Arabische Märkte & Glaspaläste


Liebes Tagebuch

In aller Frühe erreicht unser Flugzeug nach dem Ende der Südkorea-Reise von Michael, meinem Freund aus Berlin, und mir, den Flughafen von Doha. Es ist 6 Uhr früh und im Gebäude ist nichts los. Für 25 US Dollar lässt man uns ins Land einreisen. Wir wollen uns einen Eindruck von Katar verschaffen, wenn wir schon auf der Durchreise hier sind.

Wir verlassen den Flughafen und fragen einen Taxifahrer, ob er uns in die Stadt fährt. Er möchte fünfzig Dollar haben und wir schicken ihn in die Wüste. Vor allem, weil wir auf der Karte feststellen, dass die Stadt gerade um die Ecke liegt. Wir marschieren los. Die Temperatur ist angenehm und die Sonne scheint. Welch eine Überraschung.



Uns beeindruckt direkt der Anblick vom Hafen mir den alten Holzschiffen vor der Kulisse der Skyline des Herzens des modernen Doha.

Wir marschieren die Ufermeile entlang und bleiben am Museum für Islamische Kunst und dem Islamischen Kulturzentrum von Abdullah Bin Zaid Al Mahmoud (Fanar) stehen. Ich wundere mich, ob es hier auch islamische Eisdielen gibt.

Da es noch so früh ist haben die Cafés noch nicht auf. Niemand befindet sich auf der Straße, geschweige denn auf einem Gehweg. Es fühlt sich an, als hätte man uns auf einer einsamen Insel abgesetzt.



Wir werden aufmerksam auf den Souq Waqif, von dem es heißt, dass er er größte traditionelle Markt von Doha ist und dass es dort Kaffee gibt. Und tatsächlich finden wir ein Café, in dem man uns frischen, heißen Espresso braut, während man die Stühle von den Tischen herabstellt und wir beobachten können, wie nach und nach Menschen um den Basar herum auftauchen. Das Leben in Katar erwacht mit der Sonne, die nun langsam, um 10 Uhr früh, im Freien unerträglich heiß wird.

Nach einer kurzen koffeinhaltigen Stärkung erkunden wir den Souq. Einige Ladenbesitzer scheinen Morgenmuffel zu sein und die Türen ihrer Geschäfte sind noch verschlossen. Andere Händler jedoch preisen Teppiche, Töpfe, Bilder, Shisha-Tabak oder wilde Tiere in Käfigen an.

Die Händler versuchen uns nicht aggressiv mit dem Versprechen auf frischen Tee in ihre Geschäfte zu locken sondern beobachten uns eher desinteressiert. Ich schließe daraus, dass hier westliche Touristen eher selten sind und die Zielgruppe auch vermutlich eher aus reichen Bürgern Dohas besteht.

Ich komme mit einem Händler ins Gespräch. Er scheint nicht im Stress zu sein, andere Kunden sind wohl noch am Schlafen und wir plaudern. Ich bin neugierig darauf einen Einwohner Katars kennenlernen zu können. Doch dahingehend werde ich enttäuscht. Der nette junge Mann erzählt mir, dass er aus Indien stammt. Auch wenn er jetzt nicht besonders gefordert wirkt erzählt er mir, dass die Arbeitsbedingungen hart und der Lohn lächerlich gering ist.



Im Café „Deja Vu“ warten wir auf eine junge Frau, die ich in Couchsurfing angesprochen habe und die sich bereit erklärt hat, uns etwas von Doha zu zeigen. Wir schlürfen unseren nächsten Espresso im Schatten des Gebäudes. Hinter dem Schatten kocht der Planet bei mittlerweile bereits 40°C.

Wir beobachten, wie Männer mit weißem Burnus die Straßen entlanglaufen und ihre Frauen in schwarzer Burka folgen. Es ist kein schönes Bild.

Schließlich kommt Roxana und heißt uns willkommen. Sie ist Expat aus den Philippinen und arbeitet hier in einem Hotel. Einer Frau aus Katar wäre so ein Job nicht möglich.



Auch Roxana erzählt uns, dass der Verdienst eigentlich schlecht ist und dass sie nicht mehr lange hier leben möchte. Aber momentan hat sie auch keine Alternative in Aussicht. Sie hat aber einen klimatisierten Firmenwagen, in dem sie uns durch die Stadt fährt und zeigt, was man hier sehen kann.

Wir erfahren, dass sich das Leben innerhalb von Mauern und bei einer funktionierenden Klimaanlage stattfindet. Niemand, der noch alle Kastanien beieinander hat, geht hinaus und macht irgendetwas im Freien. Eine Lieblingsbeschäftigung der Bewohner Katars ist der Besuch von Einkaufszentren. Und da diese so gut besucht werden hat man sich enorm viel einfallen lassen, um diese Gebäude attraktiv zu machen.

So werden wir Zeuge, wie in einem Einkaufszentrum ein ganzes venezianisches Stadtviertel nachgebaut wurde und auf den Kanälen zwischen den Straßen Gondoliere ihre Gäste auf den schmalen Booten transportieren. In den Geschäften im Erdgeschoss finden sich alle Arten von Läden, die man sich vorstellen kann.

Es gibt sogar einen eigenen Freizeitpark mit Karussells und Achterbahnen und angeblich in einem anderen Einkaufszentrum auch eine eigene Ski-Piste.

Wir verlassen die Kommerzhölle und gehen etwas trinken. Da es keine Bars und offiziell keinen Alkoholausschank gibt ziehen sich zumindest die Expats, also die ausländischen Arbeitskräfte des Landes, in Hotels zurück, die über Bars und ein ordentliches alkoholisches Inventar verfügen.



Sobald es Nacht wird ist auf den Straßen die Hölle los. Nun verstehe ich, warum morgens um 10 Uhr noch niemand auf den Beinen ist, denn das Land lebt im Dunkeln.

Wir haben einen interessanten Eindruck durch Roxana erhalten. Während wir durch die beleuchtete Skyline fahren denke ich über das Land nach. Es scheint mir trostlos zu sein nicht an die frische Luft zu kommen.

Leider hatte ich keine Gelegenheit erhalten Einwohner Katars kennenzulernen und daher bleibt bei meiner Abreise aus dem Land nur der Eindruck einer Fassade, auf der arabische Gastfreundlichkeit draufsteht, aber eine Gesellschaft, die ihre Gastarbeiter und Frauen ausnutzt und chancenlos lässt, zurück.

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