🇦🇿 Das neue Baku erleben – Mit Freunden und Einheimischen durch die lebendige Metropole


Tagebuch Eintrag

Die Reise durch Aserbaidschan hat gerade begonnen und Baku ist das erste Ziel meiner Erkundung. Die Zeitverschiebung und die Reise fordern Tribut. Aber ich habe es nicht eilig. Es gibt in der Unterkunft ein gutes Frühstück. Bewaffnet mit der Kamera mache ich mich auf den Weg. Eigentlich will ich zuerst eine SIM Karte finden, aber es gibt zu viel zu fotografieren. Mein Hotel liegt in der Altstadt nahe der Stadtmauer.

Die ganze Altstadt ist ein Museum und gut erhalten. Ich habe ein paar Tage Zeit, bevor meine Freunde Uwe und Chris aus Deutschland kommen, in welcher ich die Altstadt İçərişəhər auf eigene Faust erkunde. Außerhalb der Stadtmauern beginnt die schöne Innenstadt. Zuerst jedoch folge ich dem Gefälle hinunter zur Uferpromenade, wo ich einen Blick über das Panorama über das alte und neue Baku habe.







Zum ersten Mal sehe ich das Kaspische Meer



Das Kaspische „Meer“ – oder doch ein See?

Das Kaspische Meer wirkt wie ein Ozean, mit weitem Horizont, salzigem Wasser und einer frischen Brise, die an eine Küstenstadt erinnert. Doch streng genommen ist es eigentlich ein See – der größte abgeschlossene Binnensee der Welt, ohne Verbindung zu den Weltmeeren. Seit Jahrhunderten streitet man darüber, ob es als Meer oder See gelten soll, und bis heute hat die Bezeichnung sogar politische und wirtschaftliche Bedeutung.



Ich folge der schicken Promenade und betrachte das nicht sehr appetitliche Wasser. Die Oberfläche schimmert in bedrohlichen Regenbogenfarben und wabbelige Klumpen treiben in den leichten Wellen. Der Hafen scheint von einer permanenten Ölpest betroffen zu sein.

Die herrschaftlichen Stadthäuser der Innenstadt entstammen dem Beginn des Ölbooms. Auch die moderne Innenstadt ist sehr beeindruckend. Die Stadt zieht ihren Reichtum aus dem Öl aber den Preis zahlt die Natur.



So schön die Promenade auch ist, man blickt vom Ufer aus direkt auf eine permanente Ölpest!




Rechts von mir sehr ich ein modernes Gebäude, das wie eine Blume aussieht und ein Einkaufszentrum ist, die Dəniz Mall. Es soll aber keine Blume, sondern die Wellen des Kaspischen Meers darstellen. Dahinter liegt der Krystal Palace, in dem der Eurovision Song Contest 2012 stattfand. Das Ereignis hat damals die ganze Stadt umgekrempelt und Aserbaidschan bekannt gemacht. Viele Souvenirläden verkaufen noch Fahnen mit dem Logo der Veranstaltung.

Nicht weit davon entfernt liegt das Teppichmuseum, leicht erkennbar an der Form eines Teppichs. Das Gebäude sieht wirklich unglaublich aus. Allerdings spare ich mir den Eintritt und betrachte das Gebäude von außen, da ich nur begrenzt begeistert von hunderten geknüpfter Fußabtretern bin.




Ich wende mich nun Richtung Innenstadt, da ich mir endlich eine SIM Karte besorgen möchte. Aserbaidschaner empfehlen mir eine Straße in der Innenstadt, in welcher es zahlreiche Geschäfte für Telekommunikation gibt. Dort gibt es Tarife vieler Anbieter. Schließlich erhalte ich meine 30 GB SIM Karte von Azercell für 39 AZN. Eine eSIM wäre nur 3GB für 30 AZN gewesen.

Da ist die altmodische SIM Karte ein besseres Geschäft. Sobald ich endlich mobiles Internet habe erhalte ich auch zwei Einladungen. Eine Einladung zum Geburtstag zuhause bei meinem aus Baku stammenden Arbeitskollegen, dann eine Einladung für einen Stadtspaziergang von einer Dame aus Couchsurfing.




Die Innenstadt von Baku präsentiert sich mit einem Glanz, der unübersehbar aus dem Ölboom des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts erwachsen ist. Prächtige Boulevards, elegante Fassaden im europäischen Stil und aufwendig gestaltete Stadtpaläste erzählen von einer Zeit, in der das „schwarze Gold“ Reichtum, Einfluss und kosmopolitisches Leben in die Stadt brachte.

Noch heute spürt man diesen historischen Wohlstand in der Architektur, den fein restaurierten Gebäuden und dem mondänen Flair, das die Innenstadt wie ein schimmernder Mantel umhüllt. Der Stil scheint insbesondere an der Architektur der Städte Frankreichs orientiert zu sein und ich bin beeindruckt, wie weit diese beeindruckende Innenstadt reicht.






Nun ist es wirklich höchste Zeit meine erste Einladung anzunehmen. Zuerst muss ich nochmal in die Altstadt, um in meinem Hotel zu duschen. Für den Geburtstag nehme ich die Metro, weil ich weit hinaus muss. Die Metro ist sehr modern und funktioniert mit Chipkarte. Am Eingang gibt es Automaten zum Laden der Karten, aber keine Karten selbst.

Niemand versteht mich und kann mir sagen, wo ich die Karte kaufe. Eine Frau guckt mich böse und verständnislos an, zuckt dann mit den Schultern, hält ihre eigene Chipkarte an den Sensor der Schranke und spendiert mir den Einlass. Wie nett!!!

Es gibt nur zwei Linien, da ist die Gefahr sich zu verfahren recht gering.




Ich erreiche das Viertel Ahmadli, das sehr sowjetische verfallen aussieht. Es erinnert mich an die Blockbauten aus Jakutsk. Diese Gegend stellt einen großen Kontrast zu der schicken Innenstadt dar. Also ist die hübsche Architektur doch irgendwann zu Ende. Mein Kollege Yusif führt mich von der Metro hierher und führt mich die unbeleuchtete Treppe hinauf zur offenen Wohnungstür, in der mich eine Familie aus Mama, Schwestern, Onkels und Cousins willkommen heißt.

Es gibt sehr, sehr viel zu essen. Yusif ist auf Heimaturlaub mit seiner ebenfalls anwesenden Frau und genießt es sichtlich zuhause zu sein. Die Kommunikation ist lustig. Mit dem einen kann ich englisch sprechen, dem anderen deutsch, mit der Mutter ein paar Brocken russisch und türkisch und mit einem Onkel persisch. Zusammen sprechen sie eine Mischung aus allem.



Irgendwann verabschieden sich alle und ich breche in die Stadt auf, um meine zweite Einladung anzunehmen.

Elvira stammt aus Baku, hat aber einige Zeit in Berlin gewohnt, ist noch immer begeistert von der deutschen Hauptstadt, und freut sich darauf ihr Deutsch aufzubessern. Sie zeigt mir Plätze mit tollem Blick über die Stadt bei Nacht. Zu dumm, dass ich die Kamera zuhause gelassen habe. Schon wieder komme ich erst sehr spät ins Bett.

Und schon wieder bin gerädert, als ich am Morgen aufwache. Irgendwie geht es mir in Baku so jeden Tag. Die Stadt erinnert mich an Berlin.

Der Tag beginnt wieder mit verplanten Aserbaidschanern. Der Frühstücksraum sieht leer und unordentlich aus. Erst als ich jemanden finde erfahre ich, dass die Dame der Küche krank ist und alle Gäste zu einem andern Hotel zum Frühstück begleitet werden.



Baku ist eine Stadt, in der ich immer bis früh morgens durch die Straßen streife und erst mittags aus dem Bett aufstehe.



Ich laufe diesmal in eine andere Richtung tiefer in die Stadt und die Fortbewegung innerhalb der Stadt ist dank mobilem Internet mit Bolt und Uber sehr günstig und einfach. Daher lasse ich mich noch rasch zur Təzəpir məscidi – der Tezepir Moschee – bringen.

Diese Moschee ist nicht weit von der Altstadt entfernt und begeistert mich durch die Lage in einem schönen Park. Für ein muslimisches Land gibt es hier bemerkenswert wenig Moscheen. Alkohol und ähnliche Dinge sind hier kein Problem.



Dann lasse ich mich nochmal mit einem Uber zur Promenade bringen und schaue mir all die schönen Orte an, die ich noch in der Nacht sah. Ich schlendere entlang der Neftchilar Prospekt, der großen Allee nahe der Promenade, durch die auch die Formel 1 Rennautos rasen während des jährlichen Rennens.

Nachmittags treffe ich durch Couchsurfing Turana zu einer Tasse Tee. Die junge Frau wohnt eigentlich in Glasgow, genießt aber jetzt die warme Heimat. Danach treffe ich nochmal die Couchsurferin Elvira, die mir ebenfalls noch viel von der Stadt bei Nacht zeigt.



Mit Bolt und Uber komme ich sehr schnell und günstig durch die Stadt



Mitten in der Nacht zum 13. Oktober treffen endlich meine Freunde Uwe und Chris ein. Um 4:30 klingelt mein Telefon – Uwe ist dran. Zum Glück hatte ich ihm schon den Zugang zum WLAN des Hotels geschickt, falls auch sie vor verschlossenen Türen stehen würden. Und natürlich kommt es genauso. Wenigstens weiß ich inzwischen, in welchem anderen Hotel man um diese Uhrzeit noch Personal für den Check-in findet. Alles wirkt erneut herrlich chaotisch – wie so oft in Aserbaidschan: Die Menschen sind warmherzig, hilfsbereit, aber vollkommen verplant.

Als die beiden schließlich ihre Zimmerschlüssel in der Hand halten, ist die Nacht längst zum frühen Morgen geworden. Doch ein Wiedersehen nach so langer Zeit verlangt gefeiert zu werdenalso öffnen wir eine Flasche Whisky und stoßen an.

Kurz nach fünf Uhr morgens schmeckt er überraschend gut, vielleicht weil Müdigkeit und Freude sich zu einem angenehmen Rausch vermischen.

Es geht doch nichts um ein Glas Whisky mit seinen Freunden um 5 Uhr morgens!

Später am Tag, halb wach und noch leicht benommen, mache ich mich mit meinen Freunden auf den Weg durch die Altstadt. Inzwischen kenne ich jede Gasse, jeden versteckten Innenhof, jede verwinkelte Ecke von Baku. Umgehend verlassen wir aber auch die Altstadt, um die Innenstadt zusammen zu erkunden. Ich beginne damit, meinen Freunden meine bisherigen Lieblingsplätze zu zeigen und wir starten im „Kleinen Venedig„.





Natürlich müssen wir auch zu dem großen Wahrzeichen Bakus schlechthin: Die Flammentürme, Bakus ikonische Flame Towers, prägen die Skyline der Stadt wie kein anderes Bauwerk. Die drei gläsernen Hochhäuser erheben sich wie stilisierte Flammen über der Altstadt und symbolisieren das historische Feuerland Aserbaidschan – ein Land, das seit Jahrtausenden mit Erdgas, Feuerkult und zoroastrischer Tradition verbunden ist.

Besonders spektakulär wirken die Türme nachts, wenn tausende LEDs über die Fassaden tanzen und bewegte Feuerillusionen erzeugen, die weit über die Stadt hinaus sichtbar sind. Ob als modernes Wahrzeichen, architektonisches Statement oder Symbol wirtschaftlichen Aufbruchs – die Flammentürme verbinden Vergangenheit und Zukunft und zeigen, wie eindrucksvoll das neue Baku leuchten kann.




Die wichtigen Regierungsgebäude befinden sich ebenfalls hier auf diesem Hügel. Eine „Allee der Märtyrer“ führt vorbei an Gräbern von Menschen, die am 20. Januar 1990 ums Leben kamen: „Als Schwarzer Januar wird die gewaltsame Niederschlagung der aserbaidschanischen Unabhängigkeitsbewegung sowie des Pogroms gegen die Armenier in Baku vom 19. bis 20. Januar 1990 durch Truppen der Sowjetunion bezeichnet. Das Ereignis forderte den Tod von über einhundert Zivilisten, überwiegend Aserbaidschanern, wogegen beim Pogrom zuvor etwa 90 Armenier getötet worden waren.“ (Wikipedia).

Ich denke mir, dass die Aserbaidschaner öfter daran denken sollten, dass die Armenier genauso unter den Russen zu leiden hatten, wie sie selbst.

Es gibt viel Trauer, die die beiden Völker verbindet.

Am Ende der Allee befindet sich das Shahidlar Monument mit einer „Ewigen Flamme“.

Von hier haben wir eine gute Aussicht über die Stadt, den Hafen und auf den riesigen Flaggenmast, der nicht weit von uns entfernt steht.







Wir verbringen einen langen, ausgelassenen Tag in Baku. Abends treffen wir zusammen meinen Kollegen Yusif in einer weit abgelegenen Brauerei wieder und lernen, dass man in Aserbaidschan nie Bier allein trinkt, sondern nur in Gesellschaft und Verbindung mit kleinen Häppchen zu Essen. Die NZS Pivә Zavodu liegt fast vierzig Minuten Fahrzeit von der Altstadt entfernt und unser Uber Fahrer verirrt sich in der Dunkelheit des Abends in den kleinen Straßen, in denen es nun mehr Industriebauten und Gasverbrennungstürme als Wohnhäuser gibt.

In einer Nische hinter einem Parkplatz und neben einer Raffinerie finden die Brauerei, deren üppiger Biergarten mit seiner Idylle zwischen den brutalen Gebäuden der Industrie sehr fehl am Platz wirkt.

Yusif heißt mich direkt an der Tür willkommen!



Er bringt uns auch zu einem Freund mit einer Shisha Bar in der Stadt, wo wir etwas entspannen. Das gemeinsame Rauchen gehört hier fest zur Stadtkultur. Aber in Shisha Bars gibt es keinen Alkohol. Dafür gibt es jedoch genug andere Bars und Pubs.

Einige Tage später, am Ende unserer Reise, sitzen wir mit Elvi in einer Bar und können dem für Aserbaidschan besonderen Ereignis beiwohnen: dem Champions League Fussballspiel zwischen Atheletic Balbao und Qarabağ.






Am Morgen des 13. Oktober sind wir wieder mit Elvi verabredet, diesmal zum Frühstück auf einer Roof Top Bar mit tollem Blick über die Stadt und das Meer.

Es ist unser letzter Tag in Baku, denn morgen wollen wir uns einen Geländewagen mieten und damit den Kaukasus erkunden.




Danach besuchen wir das futuristische Heydər Əliyev Merkezi. Der aserbaidschanische Präsident Heydər Əliyev hat sich mit diesem Museum und Kulturzentrum ein sehr persönliches Denkmal gesetzt. Aus der Vogelperspektive nimmt das Gebäude die Form der Unterschrift des Präsidenten an.

Ausgerechnet montags hat das extravagante Museum leider geschlossen, daher können wir es nur von außen bewundern. Die Bauarbeiten scheinen auch noch nicht abgeschlossen zu sein, denn der Park ist noch aufgewühlt und voller Absperrungen.





Nach einem Kaffee in Elvis Lieblings Café beschließen wir, das Dorf Bibiheybət außerhalb Bakus zu besuchen. Dafür müssen wir mit einem Uber nochmal eine halbe Stunde raus aus der Stadt fahren. Auch dort verbringen wir bis zum Abend eine gute Zeit. (-> Baku Süd)

Wir fahren zurück in die Stadt, um zu Sonnenuntergang die beleuchtete Kulisse vom Meer aus zu sehen.

Wir nehmen ein Boot und sind gerade rechtzeitig da. Im Dunklen sehen wir nicht mehr, dass wir eigentlich über einen Ölteppich fahren. Dafür zeigen sich die Krystal Hall, die größte Fahne der Welt, die Flammentürme und die anderen Gebäude der Stadt beleuchtet von der beeindruckendsten Seite.





Wir verlassen Baku und erkunden die Abscheron-Halbinsel unweit der Hauptstadt. Dabei besuchen wir nördlich von Baku noch eine riesige Moschee.

Die heißt – Überraschung! – Heydar Moschee und wurde im Dezember 2014 fertiggestellt und dem damaligen Präsidenten Heydar Aliyev gewidmet.



Nach unserer Rückkehr nach Baku nach der Reise durch Aserbaidschans Hinterland weiß Elvi auch gleich wieder unseren Tag zu füllen. Wir besuchen das Ahmad Javad Museum.

Dieser berühmte Sohn des Landes war ein Patriot und Dichter, der unter anderem den Text der heutigen Nationalhymne schrieb. Seine Wohnung ist heute ein Museum




Interessant ist auch das Nationale Historische Museum, in der vom Faustkeil bist zur Panzerfaust alles gezeigt wird, was in den Jahren der Landesgeschichte alles passiert ist.

Viele Artefakte werden ausgestellt und man erhält einen guten Eindruck davon, warum das Land heute so aussieht, wie es aussieht.



Aserbaidschan zeigt sich mir auf vielfältige Weise. Ich sehe das moderne Baku mit meinen alten Freunden und neuen, die ich hier gefunden habe. Die Stadt hat viele Reize und besticht auch mit ihrer historischen Altstadt.

Ich sehe auch die erschreckende Landschaft der Abscheron-Halbinsel sowie das malerische Dorf südlich Bakus. Das Land hat viele Gesichter und es ist spannend, alle davon zu sehen.



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