsten Bergen, die hoch und schneebedeckt sind. Dazwischen steigen inzwischen einzelne Hei├čluftballons auf.

├ťber kleine Kan├Ąle rinnt das Wasser aus den hei├čen Quellen des Berges hinab in das Tal. Je weiter ich hinauf steige desto w├Ąrmer wird das Wasser. Das ist gut, denn so kann ich meine F├╝├če vor dem sicheren Erfrierungstod retten und mit der sch├Ânen Aussicht vor mir wieder auftauen lassen. Dann geht es weiter hinauf und dann stehe ich auch schon barfu├č im hei├čen Wasser auf den Zinnen von Pamukkale – und inmitten hunderter, vor allem asiatischer – Touristen, die mit Reisebussen zum Nordeingang der Anlage gebracht wurden. Es ist Februar und unter der Woche. Ich m├Âchte nicht wissen, was hier an einem Wochenende im Juni los ist.




Solange die Touristen sich an dieser Stelle sammeln habe ich gute Chancen f├╝r Fotos ohne Menschen in die andere Richtung. Dann widme ich mich der Hierapolis, der „Heiligen Stadt“. Auch wenn es hier seit den ersten Menschen einen Tempel gab bauen schon die Griechen hier ein Touristenparadies. Es gab ├Âffentliche B├Ąder, ein gro├čes Theater und sicher auch Casinos und Nachtclubs.

Heute ist lediglich das Theater noch gut erhalten. Obwohl die Stadt den Chroniken nach alle Kriege zwischen Griechen und R├Âmern sowie Byzantinern und Osmanen gut ├╝berstand wurde sie immer wieder von Erdbeben zerst├Ârt. Ein Schicksal, das sich durch die Geschichte der Region zieht.





Zu meiner ├ťberraschung h├Âre ich Spanisch um mich herum und ich komme ins Gespr├Ąch mit Danila und Alejandra. Die Frau und ihre Tochter sind sehr erfreut, als ich ihnen davon erz├Ąhle, dass ich vor einer Woche noch im warmen Medellin war und die beiden staunen ├╝ber meine Erz├Ąhlung von der S├╝damerikareise.

Zum Sonnenuntergang komme ich zu sehr sch├Ânen Fotos, trotz der Massen an Touristen. Ich wei├č nicht, wohin all diese Menschen verschwinden.

Vermutlich bringen die Reisebussen die Menschen wieder in die gro├čen St├Ądte, denn der Ort Pamukkale ist wieder verwaist, sobald ich im Dunklen durch die Stra├čen gehe und das vertraute „My friend! Where are you from?“ begr├╝├čt mich.

Bei Sonnenaufgang nehme ich den Bus wieder zur├╝ck an die K├╝ste und nach Antalya.



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