Liebes Tagebuch

Die bolivianische Copacabana liegt hinter uns und ein Haufen Formalitäten liegt vor uns. Der Grenzübergang verläuft aber unproblematisch. Die bolivianische Polizei und der Zoll haben nichts zu tun und winken uns schnell aus dem Land. Bei den Peruanern ist etwas mehr los, zumindest interessiert man sich hier auch für unseren Gesundheitszustand und prüft uns auf Covid-19.

Wir bekommen unsere Stempel und der Herr vom Zoll, der mir die temporäre Aufenthaltserlaubnis für das Auto ausstellt, hat eher Probleme damit die Informationen auf dem Bildschirm seines Computers zu lesen als mit meiner Glaubwürdigkeit.



Wir machen gleich hinter dem Grenzübergang Halt in dem kleinen Ort Yunguyo. Dort wollen wir eigentlich nur neue Sim Karten kaufen und Geld abheben, aber dann hat das Dorf doch mehr zu bieten, als wir dachten. Wir schlendern durch die Innenstadt und essen zu Mittag. Zu Beginn ist es ruhig, aber gerade als ich erfolgreich mit neuen SIM-Karten und peruanischen Soles in den Taschen zum Auto zurückkehre bricht die Hölle los.

Die Straßen sind plötzlich voll und junge und alte Leute sind auf den Straßen und schwenken politische Flaggen, während laute Musik aus Lautsprechern und diversen Musikinstrumenten ertönt.



Dann beginnen Umzüge von scheinbar zwei oder mehr verschiedenen politischen Fraktionen. Wir kommen zu spät zu unserem geparkten Auto zurück und sind in einem der Umzüge gefangen. Die Leute freuen sich aber über unser offensichtliches Interesse an ihrer Demonstration; die Männer schütteln mir die Hand und die Frauen stürzen sich auf Leon, um seine Hände oder Füße anzufassen. Selbst ältere Damen mit dem Gesicht der Rinde einer Korkeiche und strahlen bei dem Anblick des kleinen Jungen ein breites, zahnloses Lächeln aus und liebkosen ebenfalls Leons Füße.

Es sind Wahlen für das kommende Wochenende angesetzt und die verschiedenen Fraktionen versuchen Anhänger zu mobilisieren. Für einen neuen Anfang.





Sobald der Umzug vorüber gezogen ist nutzen wir die Gelegenheit um weiterzufahren.

Unsere Station für die Nacht liegt am anderen Ende des Titicacasees: die Stadt Puno


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