Liebes Tagebuch

Wir hatten schöne Tage am Rio Verde. Ein Grund für unseren Aufenthalt dort und den Umweg nach Norden war die Straße von hier nach Aquidauana. Von dieser Straße habe ich gelesen, dass es hier besonders viele Ameisenbären zu sehen geben soll. Diese Tiere möchten wir gerne sehen und nehmen dafür die Strecke in Kauf. Wir haben genug Wasser und Nahrungsmittel besorgt und sind bereit.

Die Straße besteht nach wenigen hundert Metern nur noch aus Schotter und Bodenwellen. Zuerst nur enttäuscht die Strecke nur durch Industrie, künstlich angelegte Wälder und dann Rinder weiden. Aber dann ändert sich die Landschaft. Die Straße führt durch Dschungel und wieder an endlose Weiden vorbei. Tafelberg erstrecken sich am Horizont und färben sich im Laufe des Tages mit der tiefer stehenden Sonne rot. 



Wir sehen viele Tiere auf dem Weg, besonders Vögel. Schwarze Geier kreisen immer wieder nahe der Straße, auch weißköpfige Riesengeier sehen wir. Riesige Nandus stelzen durch das Gras und kleine blaue Vögel huschen durch das Gebüsch. Nur Ameisenbären haben wir noch nicht gesehen.
Es ist sehr heiß. Wir stellen die Markise auf, um Schatten zu bekommen. Wieder funktioniert das Wasser nicht, aber diesmal, weil ein Schlauch gerissen ist. Ich repariere den Schlauch, der Wasserdruck kommt aber nicht in seinen ursprünglichen Zustand. Das muss ich mir später nochmal anschauen. 

Sehr baufällig aussehende Holzkonstruktionen führen immer wieder über kleine Flüsse. Wir können auch um die Brücken herum fahren. Jede Brücke hat eine Ausweichmöglichkeit. Aber ich vermute, dass diese Option nur während der Trockenzeit des Winters besteht. 






Wir geben uns nicht viel Mühe bei der Suche nach einem Nachtlager und halten unweit der Piste neben einem Weidezaun. Trotzdem ist die Lage traumhaft. Die Berge sind golden gefärbt und es wirkt wie die afrikanische Steppe. Dieses Bild habe ich mit unter Brasilien nicht vorgestellt. Wir lassen die Drohne über uns kreisen und auch etwas in die Ferne fliegen.

Die Straße geht geradeaus bis zum Horizont. Die Nacht stellt sich ein und mit ihr die Sterne. Der Mond wird langsam voller und verdrängt mit seinem Licht die Milchstraße. 





Wir haben ein entspanntes Frühstück und brechen schon um 8:30 Uhr auf. Und das Pantanal packt ein Sortiment feinster Tierarten für uns aus. Wir sehen Seriemas, Nasenbären, Wildschweine, schwarze Geier, Königsgeier, Wasserschweine, Tüpfelguane, Weißhalsibise und Tucane.

Dann sehen wir weitere Nandus, Jabirus und die überall vorhandenen Caracaras, die aussehen wie Gangster als Vögel. Aber immer noch keinen einzigen Ameisenbären, obwohl es von denen nur so wimmeln soll. Es gibt so viele Termintenbauten hier.



Es ist sehr trocken. Der Wald sieht aus wie Regenwald, aber das Grün ist sehr matt und ähnelt mehr dem Staub der Straße.

In der Regenzeit hat es sicher mehr Farbe, aber dafür weniger Sonne und die Gegend ist schwer zu befahren. 



Lange schon sprechen wir von der „Panne des Tages“. Jeden Tag haben wir irgendein Problem mit dem Auto. Es ist schon fast witzig, wenn es nicht so stören würde und über uns hängt wie ein Fluch. Laut diskutieren wir darüber, was uns heute treffen könnte. Wir hatten schon die Tiefkühltruhe, die Wasserpumpe, die Elektrik und die Türen. Das Schicksal beantwortet unsere Frage gerne und zügig. Im Rückspiegel sehe ich, dass sich die Markise etwas aus der Fassung gelockert hat. Ich halte an und versuche sie wieder zurück zu drücken. Ein kleines Teil löst sich und springt mir entgegen, genauso wie der Rest der Markise einen Augenblick später.

Das ganze Sonnensegel hängt am Wagen herab und lässt sich nicht mehr befestigen. Gleich zwei Kontaktschrauben sind gebrochen und lassen sich nicht ersetzen. Ich versuche es zuerst mit Panzerklebeband und dann mit Gepäckgurten, die ich durch die Fenster binde. So schaffen wir es zumindest bis Aquidauana, wo wir die nächsten Tage auf einer Ranch übernachten werden. Ohne Sichtung eines einzigen Ameisenbären! Trotzdem sind wir froh, dass wir diese Straße gefahren sind, da wir so viel Wildnis sehen konnten.

Oh no


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