Auf einer der gefährlichsten Straßen der Welt




Liebes Tagebuch

Uli hat mich davon überzeugt, dass es eine großartige Idee ist von Kachetien die Hochstraße zu einem Ort namens Omalu zu fahren. Nebenbei zählt diese Straße zu einer der gefährlichsten Straßen der Welt, wenn man BBC glauben möchte:

An einem einladenden Fluss machen wir aufwärts der Berge im Schatten der goldenen Bäume bei einheimischer Wurst und Schafskäse Rast. Verwundert stellen wir fest, dass nicht weit von uns ein Geländewagen und zwei Europäer stehen, während sich ein Georgier an dem Fahrzeug zu schaffen macht.

Als dieser ein eigenes Fahrzeug nimmt und davon fährt gehe ich zu dem Pärchen und biete meine Hilfe an. Bei den beiden handelt es sich um Polen, die sich aus ihrem Auto ausgeschlossen haben. Niemals werde ich vergessen, dass diese beiden noch ernsthaft fragten, ob ich ein Auto knacken kann: „can you break in our car?“. Der Georgier kam jedoch zurück mit etwas Werkzeug. Das Pärchen hatte ihn nicht weit vom Ort ihres Missgeschicks getroffen. Und tatsächlich war der erste Georgier, dem sie begegnet waren, in der Lage sie aus ihrer Situation zu befreien.



Die Fahrt ins Gebirge wird immer wilder. Schon lange haben wir den Asphalt hinter uns gelassen und steigen einer immer enger werdende Schlucht. Es geht nach oben, wie auch unser Motor bemerkt. Aus den Tiefen unter der Motorhaube kommen keine vertrauenserweckenden Geräusche.Auf der Suche nach der Quelle stellen wir fest, dass wir kaum noch Kühlwasser besitzen und der Rest sich ebenfalls gerade buchstäblich in Luft auflöste. Da wir das Wasser vor der Abfahrt kontrolliert hatten konnten wir uns das Phänomen nicht erklären.

Wir lassen den Motor abkühlen und gießen von unserem Trinkwasser nach, da wir keinen anderen Behälter haben. Doch der Anstieg und häufige Einsatz des Vierradantriebs forderten auch vom Motor mehr Ressourcen. Der Mitsubishi Pajero war zwar schon etwas älter, zeigte aber nicht viele Kilometer auf der Anzeige an.



Wir fahren mit etwas bangem Gefühl die Straße weiter entlang. Ab und zu gibt es große Brocken und kleine Bäche laufen über die Straße. Überhänge sehen ebensowenig vertrauenswürdig aus wie die vielen Grabsteine am Wegesrand. Ob die BBC diese Straße unter die zehn gefährlichsten der Welt aufgenommen hat, weil hier viele Gefahren lauern oder wegen der hohen Todeszahl, die man unter Umständen auch auf das suizidale Verhalten eines jeden georgischen Autofahrers schieben kann? Das müsste man die überlebenden Reporter vom BBC fragen.

Dafür zeigt sich der Kaukasus von seiner herrlichsten herbstlichen Seite.

Es ist sommerlich warm, an den Bäumen zeigen sich die Blätter in intensivsten roten und gelben Farben und die Luft riecht nach dem in der Hitze liegenden gefallenen Laub.

Ich bin kein großer Liebhaber des Herbstes, der für mich nicht mehr als den traurigen Abschied des Sommers darstellt. Doch diese Form der prefinalen Jahreszeit ist unglaublich schön und begeistert mich.

Die Schlucht neben uns gähnt tief. Ein geworfener Stein braucht einige Sekunden, bis er durch ein fernes Gepolter in den dunklen Schatten die Wiedervereinigung mit seinen Artgenossen kundtut.



Wieder müssen wir anhalten um das Kühlwasser wieder auf flüssiges Niveau zu bekommen und Gelegenheit haben die unglaubliche Bergkulisse des Kaukasus auf uns einwirken zu lassen. Während wir warten und Steine im Abgrund verschwinden lassen hält ein Geländewagen neben uns. Der Fahrer scheint eine Touristin nach Otomo zu fahren und fragt uns in wildem russisch, was los ist. Uli schildert das Kühlerproblem und der Fahrer schaut sich unseren Motor an.

Doch ihm fällt auch nichts besseres ein, als das Verhalten auf die Kondition der Straße zu schieben. Sie verabschieden sich wieder. Aus meinen Erfahrungen mit Off-road Strecken mit schlechteren Autos weiß ich, dass das nicht sein kann.Solange uns die Bäche nicht ausgehen für neues Kühlwasser ist alles gut. Aber es beunruhigt mich, dass wir nun einen deutlich höheren Treibstoffverbrauch haben.



Ständig huschen Eidechsen über das aufgeheizte Geröll unserer Straße. An einem steilem Hang in der Ferne beobachten wir einen Hirten,

der seine Schafe im Auge hat, die im nahenden Sonnenuntergang wie kleine goldene Wattebäusche aussehen.



Wir treffen unterwegs andere Leute, die Probleme haben. Bei ihnen hat sich jedoch die Batterie verabschiedet.

Schnell zeigt sich, dass wir nicht helfen können. Immerhin ist Hilfe aus dem Tal unterwegs.



Bevor die Sonne verschwindet erreichen wir zum Glück den Torha Pass auf 3000 Metern Höhe und beschließen dort unser Zelt aufzuschlagen. Die vernünftige Idee ist es das Zelt geschützt in einer kleinen Senke aufzustellen.

Wir entscheiden uns für eine kleine exponierte Anhöhe mit einem grandiosen Blick auf das gewaltige Gebirge, hinter dem gerade die Sonne verschwindet und deren letzte Strahlen noch einmal die Welt mit Gold fluten.


Nicht weit entfernt sehen wir einen Container, in welchem Männer wohnen, die bis spät in die Nacht an einem nahen Telekommunikationsmast arbeiten.

Noch im Dunklen beobachten wir die Lampen der Wagemutigen an der Spitze des Turms. Wir packen unsere Nahrung aus und genießen den aufkommenden Sternenhimmel.


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