Aus einem inoffiziellen syrischen Flüchtlingslager

Liebes Tagebuch

Die Hilfe für die Geflüchteten in der Stadt ist der Großteil der Arbeit von Tiafi. Die meisten Syrer halten sich dennoch vor den Türen der Stadt in wilden Lagern auf und harren dort auf eine Weiterfahrt nach Europa – oder auf eine Änderung der Verhältnisse auf eine anderer Art. Die Zeltlager befinden sich fern der Augen der Behörden, versteckt von den Blicken der Straßen und abseits der Siedlungen. Selbst halbeingestürzte Ruinen in der Landschaft werden als Wohnraum genutzt.

Vor allem Frauen und Kinder werden wegen ihrer Sorgsamkeit bei der Feldarbeit zur Ernte von Früchten und Beeren geschätzt und verdienen so ein überschaubares Einkommen. Die Männer kommen bei schwerer Arbeit zum Einsatz. Diese Einkünfte sind jedoch saisonabhängig und reichen gerade für die nötigsten Lebensmittel.


Die fehlende Infrastruktur aus fließendem Wasser, Strom, medizinischer Versorgung und sanitären Einrichtungen erschweren die Lebensverhältnisse. Mafiöse Strukturen, patriarchische Systeme und die Ausbeutung von türkischen Landbesitzern zehren an den Möglichkeiten der Menschen.

Auch hier engagieren sich Tiafi, Avicenna Hilfswerk und die 3 Musketiere durch die Versorgung mit Kleidung, Drogerieartikeln und Nahrung sowie die Einrichtung einer Schule, um den Kindern durch eine grundlegende Bildung und der Lehre der türkischen Sprache eine Perspektive zu geben.



Wir dürfen am Unterricht teilnehmen und die begeisterten Kinder beim Lernen beobachten. Die Jungen und Mädchen übertrumpfen sich dabei unsere Namen an das Whiteboard zu schreiben. Eine Führung durch die Ruinen und die kleine Zeltstadt zeigt uns im strahlenden Sonnenlicht eines schönen Frühlingstages die knallharte Realität des Lebens hier. Der Lebensraum ist eng und verschmutzt, frisches Wasser muss mühsam besorgt werden, trocknende Wäsche, Abwässer und ein Bereich, an dem die Frauen Fladenbrot backen, liegen dicht beieinander.

Trotz der schlimmen Lage sind die Gesichter der Syrer entspannt. Die Frauen lächeln uns gelassen an und laden uns zum Tee ein. Eine Familie bereitet uns sogar ein fürstliches Mittagessen zu. Ich habe mir die Stimmung angespannt vorgestellt. Die Verhältnisse sind nicht gut, aber es ist schön zu sehen, dass die Menschen ihre Not mit einer tapferen Gelassenheit ertragen.



Wir haben eine Ladung Schuhe dabei, die freudig in Empfang genommen wird. Es ist März und ein verhältnismäßig warmer Tag.

Es ist kaum vorstellbar, wie die Bedingungen im Winter sein müssen.



Glücklicherweise schafft es Anne die richtigen Entscheidungen für eine Akzeptanz des Gemeinschaftszentrums zu treffen und den Flüchtlingen diese Anlaufstelle aufrechtzuerhalten. Glücklicherweise konnten Avicenna Hilfswerk und die 3 Musketiere genug Spendengelder mitbringen, um Tiafi die kommenden Monate die weitere Existenz zu sichern.

Die Tage in Izmir haben dabei geholfen, die einzelnen Projekte, auf denen das Gemeinschaftszentrum beruht, sowie die Versorgung der Schule im Flüchtlingslager, eine Struktur zu geben und auf stabilere finanzielle Beine zu stellen.



Ich habe viele Lektionen über die vergangenen Tage gelernt und bin froh darüber Teil daran haben und zumindest einen kleinen Beitrag an Hilfe leisten zu können. Es ist nicht vorauszusehen, in welche Richtung die kommenden politischen Entscheidungen das Leben von Millionen von Menschen beeinflussen. Die Leute, die um Izmir herum gestrandet und Not sind, bekommen Hilfe, um weitermachen zu können.

Kinder und ihre Mütter lernen dort genau jetzt Lesen und Schreiben, sie werden dort genau jetzt mit Essen versorgt, bekommen genau jetzt Prothesen und lernen wieder Laufen. Es gibt Dinge, die nicht auf politische Entscheidungen warten können, und diese brauchen Organisationen, wie diese.

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