🇦🇿 Baku İçərişəhər: Meine berührende Erkundung der historischen Altstadt


Tagebuch Eintrag

Schon beim Start in Basel beginnt meine Reise nach Aserbaidschan mit Nervenkitzel. Kein Streik, zum Glück – und doch hat mein Flug Verspätung. In Frankfurt wartet mein Anschluss nach Baku, aber die Uhr ist gnadenlos. Werde ich rennen müssen? Werde ich auf den nächsten Tag umgebucht? Die Antwort soll ich erst bei der Landung erfahren. Endlich dürfen wir an Bord der kleinen Maschine, und während wir abheben, rechne ich aus, wie knapp es werden könnte.

Als wir in Frankfurt aufsetzen, müsste das Boarding nach Baku eigentlich schon laufen. Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes: Ein Taxi wartet auf mich – direkt auf dem Rollfeld. Vor den erstaunten Blicken der anderen Passagiere hält ein Mitarbeiter ein Schild hoch: „Baku“.

Ich dränge mich vorbei, steige die Treppe hinunter und fühle mich für einen Moment wie ein VIP.

Die Tür wird mir geöffnet, der Motor startet, und wir fahren quer über das Gelände, vorbei an riesigen Flugzeugen und blinkenden Lichtern. Ein vertrautes Gefühl steigt in mir auf – schließlich habe ich 2011 selbst hier gearbeitet und kannte das Rollfeld wie eine eigene kleine Welt.

So beginnt mein Abenteuer. Und ich habe noch keinen einzigen Schritt in Baku gesetzt.




Wir halten zuerst in einem dunklen Seitenbereich nahe eines Tors für Fahrzeuge, die auf das Rollfeld wollen. Mein persönlicher Betreuer bringt mich durch eine Tür, wo eine einsame junge Beamtin hinter einem Fenster sitzt und scheinbar ein Gespräch mit ihrer Freundin am Telefon führt, weil hier sonst wirklich niemand ist. Eine kurze Bewegung mit dem Pass in den kleinen Scanner, schon geht es weiter.

Der Fahrer hat auf mich gewartet, der Betreuer öffnet mir wieder die Tür. Wir düsen wieder über das Rollfeld, bis ich die Nummer 47 meines Gates sehe. Dort halten wir, der Betreuer öffnet mir wieder eine Tür, wir gehen eine einsame Treppe nach oben und schon bin ich mitten im Check-in für mein Flugzeug nach Baku!



Hallo Aserbaidschan!

Schnell geht es durch die warme Nacht hinein ins Herz von Baku. Im Dunkeln wirkt die Stadt wie eine kleine Ausgabe von Dubai – glänzende Hotelbauten und sogar ein Miniatur-Abbild des Burj Al Arab erinnern an die Metropole am Golf. Erst die berühmten Flame Towers verraten mir, dass ich tatsächlich in Baku angekommen bin.

Für die Zufahrt zur historischen Altstadt muss man mit dem Auto eine Gebühr entrichten. Der Taxifahrer setzt mich vor dem Hotel ab und verschwindet sofort wieder in der Nacht. Die Eingangstür ist verschlossen.

Ich klopfe, hämmere, warte – nichts. Also umrunde ich das Gebäude, in der Hoffnung auf einen zweiten Zugang. Fehlanzeige. Wieder klopfe ich, wieder hämmere ich. Schließlich spreche ich ein Pärchen an, das zufällig vorbeikommt. Ihr Englisch ist begrenzt, doch sie verstehen mein Problem und rufen für mich im Hotel an. Jemand hebt tatsächlich ab und kündigt an, gleich zu kommen. So viel zum „24/7-Service“. Mir wird noch oft auffallen, wie herzlich, aber herrlich verplant die Aserbaidschaner sein können. Ich bedanke mich bei dem freundlichen Paar – und kann endlich schlafen gehen.



Mit dem Auto muss man für den Eintritt und jede Stunde Aufenthalt in der Altstadt Geld bezahlen



Mir wird noch oft auffallen, wie herzlich, aber herrlich verplant die Aserbaidschaner sein können




Der 10. Oktober – Ich bin etwas gerädert. Die Zeit Verschiebung und die Reise fordern ihren Tribut. Aber ich habe es nicht eilig. Es gibt in der Unterkunft ein gutes Frühstück.

Bewaffnet mit der Kamera mache ich mich auf den Weg. Eigentlich will ich zuerst eine SIM Karte finden, aber es gibt zu viel zu fotografieren. Mein Hotel liegt in der Altstadt nahe der Stadtmauer.


Bakus Altstadt

İçərişəhər beziehungsweise İcherisheher, die historische Altstadt von Baku, ist das älteste Viertel der aserbaidschanischen Hauptstadt und ein UNESCO-Weltkulturerbe. Hinter den dicken Stadtmauern öffnet sich ein Labyrinth aus engen Gassen, alten Steinbauten und kleinen Innenhöfen, in denen sich Geschichte und Alltag begegnen.

Hier stehen Wahrzeichen wie der Jungfrauenturm und der Palast der Schirwanschahs, umgeben von Cafés, Handwerksläden und traditionellem Leben. İcherisheher ist das Herz des alten Baku – ein Ort, der die Vergangenheit lebendig macht und Besucher mit seinem besonderen Charme sofort in seinen Bann zieht.


Die ganze Altstadt ist ein Museum und gut erhalten. Ich besuche den alten Palast der Schirwanschahs Şirvanşahlar Sarayı und lerne, wie die Shahs im 7. Jahrhundert es irgendwie lange Zeit schafften sich die Mongolen, Osmanen, Slawen und Perser vom Leib zu halten.

Den Einfluss der Nachbarn merkt man im Gespräch mit Aserbaidschanern. Ihre Sprache ist ein Flickenteppich aus Russisch, Türkisch, Persisch und ihrem eigenen Aserbaidschanisch.







Ihre Sprache ist ein Flickenteppich aus Russisch, Türkisch, Persisch und ihrem eigenen Aserbaidschanisch



Palast der Schirvanschahs

Der Şirvanşahlar Sarayı, der Palast der Schirwanschahs, ist eines der berühmtesten Bauwerke in Icherisheher, der Altstadt von Baku. Die Anlage stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde von der herrschenden Dynastie der Schirwanschahs erbaut, die über Jahrhunderte große Teile des heutigen Aserbaidschans regierte.

Der Palastkomplex besteht aus mehreren Gebäuden: dem Hauptpalast, dem Divan-Khana, der Palastmoschee, dem Mausoleum und verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsräumen.

Die Architektur spiegelt die Blütezeit mittelalterlicher aserbaidschanischer Kultur wider – klare Linien, fein gearbeitete Steinornamente und ein ruhiger Innenhof, der eine fast meditative Atmosphäre schafft.

Beim Rundgang durch die Räume spürt man die Mischung aus Macht, Kunst und Alltag, die einst das Leben der Schirwanschahs prägte. Heute gehört der Palast zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten Bakus.



Die Leute sind nett und nicht aufdringlich. Ich komme mit vielen Menschen ins Gespräch und lerne mehr Begriffe der Sprache. Die Altstadt ist äußerst touristisch. Vor allem aus Russland, Indien und China sind hier viele Reisegruppen. Touristen aus dem Westen sind daher selten.

Ich streife durch die Altstadt und erreiche das Meer.

Früher reichte das Meer bis zum Jungfrauenturm, wo sich der Legende nach eine unglückliche junge Frau in die Fluten gestürzt haben soll. Ich muss jedoch weiter hinunter laufen, um die moderne Promenade zu erreichen und das Panorama der modernen Stadt zu entdecken. (-> moderne Stadt)



Bakus Jungfrauenturm Qız Qalası

Der Jungfrauenturm, auf Aserbaidschanisch Qız Qalası, ist das wohl geheimnisvollste Wahrzeichen der Altstadt von Baku. Sein Name ist eng mit einer Legende verbunden, die bis heute von Generation zu Generation weitergegeben wird. Der Überlieferung nach soll eine Prinzessin sich aus dem Turm in den Tod gestürzt haben, um einer erzwungenen Hochzeit zu entgehen. Andere Erzählungen berichten davon, dass ihr Vater den Turm erbauen ließ, um sie vor Eindringlingen zu schützen. Welche Version auch erzählt wird – der romantische, tragische Mythos verleiht dem massiven Bauwerk eine unerklärliche Melancholie.

Historisch gesehen liegt der Ursprung des Turms jedoch viel weiter zurück. Teile seines Fundaments stammen vermutlich aus dem 6. bis 7. Jahrhundert, während die heutige Struktur im 12. Jahrhundert vervollständigt wurde.

Seine genaue Funktion bleibt bis heute umstritten: War er ein Wehrturm? Ein Feuertempel zoroastrischer Zeit? Ein astronomisches Observatorium? Archäologische Spuren deuten darauf hin, dass er im Verlauf der Geschichte unterschiedliche Bedeutungen hatte.

Mit seiner ungewöhnlichen elliptischen Form, den dicken Steinmauern und den steilen Wendeltreppen wirkt der Jungfrauenturm wie ein stiller Zeuge Bakus vielschichtiger Vergangenheit – von persischen und arabischen Einflüssen bis zur Blütezeit des mittelalterlichen Aserbaidschans. Heute gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe und bietet vom Dach aus einen beeindruckenden Blick über die Altstadt, das Kaspische Meer und die moderne Skyline der Stadt. So vereint der Turm, wie kaum ein anderes Bauwerk, Geschichte, Mythos und die Seele Bakus.







Die Altstadt ist in einem hervorragenden Zustand und man merkt, wieviel Energie die Aserbaidschaner in den Erhalt der Altstadt ihrer Hauptstadt stecken. Aber es hat auch ihren Preis. Die Mieten dort sind unerschwinglich und mit dem Auto hineinzufahren kann sich niemand leisten. Dafür ist es dort sauber und Autos hätte kaum Platz.

Ich habe das Glück, dass sich über Couchsurfing eine Einheimische bereit erklärt mich zu treffen und mir die Stadt zu zeigen.

Sie heißt Elvira und wohnt bereits seit ihrer Kindheit mit ihrer Mutter in Baku. Sie zeigt mir ihre Lieblingsstellen in der Stadt und führt mich in die vielfältige aserbaidschanische Küche ein.

Die nächsten Tage, aber auch die letzten Tage, die ich Baku verbringe, nimmt sie sich viel Zeit, um mir immer wieder neue Dinge über ihr Land zu erklären oder neue Ecken der Hauptstadt zu zeigen.


Elvi ist meine persönliche Touristenführerin

Qaynana Restaurant








Mitten in der Nacht zum 13. Oktober treffen endlich meine Freunde Uwe und Chris ein. Um 4:30 klingelt mein Telefon – Uwe ist dran. Zum Glück hatte ich ihm schon den Zugang zum WLAN des Hotels geschickt, falls auch sie vor verschlossenen Türen stehen würden. Und natürlich kommt es genauso. Wenigstens weiß ich inzwischen, in welchem anderen Hotel man um diese Uhrzeit noch Personal für den Check-in findet. Alles wirkt erneut herrlich chaotisch – wie so oft in Aserbaidschan: Die Menschen sind warmherzig, hilfsbereit, aber vollkommen verplant.

Als die beiden schließlich ihre Zimmerschlüssel in der Hand halten, ist die Nacht längst zum frühen Morgen geworden. Doch ein Wiedersehen nach so langer Zeit verlangt gefeiert zu werden – also öffnen wir eine Flasche Whisky und stoßen an.

Kurz nach fünf Uhr morgens schmeckt er überraschend gut, vielleicht weil Müdigkeit und Freude sich zu einem angenehmen Rausch vermischen.

Es geht doch nichts um ein Glas Whisky mit seinen Freunden um 5 Uhr morgens!

Später am Tag, halb wach und noch leicht benommen, mache ich mich mit meinen Freunden auf den Weg durch die Altstadt. Inzwischen kenne ich jede Gasse, jeden versteckten Innenhof, jede verwinkelte Ecke von Baku. Es fühlt sich gut an, ihnen nun selbstbewusst diese faszinierende historische Welt zu zeigen – ein Ort, der in nur wenigen Tagen bereits vertraut geworden ist. (-> moderne Stadt)


Formel 1 in Baku

Die Formel 1 hat in Baku einen besonderen Platz, denn der Baku City Circuit führt mitten durch die historische Altstadt und entlang der modernen Skyline. Kaum ein anderer Grand-Prix-Kurs verbindet mittelalterliche Mauern, enge Gassen und rasante Hochgeschwindigkeitsgeraden auf so spektakuläre Weise. Die Fahrer erreichen hier Geschwindigkeiten, die fast an Monza heranreichen, während Zuschauer zwischen Stadtpalästen, Meerespromenade und futuristischen Gebäuden stehen.

Die Rennen in Baku sind berühmt für Überraschungen, Safety Cars, dramatische Überholmanöver und unerwartete Sieger – und genau dieser Mix macht den Grand Prix zu einem der spannendsten Events im Rennkalender.



Mit Uwe und Chris erkunde ich nochmal die Hauptstadt Aserbaidschans. Dabei beobachten wir auch gespannt, wie noch immer die Installationen des Formel 1 Rennens in der Stadt abgebaut werden. Das Rennen fand am 21. September statt und wurde von Max Verstappen im Red Bull gewonnen. Es ist kaum vorstellbar, dass auf den engen Straßen unter unseren Füßen vor wenigen Wochen noch die schweren Formel 1 Boliden entlang rasen. Die Strecke führt auch durch die moderne Innenstadt, die wir uns ebenfalls gemeinsam ansehen. (-> modernes Baku)

Letztendlich hat Elvi eine besondere Überraschung für uns. Sie bringt uns in das Shirvanshah Museum Restaurant, in dem Artefakte der aserbaidschanischen Geschichte auf ein historisches Restaurant von den Ausmaßen eines riesigen Labyrinths treffen. Elvi gibt sich mit ihren Erklärungen viel Mühe, aber auch das Personal nimmt sich Zeit uns immer wieder eine kleine Führung zu geben. Das Essen ist hervorragend, ich lerne Kirschsalat zu schätzen, und wir bestellen dazu großartigen Wein von den Weinguten Savalan und Hillside.





Am 15. Oktober brechen wir mit einem Geländewagen auf, um Aserbaidschan zu erkunden. Wir erleben ein tolles Land voller beeindruckender Natur und herzlicher Menschen. Am Ende der Reise verbringen wir noch einmal ein paar Tage in Baku.

Dort treffen wir auch wieder Elvi, die uns wieder neue Bars, Cafés und Restaurants empfehlen kann. Die Reise durch das Land wird uns immer im Gedächtnis bleiben.




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